Steirische Bildnisse: Erich Kees und Elisabeth Kraus

Heribert Schwarzbauer

Am 22. Dezember wurde der Großmeister der künstlerischen Fotografie in der Steiermark, Professor Erich Kees, 85 Jahre alt. Dies ist ein willkommener Anlass, um auf einen beispielhaft kreativen Zeitgenossen hinzuweisen, der seiner eigentlichen Berufung auch schon als hauptberuflicher Bautechniker folgte, sich darin aber erst nach der Pensionierung 1978 voll entfalten konnte. In diesem Jahr wurde Erich Kees sowohl mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark als auch mit dem Würdigungspreis seiner Vaterstadt Graz ausgezeichnet; 1983 folgte der Berufstitel "Professor", 1989 der Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst und seit 1990 ist Erich Kees auch "Bürger der Stadt Graz". Ihm zur Seite steht seit vier Jahrzehnten die 1940 in Graz geborene Fotomeisterin Elisabeth Kraus, die am Bild- und Tonarchiv des Landesmuseums Joanneum tätig war. Wie sehr die beiden einander mögen und verstehen, obwohl sie schöpferisch an sehr unterschiedlichen Strängen ziehen, wurde sehr schön durch jene gemeinsame Fotoausstellung verdeutlicht, die im Frühjahr 2001 in der Kulturhausgalerie der Stadt Bruck an der Mur bereits im Hinblick auf den 85. Geburtstag von Erich Kees stattfand: unter dem Motto "Das Ich und das Wir - das Wir und das Ich" wurden Übereinstimmung und Gegensätzlichkeit, Freiraum und Gebundenheit im Leben und Schaffen zweier ausgeprägter Persönlichkeiten sehr ausführlich und überzeugend dokumentiert.
     Um mit der Dame zu beginnen: Elisabeth Kraus ist die deutlich Unkompliziertere, die sich einzelne Motivreihen vornimmt und konsequent durchfotografiert, bis sich daraus plausible Serien von "Sprechenden Bildern" ergeben. Zunächst war es das Thema "Vegetation", dem Elisabeth Kraus viel "Bodenarbeit" in kaum zugänglichem Gestrüpp und Unterholz widmete, um das "Eigentliche als das Andere" herauszufiltern und - immer möglichst fernab von allem Menschlichen - als pure Natur erlebbar zu machen. Im Gegenzug kam dann Menschlich-Allzumenschliches an die Reihe: unaufgeräumte Interieurs von Zimmern, deren Bewohner gerade nicht anwesend waren, aber auch eher hinterhältige Beiträge zu den Foto-Werkshops "Bregenz sehen" (1975) und "Leben mit einer Stadt" (1976). Auch Serien wie "Hände" oder "Hüllen" bezeugen, dass Elisabeth Kraus nicht dem Großartigen und Prächtigen huldigt, sondern am liebsten ganz einfach Dinge des täglichen Lebens vor das Objektiv nimmt - ein Fachmann wie Otto Breicha erblickte darin eine "eminent frauenfreundliche" Fotografie, die von der "fraulichen" österreichischen Galerie-Szene eigentlich gefördert und gefeiert werden müsste.
     Bei Erich Kees liegen die Dinge geradezu diametral anders. Seine Fotos haben nichts mit abgelichteter Alltäglichkeit zu tun, sondern greifen weit zurück in das mystische Dunkel von Uranfängen, an deren Ende Verfall und Absterben stehen. Verschwindende Reste alter Kulturen bewegen ihn ebenso wie zeitlos anmutende Steinformationen, die er nicht minder in sich selbst fühlt wie etwa die Wurzeln eines alten Baumes. Im Zeichen solcher Naturverbundenheit ist Erich Kees heuer auch noch zum Maler geworden: auf der griechischen Halbinsel Chalkidike fand er einen großen frei stehenden Stein, der für ihn zum Modellfall für vielseitige Annäherungen an ein immer vertrauter werdendes Naturphänomen wurde. Zu dessen Erforschung dienen fallweise auch Aquarellfarbe, während Erich Kees sich als Fotograf - ebenso wie Elisabeth Kraus - bis auf wenige Ausnahmen mit der Schwarzweißtechnik für die künstlerische Aussage begnügt.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".