Es sind nicht nur die 700 Postämter ...

Fritz Csoklich

Kürzlich ist die Liste jener 137 Postämter veröffentlicht worden, die in der Steiermark zugesperrt werden sollen, weil sie keinen wirtschaftlichen Erfolg haben und defizitär sind. In ganz Österreich sollen aus diesem Grund rund 700 Postämter, vor allem auf dem Land, geschlossen werden. Die Post versucht nun zu beruhigen und versichert, dass durch diese Maßnahme niemand entlassen wird. Es sollen lediglich die befristeten Verträge nicht mehr verlängert werden, außerdem gehen viele Postler in Pension, so wird offiziell beschwichtigt. Die Post erklärt, dass bei der beabsichtigten Schließung von Postämtern von drei Kriterien ausgegangen wird: von der Bevölkerungsdichte des betreffenden Ortes, von der Erreichbarkeit des Postamtes und von der Wirtschaftlichkeit des Amtes. "Geht ein Postamt schlecht, müssen wir es schließen, denn wir sind ja jetzt eine Aktiengesellschaft", sagt der Postsprecher dazu.

Es trifft den ländlichen Raum

     Diese Erklärung klingt plausibel, wenn man nur von ökonomischen Kriterien ausgeht. Doch das Problem ist viel tiefer gehend, wenn man in Betracht zieht, was alles zugesperrt und geschlossen werden soll und wenn man feststellen muss, dass durch diese Schließungen vor allem und in erster Linie der ländliche Raum in ganz Österreich betroffen wird. Denn es sind ja nicht nur viele Postämter gerade auf dem Land, die dem Publikum in Hinkunft nicht mehr zur Verfügung stehen, sondern es sind auch zahlreiche Gendarmerieposten, Finanzämter und Bezirksgerichte, die in Hinkunft aus Gründen der Einsparung geschlossen werden sollen.

Schließung von Grundschulen

     Dazu kommen noch zahlreiche Einschränkungen, die mit wirtschaftlichen Gründen nichts zu tun haben, die aber ähnlich einschneidende Auswirkungen haben. So droht in absehbarer Zeit die Schließung von allzu kleinen Grundschulen auf dem Land, wenn der ständige Rückgang der Kinderzahlen nicht endlich gestoppt werden kann, da es da und dort einfach zu wenig Schüler geben wird, um die gegenwärtige Ausstattung der Ortschaften mit Schulen sicherzustellen. Außerdem gibt es schon jetzt immer mehr Lehrer, die dort, wo sie unterrichten, gar nicht wohnen und leben und die daher jeden Tag zum Unterricht von irgendwo anders her "einpendeln" und nach dem Unterricht bald wieder wegfahren.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".

Dr. Fritz Czoklich hat vor kurzem in der Sendung "Gedanken zur Zeit" (jeweils Sonntag, 8:04 bis 8:15, Radio Steiermark) zur Ausdünnung der Talente im ländlichen Raum durch allerlei negative Entwicklungen in überaus engagierter Weise Stellung genommen. Wir legen dieses Statement allen Entscheidungsträgern ans Herz.