Der "steirische herbst" wird Graz 2003 voll mittragen

Kurt Jungwirth

Herbst
Der Grazer Peter Pakesch, Leiter der Kunsthalle Basel, gestaltete die Hauptausstellung "Abbild". Hier ein Motiv "Mensch exemplarisch".
Thomas Bernhard schreibt in seinen "Alten Meistern" ungewollt eine Präambel zum "steirischen herbst". Es heißt dort unter anderem:

    "Das liegt daran, dass das Musikhören zu einer banalen Alltäglichkeit geworden ist durch die Technik. Das Musikhören ist nichts Außergewöhnliches mehr, überall hören Sie heute Musik, gleich wo Sie sich aufhalten, Sie sind geradezu gezwungen, Musik zu hören, in jedem Kaufhaus, in jeder Arztordination, auf jeder Straße, Sie können heute der Musik gar nicht mehr entkommen, Sie wollen ihr entfliehen, aber Sie können ihr nicht entfliehen, dieses Zeitalter ist total von Musik untermalt, das ist die Katastrophe. In unserer Zeit ist die totale Musik ausgebrochen, überall zwischen Nordpol und Südpol müssen Sie sie hören, ob in der Stadt oder auf dem Land, auf dem Meer oder in der Wüste. Die Menschen werden tagtäglich mit Musik vollgestopft schon so lange, dass sie längst jedes Gefühl für Musik verloren haben."

    Soweit Thomas Bernhard, der Großmeister der Übertreibung. Er hätte noch ein paar Kräfte zitieren können, die mit Macht unsere Hörgewohnheiten, unsere Sehgewohnheiten, unsere Denkgewohnheiten, unsere Spielgewohnheiten reglementieren. Gegen den Strom solcher Anpassungen schwimmt der "steirische herbst" seit jeher, er tut es auch heuer.
    Im Jahr 1996 gab die Europäische Union eine Studie über Festivals in Europa in Auftrag. Es ging um die Frage, wie weit Kultur Beschäftigung schafft. Natürlich schafft Kultur Arbeit, direkt überall, wo sie präsentiert wird, indirekt über Umwegsrentabilitäten bei Zulieferbetrieben, in der Medienlandschaft, im Tourismus. Die Studie wurde in Paris verfasst und in Dublin der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Auftraggeber schätzten, dass es in Europa jedes Jahr rund 6.000 Veranstaltungen gibt, die sich Festtage, Festwochen, Festspiele nennen. Angesichts solcher Inflation muss man sich fragen: Was soll ein Festival heute? Und die Antwort muss heißen: unverwechselbar sein und auf Qualität achten. Der "steirische herbst" war jedenfalls unter den zehn, die für diese Studie eingeladen wurden. Tatsächlich wird man lange vergeblich nach einem Zwilling des "steirischen herbstes" suchen. Das liegt an unserer Selbstdefinition und ihren vier Standbeinen, die wir konsequent halten.
    Wir sind erstens nicht auf eine Kunstsparte spezialisiert, wir sind multidisziplinär.
    Der "steirische herbst" präsentiert zweitens aus der lokalen und regionalen Szene, aus Graz und der Steiermark. Er ist in seinen Anfängen aus ihr erwachsen. Eine Statistik zeigt auch dieses Jahr, dass er auf dieser Linie liegt. Das Programmheft gibt 48 verschiedene Veranstaltungsorte in Graz an und neun weitere in der Steiermark.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".