Jetzt wird auch das Mausoleum saniert - Die Grazer Stadtgeschichte muss neu geschrieben werden

Max Mayr

Grabung
Ulla Steinklauber und ihre MitarbeiterInnen entdeckten in der Zone vor dem Erzherzog Johann Denkmal die Grundstrukturen von zwei Gebäuden.
Spätestens seit 1993 wissen die Kenner der Szene, dass die Siedlungsgeschichte der steirischen Landeshauptstadt bis in die Zeit der Urnenfelder Kultur (9./8. Jh. vor Christus) zurückreicht. Bei den archäologischen Grabungen anlässlich der Sanierung der Leechkirche (Bild unten) haben die Experten Reste eines Bestattungsplatzes aus der späten Urnenfelderzeit, ein Hügelgrab aus dem 7. Jh. v. Chr. und einen ersten Rundbau aus dem 11. oder frühen 12. Jh. nach Christus entdeckt. Mag. Manfred Lehner vom Institut für Klassische Archäologie der Universität Graz, der an den Grabungen führend beteiligt war, hat die sensationellen Funde im April 1994 in der Zeitschrift der Katholischen Hochschuljugend "Denken und Glauben" beschrieben. Er deutete darin auch an, dass sich eine Siedlung der Urnenfelderkultur auf dem Schlossberg befunden habe.
    Wer also bisher meinte, die erste Nennung der Stadt Graz in einer Urkunde des Stiftes Rein (1228) sei etwa das Alter von Graz, kann sich nun den jüngeren Forschungsergebnissen zuwenden.
    Auch die archäologischen Grabungen im Bereich des Reinerhofes auf dem Schlossbergplatz bilden eine Sensation. Im November 1993 wurde unter der Leitung des Archäologen Dr. Dieter Kramer (Landesmuseum Joanneum) ein Stück der ältesten gotischen Stadtmauer aus dem 13. Jh. freigelegt.
    Und es war Dr. Kramer, der Anfang August dieses Jahres die Bagger stoppen ließ, als diese beim Hauptplatzumbau auf Mauern aus dem 13. und 14. Jh. stießen. Bis vor kurzem war man noch der Meinung, dass der Hauptplatz im Jahre 1156 planmäßig angelegt worden sei. Nun zeigt sich aber, dass nördlich des Rathauses noch im 13. und 14. Jh. Häuserzeilen gestanden sind. Ulla Steinklauber leitet seit Oktober die Notgrabung, die man dem Verein "Archäologieland Steiermark" übertragen hat. Im Frühjahr wird Ulla Steinklauber sich die Fläche zum Rathaus hin sowie das Areal hinter dem Erzherzog-Johann-Denkmal vornehmen. Auf die Dokumentation der Entdeckungen darf man gespannt sein.