Bauernhöfe schließen unbemerkt
Karl Brodschneider
In den vergangenen drei, vier Jahren hat unsere Gemeinde einige bedeutende Einschnitte erlebt. Seit dem Tod unseres Pfarrers wird unsere Pfarre im Pfarrverbund von Unterpremstätten aus betreut.
Unser Dorf ist tagsüber oft verwaist
Unsere Bauern sehen in der Spezialisierung ihrer Produktion Zukunftschancen. Dabei kann man ihnen neidlos zugestehen, dass sie in puncto Ausbildung und Fachwissen ganz vorne stehen. Allerdings können sie - auch bedingt durch die hohe Nebenerwerbsrate - nicht verhindern, dass unser Dorf tagsüber oft wie ausgestorben wirkt. Daher ist es mein Bestreben als Bürgermeister, alle Veranstaltungen und Aktivitäten zu fördern, die dazu führen, dass die Menschen zusammenkommen und miteinander einige (gemütliche) Stunden verbringen und vor allem, dass sie miteinander reden. In diesem Sinne tritt die Gemeinde selbst mit einer Reihe von gesellschaftlichen und der Weiterbildung dienenden Veranstaltungen auf.
Unser Lagerhaus, seit jeher ein Bauerntreffpunkt, wurde geschlossen, ebenso unser Gendarmerieposten. Die geplante Postamtsschließung wurde Gott sei Dank zurückgenommen.
Während diese Ereignisse von der Bevölkerung teilweise mit Protest wahrgenommen werden, schließen Bauernhöfe meist unbemerkt für immer ihre Hoftore und Stalltüren. Erst wenn auch unser Storchennest verwaist bleibt, werden die Menschen darauf reagieren und sich fragen, was passiert sei, weil der Storch nicht mehr kommt. Die Antwort darauf ist einfach - wenn es keine Rinder mehr gibt, braucht man keine Wiesen mehr, gerade Wiesen aber sind die Futtergrundlage für die Störche.
| Karl Brodschneider ist Bürgermeister der Gemeinde Wundschuh. |