Religion und
Kunst sind miteinander verwandt. Kunst und Kirche gehören also in
eine Familie. In einer Familie gibt es Nähe und Ferne. Kunstnähe ist
für Kirche gut. Es kann dabei zwar zu unangenehmen Berührungen kommen,
aber oft ist das Verständnis von Mensch und Welt über Kunst und Künstler
leichter, direkter zu erreichen als über gelehrte Abhandlungen. In
jedem Fall ist die Präsenz des Priesters in der Welt der Kunst für
beide Seiten wünschenswert, für Priester und für Künstler.
Egon Kapellari, Bischof von Graz-Seckau, ist
ein feinsinniger Kunstkenner. Sein sensibles Interesse für Literatur
hat dazu geführt, dass er vom ORF von Zeit zu Zeit eingeladen ist,
Gedanken für den Tag zu sprechen. Das sind jene drei Minuten vor sieben
Uhr Früh im ersten Hörfunkprogramm - einem der Lichtblicke des ORF.
Drei Minuten, zu denen Ansage und Absage zählen, sind nicht viel im
Vergleich zu ganzen Sendestunden, die anderswo für seichten Schwachsinn
verwendet werden, aber man muss froh sein, wenigstens sie zu kriegen
in einer Zeit der unsinnigen Jagd nach Quoten.
Um es in trockenen Zahlen zu sagen: Das Buch
enthält 80 Texte von 19 deutsch-sprachigen Autorinnen und Autoren,
toten und lebenden, bekannten und fast unbekannten, bekennenden Christen
und anderen. Jeder und jede wird mit einer Kürzestbiographie vorgestellt.
Dann kommt Kapellari und flicht rund um eine schmale Textstelle seinen
Gedankengang. Da ist auf der einen Seite die Diagnose. Von dürftiger
Zeit ist die Rede, von der schon Heidegger sprach, in welcher Leben
wie Sterben unerträglich banalisiert wird. Da sind Spuren der Leere
und Öde des entgötterten Nihilismus. Mit Marie Luise Kaschnitz "steht
noch dahin", ob wir davonkommen ohne gefoltert zu werden, ob wir eines
natürlichen Todes sterben, ob wir nicht wieder hungern, die Abfalleimer
nach Kartoffelschalen durchsuchen ... steht alles noch dahin.
Aber da heißt es eben auf der anderen Seite
mit der nach Ägypten fliehenden Maria bei Konrad Weiß "Kummerlos steht
die im Hoffen unerschrockne Rose offen" und es öffnet sich mit den
Worten des Autors immer wieder der Himmel über aller Dunkelheit des
Daseins.
Das ist ein Buch, das sich in hastiger Zeit
in kleinen Dosen lesen lässt. Ein Buch ohne Pathos, ohne belehrenden
Zeigefinger, ein einfühlsames und weises Buch. Ein kostbares Buch.
(Styria Verlag)
Kurt Jungwirth |
Die Aufgabe
des Bischofs Johann Weber war sicher nicht immer leicht. Er zeigte
stets Loyalität gegenüber den römischen Zentralstellen und seinen
bischöflichen Kollegen. Angesichts mancher Turbulenz in der heimischen
Kirchengeschichte der letzten Jahre mag ihm dies mitunter sehr viel
Kontenance abgefordert haben. Er blieb meist auch in heiklen Situationen
freundlich und verbindlich. Aber auch innerhalb des steirischen Kirchenvolkes
gab es manche Gratwanderung und die ernüchternde Erkenntnis, dass
man nicht jede in einen gesetzte Hoffnung erfüllen kann. Wer ausgleichen
will, läuft Gefahr, den Konservativen als zu progressiv und den Progressiven
als zu konservativ zu erscheinen. Trotz dieser schwierigen Herausforderungen
liegt eine überaus erfreuliche Bilanz über Webers Amtszeit als Bischof
der Diözese Graz-Seckau vor.
Johann Weber war ein Glücksfall für die Steiermark:
Seine entwaffnende Natürlichkeit, seine klare, oft sehr berührende
Sprache und seine Herzlichkeit und Glaubhaftigkeit haben viel dazu
beigetragen, dass er bei der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Egon
Kapellari eine Diözese übergeben konnte, in der es in den letzten
30 Jahren im Wesentlichen ein positives Klima des Miteinander, ohne
große Skandale und ohne tiefe Gräben mit schroffen Polarisierungen,
gegeben hatte.
Der Journalist Josef Bruckmoser, Leiter der
Lokalredaktion der "Salzburger Nachrichten", verfasste das Buch "Johann
Weber. Kirche auf der Spur des Konzils", das soeben vom Styria-Verlag
präsentiert wurde. Diese gut gegliederte und behutsam recherchierte
Biographie des Altbischofs Johann Weber zeichnet nicht nur den Lebensweg
und auch die private Welt auf sehr sachliche Art nach, sondern lässt
durch zahlreiche Interviewpassagen ihn selbst zu Wort kommen. Es finden
sich zahlreiche Originalzitate von Johann Weber aus Reden oder Publikationen,
die sein Denken und seinen tiefen Glauben wiedergeben. Er lässt aber
auch das Wirken Webers immer wieder von manchen seiner Zeitgenossen
und Weggefährten kommentieren.
Insgesamt vermittelt dieser Band ein sehr
ehrlich anmutendes Bild, in dem auch manche Kanten sichtbar werden.
Gerald Schöpfer |
Wie erkennt
man die Warnsymptome der Alzheimer-Erkrankung? Welche Präventionsmöglichkeiten
gibt es? Wie gehen Angehörige von Betroffenen mit Demenzen und Alzheimer-Erkrankungen
um? Warum ist Sexualität im Alter ein Tabu-Thema? Welche Rolle spielen
Aggression und Gewalt im Umgang mit verwirrten Menschen?
Mit all diesen Problemfeldern befasst sich
der informative Band "Verwirrung als gesellschaftliche Herausforderung",
welcher in Weiterentwicklung der Themen des Buches Gerald Schöpfer
- Gerlinde Stessel (Hg.) "Der verwirrte alte Mensch" und zum "Steirischen
Seniorenreport
- Altern, Lust oder Last?" herausgegeben wurde.
Die gesellschaftliche Dimension dieser Problembereiche
liegt auf der Hand: Durch die höhere Lebenserwartung werden auch in
unserem Land in Zukunft die Demenzen und die Alzheimer-Erkrankungen
noch weiter zunehmen. So geht es auch darum, dafür Vorsorge zu treffen.
Dieses Buch präsentiert Beiträge von Gerlinde Stessel, Gerald Schöpfer,
Daniela Flemming, Farhoud Yazdani, Astrid Hedtke-Becker, Georg Paulitsch,
Georg Psota, Gunvor Sramek, Alfred Höller, Hildegunde Kerschbauer,
Peter Strasser, Peter Dal-Bianco, Harald Klier, Michael Schmiederer
und Gerald Gatterer.
Erhältlich:
Der Band kann um ATS 250,- (€ 18,17) bei der Arbeitsgemeinschaft
für Wirtschafts- und Sozialgeschichte bestellt werden:
Institut für Wirtschafts-
und Sozialgeschichte, 8010 Graz, Universitätsstr.15/F2, Tel:
0 31 6/35 21, FAX: 0 31 6/380-95 35, E-Mail: doris.mauthner@uni-graz.at.
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