Bäuerinnen sind moderne Frauen
Lisl Leitner
Das Bild der Bäuerin hat sich im vergangenen Jahrzehnt stark gewandelt. Die klischeehafte Vorstellung von der kopftuchtragenden Frau, die schwere körperliche Arbeit verrichtet und der es an Selbstbewusstsein mangelt, verbleicht langsam auch in der Öffentlichkeit. Die Bäuerin des auslaufenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts hat ein neues Selbstverständnis: Sie ist selbständige Unternehmerin, in vielen Fällen Betriebsführerin, die eigenständig betriebliche Entscheidungen trifft und gleichzeitig für das familiäre Wohlergehen sorgt. Sie ist eine selbstbewusste moderne Frau. Durch die selbstverständliche Mitarbeit bei der betrieblichen Arbeit - ob in der Milchwirtschaft oder Rinderhaltung, im Acker-, Obst-, Gemüse- oder Weinbau, um nur einige Produktionssparten zu nennen - trägt sie wesentlich zum Betriebseinkommen bei.
Beraterinnen für gesunde Ernährung
Erwerbskombinationen haben auf Grund der rückläufigen Einnahmen aus der traditionellen Landwirtschaft einen besonders wichtigen Stellenwert bekommen. Die Innovationskraft und der Einsatz der Bäuerinnen haben, speziell in der Steiermark, die Direktvermarktung sowie die Sparte "Urlaub am Bauernhof" zum Florieren gebracht. Viele Bäuerinnen werden sich auch als Lebensmittelproduzentinnen immer stärker ihrer Kompetenz als Beraterinnen für gesunde Ernährung bewusst. Viele Bäuerinnen sind bereits ausgebildete Lebensmittelberaterinnen, die den Konsumenten auf den Höfen sehr gerne ihr Wissen über gesunde Ernährung, die Verarbeitung der selbst erzeugten Lebensmittel und das richtige Kochen weitergeben.
Soziale Absicherung verbessert
Das neue selbstbewusste Selbstverständnis der modernen Bäuerin steht auch in engem Zusammenhang mit einer guten fachlichen und persönlichkeitsorientierten Ausbildung sowie mit einer wesentlich verbesserten sozialen Absicherung. Die Einführung einer Bäuerinnenpension war vor 20 oder 30 Jahren fast noch ein revolutionärer Gedanke, seit rund zehn Jahren ist er eine Selbstverständlichkeit. Ein Meilenstein in der Sozialpolitik war zweifelsohne auch die Teilzeitbeihilfe, eine Art Karenzgeld für die Bäuerinnen. Diese wird jetzt wie für alle österreichischen Frauen vom Kindergeld abgelöst. Für die Bäuerin ist das Kindergeld deshalb so bedeutend, weil es so zu einer finanziellen Gleichstellung mit nicht bäuerlichen Frauen während der Karenz kommt.
| Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte". |
| Ök.-Rat Lisl Leitner, Bäuerin am Zechnerhof in Schörgendorf bei Bruck an der Mur, hat sich bereits als Landeskammerrat erfolgreich für eine zukunftsweisende Agrarpolitik eingesetzt. Ihre Berufung zur designierten Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer wird allseits begrüßt. |