Aus dem Inhalt

Vorwort

Univ.-Prof. Dr. Walter Pieringer
Vom Sammler zum Jäger

Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer
Das Sammeln

Gesammelte Einsichten:
Sammler berichten über ihre Leidenschaft

Dr. Odo Burböck
Sammeln als Profession

Hermann Härtel: Das Volksliedwerk hat sich ...

Dr. Heribert Schwarzbauer
Steirische Bildnisse: Sepp Steurer

Dr. Heribert Schwarzbauer
Der gute Geist aus Taiwan: Lin Wen Teh

Prof. Max Mayr
Prof. Franz Weiß: Der Heiligen- und Blumenmaler

quergelesen

Vom Sammler zum Jäger

Psychoanalytische Gedanken zur Sammelleidenschaft von Walter Pieringer

"Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen."
(Goethe, "Faust", 1. Teil)

Nicht nur die modernen, heimatlos gewordenen Menschen, auch die archaischen Menschen, ja sogar Tiere sammeln oft eigenwillige Objekte und opfern dafür Zeit, Kraft und Anteile des Lebens, manchmal das Leben selbst. Wozu sammelt der Mensch und warum wird er manchmal dabei wieder zum Jäger?
    Nach psychoanalytischer Einsicht zeigt die Kulturgeschichte der Menschheit eine Entwicklung vom Jäger zum Sammler. Demnach war der Mensch, zumindest der Mann, zunächst herumziehender Jäger, der erst mit seinem Sesshaft? Werden, mit Beginn von Ackerbau und fester Siedlung zunehmend Sammler zunächst von Naturalien und später von Kulturgütern geworden war.
    Innerhalb der Hochkultur wird diese Zeitenfolge nun oft wieder umgedreht. Der Mensch beginnt zu sammeln, ganz zaghaft und umsichtig und wird dann immer mehr zum wilden Jäger nach besonderen Objekten. Wozu dieses Sammeln dient, interessiert nicht nur den Nachbarn und den Lebenspartner, sondern ist auch eine wissenschaftlich zentrale Frage in den Kulturwissenschaften und in der Psychoanalyse. Die Psychoanalyse, die die Lebensgeschichte des Einzelnen mit der Kulturgeschichte der Menschheit in Beziehung sieht, hat versucht mögliche tiefere Motive der Sammelleidenschaft zu deuten, um die spezifische Bedeutung der Sammelgegenstände zu erhellen.
    Goethe, der bekanntlich ein großer Sammler, angeblich auch ein Schuhfetischist war, wird von S. Freud, der ebenfalls ein leidenschaftlicher Sammler war, mehrmals verwendet, um psychoanalytische Thesen der Sammelleidenschaft zu erklären. In der aktuellen psychoanalytischen Frauenforschung werden diese Thesen, wie auch der einleitende Satz aus Goethes "Faust" zwar konterkariert, aber damit nicht aufgehoben.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".


"steirische berichte" 4/2001: Sammeln: eine Leidenschaft, die Freud' und Leiden schafft