Neues von Kunst und Künstlern in der Steiermark

Heribert Schwarzbauer

Auch heuer wieder soll gegen Jahresende eine Bilanz dessen gezogen werden, was im zu Ende gehenden Jahr an wesentlichen Kunstpublikationen erschienen ist. Meist handelte es sich dabei um Begleitbücher zu Ausstellungen; es gab aber auch interessante Künstlerdokumentationen und insgesamt gewiss viel mehr, als hier aufgelistet und kurz charakterisiert werden kann. Zwei Jubiläumsbücher zu runden Geburtstagen wurden bereits in den "steirischen berichten" ausführlich gewürdigt: die ebenso schönen wie informativen Monographien zum 60. Geburtstag von Heide Osterider-Stibor sowie zum 70. von Sepp Steurer. Auch der Katalog zur Ausstellung "Die Kabinetti des Dr. Czerny" und die Sammlertätigkeit von Hellmut & Norli Czerny wurden im letzten Heft vorgestellt.
    Nach zwei Standardwerken von besonderem Rang sollen die weiteren Kunstbücher loyalerweise wieder alphabetisch gereiht werden.

Die Standardwerke

    Das mit Abstand wichtigste - und opulenteste! - Kunstbuch des Jahres ist der 600-seitige Großband zur Ausstellung "Moderne in dunkler Zeit" in der Neuen Galerie. Es geht dabei um die erstmalige gründliche Dokumentation von Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler von 1933 bis 1945; davon werden den 35 exemplarischsten - von Fritz Aduatz bis Grete Zahrastnik - jeweils erschöpfende biographische Essays gewidmet, die Günter Eisenhut in zweijähriger, oft recht mühsamer Kleinarbeit erstellt hat. Die Fülle der hier verwerteten Materialien fasziniert ebenso wie deren klare Gliederung, ausgiebige Bebilderung und ein Anmerkungsapparat mit Quellenangaben, die zu weiterem Nachforschen anregen können. Projektleiter Peter Weibel hat jedenfalls mit Ausstellung und Buch (Droschl-Verlag) ganze Arbeit geleistet, die bereits in die Annalen des Joanneums eingegangen ist.
    Das zweite Standardwerk des Jahres hat gleichfalls lexikographischen Charakter. Es erschien im Schnider-Verlag zum 125-jährigen Jubiläum der Ortweinschule, wurde von Eugen Gross langfristig und akribisch erarbeitet und enthält somit alles, was für die Geschichte und Zielsetzung des Hauses bedeutsam ist, ergänzt durch ausführliche Lehrer- und Schülerbiographien sowie Lehrer- und Absolventenverzeichnisse. Für Direktor Reinhold Neumann und sein Team bildet das reich illustrierte Buch überdies eine neue Chance, endlich jene "Schallmauer" durchbrechen zu können, die der seit langem angestrebten Umwandlung der Kunstgewerbeschule in eine Akademie im Wege steht.

Michael Coudenhove-Kalergi

    Als Schüler von Rudolf Szyszkowitz ist der 1937 in Prag geborene Maler Michael Coudenhove-Kalergi noch immer mit der Steiermark verbunden, obwohl er jetzt hauptsächlich in Japan lebt, woher auch seine Frau stammt. Daher ist auch der bei Strahalm erschienene große Bildband eine zweisprachige österreichisch-japanische Kooperation, deren 129 Farbbilder einen im besten Wortsinn bezaubernden Querschnitt durch ein halbes Jahrhundert MCK vermitteln. In Japan als ein Nachfahre von Gustav Klimt betrachtet, schöpft der Künstler aus einem Füllhorn klug gebändigter Phantasie, die alle Naturerlebnisse - Menschen, Tiere, Pflanzen, Städte und Symbolisches - ins Fabelhafte erhöht und zu ästhetischen Genüssen von besonderem Reiz werden lässt.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".