Die Dürre hat ein Umdenken ausgelöst

Interview mit LR Erich Pöltl

steirische berichte: Als Agrar- und Umweltlandesrat haben Sie harte Zeiten hinter sich. Die Kämpfe rund um den Genmais, die Auseinandersetzungen um eine gewisse Entschädigung der von der Trockenheit schwer betroffenen Bauern, die leidvolle Sache mit dem Schweinemastskandal. Bei Finanzminister Grasser (Katastrophenfonds) haben Sie sich mit bäuerlicher Ausdauer durchgesetzt, nach dem Freispruch im Schweinemastskandal hat der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Wie sehen Sie die Probleme aus heutiger Sicht?

Landesrat Erich Pöltl: Die Ereignisse der letzten Jahre haben zu einem Umdenken im Bereich der Agrarpolitik geführt, eine Neuorientierung war die Folge. Der Schutz der Verbraucher, insbesondere der Gesundheitsschutz, ist immer mehr in den Mittelpunkt der Agrarpolitik gerückt. Ein wesentliches Merkmal der neuen, zukunftsorientierten nachhaltigen Landwirtschaft ist eine umwelt- und naturverträgliche Produktionsweise. Dadurch kann das Vertrauen in die Qualität der Produkte gestärkt werden. Eine nachhaltige und transparente Produktionsweise führt zu einer verstärkten Nachfrage und zu einer Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage der Landwirtschaft.
    Was den Umgang mit Medikamenten in der Schweineaufzucht betrifft, so haben wir klare gesetzliche Grundlagen. Einem von örtlichen Tierärzten mitverantworteten Tiergesundheitsdienst kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Die begleitende Kontrolle der Lebensmittelerzeugung - vom Feld über den Stall bis zum Schlachthof und auf den Teller - ist eine neue Form des nachvollziehbaren und sicheren Verbraucherschutzes. Die Bedeutung und Sensibilität dieser Thematik hat der Schweinemastskandal gezeigt. Hinsichtlich des Gerichtsverfahrens ist abzuwarten.
    Die Diskussionen rund um das Thema Genmais haben die Notwendigkeit, klare gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, deutlich gemacht. Die Wissenschaft ist in Zukunft gefordert, klare Entscheidungsgrundlagen zu entwickeln.

steirische berichte: Bioprodukte haben einen hohen Stellenwert. Denken Sie an einen speziellen Schwerpunkt?

Landesrat Erich Pöltl: Das derzeitige landwirtschaftliche Förderwesen unterstützt in vielen Bereichen die Umsetzung einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft. Dennoch wird es nötig sein, dieses Förderwesen zu überdenken und neue Schwerpunkte zu setzen. Ich werde mich deshalb in Zukunft verstärkt dafür einsetzten, durch Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen den Anteil der Lebensmittel aus ökologischem Landbau und artgerechter Tierhaltung zu erhöhen.

Die vollständige Fassung dieses Interviews finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".

Erich Pöltl ist Landesrat für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt, Nachhaltigkeit, Wasser und Natur in der Steiermärkischen Landesregierung.