Plädoyer für eine "Nationalstiftung Österreich"
Max Mayr
Der Staatssekretär für Finanzen Dr. Alfred Finz ließ beim jüngsten Bürgermeistertag in Wieselburg mit einer Bemerkung zu den Devisenreserven aufhorchen: "Wenn der Euro da ist, kommt unsere Nationalbank in einen anderen Verbund, sie hat nicht mehr die traditionelle Aufgabe als Währungshüter." "Wir haben schon einen Übergang gefunden", betonte Dr. Finz, "zumal Devisenreserven in diesem Ausmaß im Hinblick auf die Europäische Zentral Bank (EZB) nicht mehr notwendig sind." Die Schlussfolgerung des Staatssekretärs: "Das Gefährlichste und Falscheste wäre, dieses Geld einfach verpuffen zu lassen, es soll gut angelegt und mit den Zinsen für wichtige Förderprojekte eingesetzt werden."
Als ich diese Aussagen hörte, fiel mir sofort der alte Wunsch nach einer "Nationalstiftung Österreich" ein, die wir für die Rettung und Pflege unseres Kulturerbes schon seit Jahren bitter nötig hätten. Dass derzeit jährlich nur etwa 170 Millionen Schilling (12,35 Millionen Euro) für den Denkmalschutz in allen neun Bundesländern zur Verfügung stehen, während allein für die Sanierung der Wiener Votivkirche an die 500 Millionen Schilling gebraucht würden, sagt alles.
Tausende Arbeitsplätze möglich
Offensichtlich wird von wichtigen Entscheidungsträgern vergessen, dass die Revitalisierung tausende Arbeitsplätze im Bau- und Baunebengewerbe sichern kann. Wie positiv sich hier der Einsatz höherer Mittel auswirkt, zeigt sich in Graz. Einige Beispiele: Landhaus, Rathaus, Amtshaus, Bad zur Sonne, Stadtmuseum, Uhrturm, Glockenturm, Weiß'sches Haus, Opernhaus, einstiges Jesuitenkolleg (Priesterseminar), Landesarchiv. Bürger halten weite Teile der Stadt in einem ausgezeichneten Zustand. Diese Tatsache war auch für die Verleihung der Weltkulturerbe-Auszeichnung durch die UNESCO entscheidend. In der Steiermark konnten dank der Aufstockung des REVI-Fonds 850 Bauwerke erhalten werden: Kirchen, Burgen und Schlösser, Bauern- und Bürgerhäuser, Winzerkeuschen und Zeugen der frühen Industrie.
Die Kulturnation Österreich braucht eine "Nationalstiftung Österreich", ehe das reiche Kulturerbe unrettbar verfällt.
Meiner Meinung nach müssten sich jetzt Denkmalpfleger, Architekten, Bau- und Kunsthandwerker, Kirchenvertreter, Politiker, Gewerkschafter (Bau- und Holz), Restauratoren, Obleute der Innungen und Tourismusexperten zusammentun, um möglichst rasch die gesetzlichen Grundlagen durchzusetzen.