Ein Leben für die Kunst
Heribert Schwarzbauer
Der Maler Karl Stark wurde 80
"Was mich nicht umbringt, macht mich stärker" - zu diesem Nietzsche-Wort bekennt sich auch der Maler Karl Stark, der am 4. November das 80. Lebensjahr vollendete. Er kam 1921 als Lehrersohn im oststeirischen Glojach zur Welt und studierte in Graz zuerst Bildhauerei bei Wilhelm Gösser; durch das anschließende Malereistudium bei Rudolf Szyszkowitz erhielt er auch jene entscheidenden weltanschaulichen Impulse, die für sein Kunstverständnis verbindlich blieben. Daran änderten auch die abschließenden Lehrjahre an der Wiener Akademie bei Gütersloh und Boeckl nichts mehr: unberührt von allem, was sich fortan unter dem Deckmantel eines neuen "Pluralismus" im Kunstgeschehen breit machte, blieb Stark seiner expressionistisch gedeuteten Gegenständlichkeit ebenso treu wie der pastosen Ölmalerei, die immer mehr altmeisterliche Züge annahm. In seinen Ansichten bestätigt sah sich Stark zunächst durch aufmunternde Äußerungen seines Lehrers Herbert Boeckl ("Stark ist der kommende Mann"), vor allem aber durch die Tatsache, dass im neuen Wiener Museumsquartier die höchst renommierte "Stiftung Leopold" auch etliche Bilder von Karl Stark zu zeigen hat. Der Sammler Rudolf Leopold hatte übrigens etwa seit 1960 rund 150 Stark-Bilder erworben und damit ein Zeichen gesetzt, dass auch er die überzeitlichen Qualitäten dieser Kunst durchaus zu schätzen wusste.
Seit 1958 lebt Karl Stark mit seiner fast gleichaltrigen, leider bereits erblindeten Frau und Kollegin Elfriede, geb. Petrasch, die auch literarisch tätig ist, in Wien, wo er in seiner "Galerie Austria" in der Liliengasse auch die Kunst jener - meist nicht mehr lebenden - Kollegen pflegt, die noch in seinem Sinne wirken. Dazu gehört nicht zuletzt der Grazer Maler August Trummer, in dessen ehemaliger "Galerie Grazbach" immer Bilder von Karl Stark und mitunter auch der Meister selbst anzutreffen waren. Wegen seines eher widerborstigen Wesens, das sich fallweise auch in Karl Starks vorwurfsvollen "Kulturbriefen" manifestiert, wurde und wird der Künstler bei öffentlichen Aufträgen und Anerkennungen gern übersehen; in der steirischen Heimat erhielt er 1960 im Rahmen des Joanneum-Kunstpreises die von der Firma Kastner & Öhler gestiftete Ehrengabe und 1990 wurde er vom Steiermärkischen Kunstverein-Werkbund zum Ehrenmitglied ernannt. Jedenfalls hat für den Achtziger Karl Stark noch immer Gültigkeit, was sein Lehrer A. P. Gütersloh vor bald vier Jahrzehnten über ihn schrieb: "Stark ist stark. Er stemmt sich energisch gegen das angeblich Zeitgenössische und will nur auf dem geschichtlichen Platze, der von Giotto bis zu den Impressionisten sich erstreckt, das Außergewöhnliche errichten - innerhalb der Grenzen, die der Malerei, als der Kunst des praktizierenden Anschauens, unverrückbar gezogen sind."