Ein Blick zurück, ein Blick voraus

Karen Stone

Mehr als die berühmt-berüchtigten 100 Tage, die man Politikern, Top-Managern und sonstigen Spitzenleuten gewährt, ehe man sie an ihren Taten misst, abwägt, vielleicht als zu leicht erachtet und also verwirft, bin ich bereits im Amte. Nach diesen ersten Wochen meiner Intendanz über die Vereinigten Bühnen Graz - Steiermark, über die "Theater, Graz" kurz innezuhalten, nicht ohne Stolz auf Erfolgreiches zu verweisen, ist mir eine gleiche Freude wie auf künftige Projekte dieser meiner ersten Grazer Spielzeit vorzugreifen.
    Seit meiner Ernennung war mir die Notwendigkeit bewusst, die seit etlichen Jahren verwaiste Position eines Chefdirigenten des Grazer Philharmonischen Orchesters nachbesetzen zu müssen. In der Person des jungen, gerade erst 27 Jahre alten Schweizer Dirigenten Philippe Jordan fand ich jenen Mann, der über das künstlerische Potenzial, aber auch das Charisma verfügt, mit seinem Orchester dem Kulturleben der Stadt Graz, dem Musikbetrieb des Landes Steiermark ein markantes Profil zu verleihen. Den überzeugenden Beweis seiner mannigfaltigen Qualitäten zeigte er am Premierenabend des "Eugen Onegin" Anfang Oktober. Qualitäten, die seitens der Kritiker einhellig erkannt und vom Publikum stürmisch gefeiert wurden.
    Die Entscheidung, meine Intendanz mit einem zentralen Werk der russischen Opernliteratur zu eröffnen, kam nicht von ungefähr: Nicht länger durch Gastspiele renommierter russischer Bühnen sollte dieses Repertoire in Graz zu sehen sein, sondern in qualitätvollen Eigenproduktionen. Dazu kommt, dass eine der expliziten Intentionen meiner Spielplangestaltung die Erweiterung des präsentierten Repertoires jenseits der landauf, landab stets wiederholten 40 bis 50 Opern ist. Das erklärt auch, warum die zweite Premiere, "La finta giardiniera", einem frühen Werk Mozarts galt. Meine Entscheidung, Darrel Toulon an die Spitze des Grazer Opernballetts, das sich nun "Tanz, Graz" nennt, zu stellen, mag anfänglich nicht nur Begeisterung ausgelöst haben. Doch nun, nach seiner ersten erfolgreichen Premiere - sie galt Sergei Prokofjews Handlungsballett "Cinderella" - mussten solche Stimmen, überzeugt von seinem dramaturgisch fundierten Konzept und dessen souveräner Umsetzung, verstummen.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".