Aus dem InhaltVorwort
a.o. Univ.-Prof. Dr. Helmut Kuzmics
Univ.-Prof. Dr. Peter Schick
Univ.-Prof. Dr. Dr. Gerald Schöpfer
Univ.-Prof. Mag. Dr. Rudolf Muhr
Max Mayr
Mag. Gerhard Winkler Wenn die Gewalt regiert. Dokumentarfotos Hainburger Au und Opernballdemonstration
Helga Bernhart
Dr. Horst Lattinger
Franz Küberl
Hans Küng
Dr. Andreas Schnider
Univ.-Prof. Dr. Rudolf Egger
Kurt Jungwirth
Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer
Farbteil
Univ.-Prof. Dr. Helmut Seel
Dr. Roland Steidl Landesrat Gerhard Hirschmann über Konturen der neuen Kulturpolitik. Ein Interview Landeszeughaus auf CD-ROM und Steirische Singwoche auf Schloss St. Martin
Heribert Schwarzbauer Johannes Koren über Gerhard Moswitzer
Prof. Dr. Peter Teibenbacher
Max Mayr
Max Mayr Modellgemeinde Markt Hartmannsdorf Die Mur - Fluss des Jahres 2001 Ein Bach fließt über den Tummelplatz Die Erhellung der Vergangenheit Quergelesen
Elisabeth Färber Treffpunkt Grazer Künstlerhaus Gleisdorf und Weiz stehen unter Strom
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Respekt und Effizienz
Kurt Jungwirth In Moskau konnte man unter Breschnew um 3 Uhr früh allein auf der Straße gehen, ohne sich an der nächsten Ecke vor einem Überfall fürchten zu müssen. Das Monopol der Gewalt hatte der Staat, seine Polizei war allgegenwärtig, sie hatte die Stadt und das ganze Land fest im Griff. Der Bürger, die Bürgerin mussten brav sein, dann waren sie auch beschützt. Wehe, wenn sie nicht gehorsam waren. So spielte sich das Leben sicher, aber gefesselt ab. Sicherheit setzt Unfreiheit voraus, Unfreiheit schafft Fesselung.Heute geht es in Moskau wie im tiefen Westen zu. Es gibt viele Leute, nicht nur Frauen und alte Männer, die sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße wagen. Der Staat ist in Brüche gegangen, seine Polizei verschwindet. Man muss nicht mehr brav sein, dafür lebt man auch unbeschützt. Die Gewalt ist entstaatlicht, privatisiert. Sie ist latent allgegenwärtig. Das Leben spielt sich locker ab. Lockerheit setzt Freiheit voraus, Freiheit schafft Unsicherheit. Es ist angenehm, sich locker auszuleben. Es liegt auf der Hand, dass man dabei mit Nachbarn leicht ins Gehege kommt. Wenn der Staat keine Grenzen setzt, müsste man sie sich selber setzen. Aber wie und warum soll das gehen? Es ist derzeit bei uns keineswegs schick, sich selbst zurückzunehmen. Es müsste ja nicht gleich christliche Nächstenliebe sein. Wer sie so wie Kirchen verlangt, ist ein Störenfried und wird ausgegrenzt. Indem man ohne Unterlass öffentlich Fehler anprangert, die vor Jahrhunderten im Namen von Religion begangen wurden, macht man damit Kirche von heute schlecht und zensuriert umso leichter ihre unbequemen Warnungen. Eigentlich würde ein wenig Respekt für den Nachbarn genügen. Aber das ist ja auch ein totales Fremdwort. "Respekt" bedeutet ursprünglich, dass man sich umblickt, hinter sich sieht und die beachtet, die man hinter sich lässt, die sogar Hilfe brauchen würden. Das deutsche Wort "Rücksicht" zeigt sehr schön das selbe Bild. Im goldenen Westen von heute ist aber im Gegenteil Rücksichtslosigkeit zur allgemeinen Tugend erhoben. Brutalos werden verherrlicht, nicht bloß in amerikanischen Kitschfilmen, mit denen der ORF in seinem ersten Fernsehprogramm sich die Werbeeinnahmen für sein Überleben sichern muss. Der ganze Lebensstil, der von Amerika aus darangeht, Europa zu unterwerfen, ist kalt und rücksichtslos. Es ist der Stil der cleveren Schichten, die dort drüben auf Kosten der halben Welt mit viel Spaß gut leben. So ist es die wichtigste Aufgabe in Europa, eigene Wege zu suchen und zu finden. Das ist leichter gesagt als getan, gibt es doch den so genannten wirtschaftlichen Anpassungsdruck, der globalisiert über uns gekommen ist. In diesem Wirtschaftskrieg, der uns aufgezwungen wird, heißt die tägliche Parole "effizient" sein. Effizienz muss steigen, damit sinkt manche Lebensqualität. Von der falsch verstandenen Effizienz zur privatisierten Gewalt ist es nur ein kleiner Schritt. Das ist ringsum im Alltag zu beobachten. Wenn wir halbwegs menschlich miteinander umgehen wollen, wird es wichtig sein, immer wieder falschen Wirtschafts- und Lebensstil in Frage zu stellen und uns tagtäglich den besseren Weg zu suchen.
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