Warum Bauern (nicht) auf die Straße gehen

Josef Kaltenegger

Jungbauerndemo
Die Demonstration der österreichischen Jungbauern vor dem Parlament hat seinerzeit viel Aufsehen erregt.
Gehen die Bauern noch auf die Straße? Oder sollte die Frage lauten: Warum gehen die Bauern nicht mehr auf die Straße? Realität ist, dass hunderte bäuerliche Menschen im Beruf des Bauern keinen Sinn mehr sehen. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren - sie haben resigniert.
     Warum die Bauern nicht mehr auf die Straße gehen? Vielleicht haben sie es schon verlernt oder es wurde ihnen verlernt. Ein Beispiel, welches symbolisch zeigt, dass die Gesprächskultur verloren ging: Als die Milch noch mit den Kannen zur Milchrampe der Sammelstelle gebracht wurde, war man zumindest einmal am Tag auf der Straße, es gab das gute Gespräch über alles Wichtige und Unwichtige, über Ängste und Sorgen und das im ganzen Land, denn Milch wurde damals noch überall produziert.
     Heute rollt man gehetzt mit dem Traktor auf der Dorfstraße oder am Feld entlang, eventuell noch ein flüchtiger Gruß zum Nachbarn, wenn dieser nicht gerade den PC auf seiner Maschin' programmiert.
     Viele große Milchproduzenten wollen außerdem nicht einsehen, warum der kleinere, vielleicht in einer schwierigen Lage beheimatete Bauer auch an ihrem Glück teilhaben soll. Wozu brauchen wir überhaupt die Kleinen?
     Ich meine, es findet derzeit eine brutale Entsolidarisierung unter den Bauern statt.
     Nur merkt man es nicht oder will es nicht wahr haben. Raiffeisen würde sicher nicht gut schlafen ...
     Das Teuflische daran ist, dass es die internationale Walze von Geld- und Aktienspekulanten den ehrlich kämpfenden bäuerlichen Vertretern in Österreich zunehmend unmöglich macht, für die überlebenswichtige Perspektive des ökosozialen Weges einzutreten bzw. diese umzusetzen. Von internationalen Bestrebungen ganz zu schweigen.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".

Ing. Josef Kaltenegger ist Geschäftsführer des Ökosozialen Forums Steiermark.