Halloween an der Mur
Editha Hörandner
Seit etwa vier, fünf Jahren schwappt die aus den USA kommende Halloween-Welle auch auf Österreich über. Innovationen verbreiten sich in unserer Kommunikationsgesellschaft sehr schnell. Die Bedürfnisse im Allgemeinen und der Bedarf an Ritualen im Besonderen sind in der globalen Spaß- und Erlebnisgesellschaft überall gleich. Der Handel stellte sofort und nur zu gern die benötigten Utensilien bereit und stopft auf diese Weise das Konsumloch zwischen Schulanfang und Nikolo.
Was ist Halloween eigentlich?
Das Wort selbst geht zurück auf "(All) Hallows Eve" und bezieht sich auf den Vorabend von Allerheiligen. Dieses Feiern am Abend vor dem eigentlichen Fest kennen wir ja auch von den traditionellen heimischen Bräuchen, man denke z. B. an "Nikolo" (gefeiert am 5. Dezember abends; der eigentliche Festtag des hl. Nikolaus ist der 6. Dezember). Halloween in seiner jetzigen Form kommt aus den USA zu uns, ist aber nicht dort entstanden.
Aus Irland in die USA ...
An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert brachten irische Einwanderer den Brauch aus ihrer Heimat mit, aber erst nach der großen irischen Einwanderungswelle 1840 - als Folge der großen Hungersnot - wurde das Fest so richtig populär in ganz Amerika. Zum "Ritual", wie man heute so gern sagt, gehörten der Umzugs- und Heischebrauch der Kinder sowie Schabernack und Unfug der Jugendlichen. Die Kinder zogen - und ziehen noch heute - verkleidet von Haus zu Haus und erhielten bzw. erhalten auf ihren Ruf "trick or treat" (bei uns: "Süßes oder Saures") Süßigkeiten oder andere kleine Geschenke. In den USA sind die Vorgärten und Türen mit Halloween-Symbolen geschmückt. Diese Dekoration gehört zum terminbezogenen Ambiente. Bei uns werden Türen dann geschmückt, wenn man signalisieren will, daß man mit dem Ritual vertraut ist und entsprechend reagiert, wenn umziehende Kinder zukehren. Die Jugendlichen, speziell die jungen Burschen, versteckten den Farmern in der Halloween-Nacht Arbeitsgeräte, verschleppten sie auf den Dorfplatz oder sogar auf die Dächer. Sie ließen dabei nicht nur Dampf ab (Bräuche haben auch Ventilfunktion), sondern übten auch eine Art soziale Kontrolle aus (Rüge für Schlamperei, weil die Geräte nicht richtig verwahrt waren).
| Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte". |
| Univ.-Prof. Dr. Editha Hörandner ist Vorstand des Instituts für Volkskunde an der Karl-Franzens-Universität Graz. |