Ein gesunder Bauernstand braucht eine starke politische Vertretung

Fritz Grillitsch

Der österreichische Bauernstand hat im vergangenen Jahrhundert die größten strukturellen Veränderungen seiner Geschichte in hervorragender Art und Weise gemeistert. Vor hundert Jahren konnte niemand auch nur annähernd erahnen, welche Veränderungen auf die Land- und Forstwirtschaft zukommen. Weder der Umfang der Mechanisierung noch die Globalisierung der Agrarmärkte konnten vorausgesehen werden. Diese Herausforderungen konnten bei uns nur durch die starke Verankerung der Bauernvertretung im politischen System bewältigt werden. Nur so konnten immer rechtzeitig die notwendigen Vorsorgemaßnahmen zur Existenzsicherung des Bauernstandes getroffen werden. Eine gute Verankerung im politischen System wird auch im neuen Jahrhundert notwendig sein.
     Wo es keine Bauernvertreter in den zentralen politischen Entscheidungsgremien gab, wurde der Bauernstand entweder aus politischen Motiven radikal zerstört - wie z. B. in zahlreichen osteuropäischen Staaten - oder es sinkt die Bedeutung der Landwirtschaft wie in vielen Ländern Westeuropas auf die Rolle eines ganz normalen Wirtschaftszweiges ab. Die in Westeuropa ablaufende Entwicklung und die langfristigen Konsequenzen für die Landwirtschaft sollte uns auch in Österreich zu denken geben.

Verlust der Sonderstellung

     Dort führt die Reduzierung der Landwirtschaft auf die Produktion zwangsläufig zum Verlust der Sonderstellung. Dadurch wird sie von der Gesellschaft und den zentralen Entscheidungsgremien wie jeder andere Wirtschaftszweig behandelt, auf die Besonderheiten der Landwirtschaft wird z. B. in der Gesetzgebung immer weniger Rücksicht genommen.
     Weiters treten innerhalb der bäuerlichen Interessenvertretung mit der Konzentration auf die Produktion die Anliegen der einzelnen Produktionszweige immer stärker in den Vordergrund. Übergeordnete Interessen, die alle Bauern betreffen, wie die Sicherung bestimmter Lebensformen, verlieren zunehmend an Bedeutung und werden nicht mit dem notwendigen Nachdruck vertreten.
     Beide Entwicklungen führen dazu, dass die Rahmenbedingungen schleichend so verändert werden, dass kein Platz für typische bäuerliche Lebens- und Wirtschaftsformen mehr bleibt. Verschärft wurde die Situation in diesen Ländern durch den Versuch der Interessenvertretungen, die Agrarpolitik zu entpolitisieren. Dies führte dazu, dass kaum mehr bäuerliche Interessenvertreter in den zentralen staatlichen Entscheidungsgremien, wie Parlamente und Regierungen, vertreten sind. Dadurch haben die bäuerlichen Vertretungen das wichtigste Instrument der Interessendurchsetzung verloren.

Aus Fehlern lernen ...

     Aus diesen Fehlern, die in anderen Ländern gemacht und in Österreich vermieden wurden, müssen wir lernen, eine umfassende Vertretung der Bauern in allen Bereichen dauerhaft sicherzustellen. Deshalb muss das bewährte österreichische System der konzentrierten Interessenvertretung über den Bauernbund nicht nur abgesichert, sondern noch weiter gestärkt werden. Nur über den Bauernbund und die ÖVP ist es möglich, die Bauern in den zentralen Entscheidungsgremien auf Bundes- und Landesebene in allen Lebensbereichen umfassend zu vertreten.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".

Fritz Grillitsch (42) wurde am 14. Oktober 2001 in Wien mit 100 Prozent der Delegiertenstimmen zum Obmann des ÖVP-Bauernbundes gekürt. Der tüchtige Bauer aus St. Peter ob Judenburg ist durch seine Arbeit für die Existenzsicherung der Land- und Forstwirte, den Einsatz für den ländlichen Raum und sein Eintreten für erneuerbare Energien früh hervorgetreten. Schon als Vizepräsident der steirischen Landwirtschaftskammer sicherte er sich österreichweit einen guten Ruf.