Steirische Bildnisse - Iris und Herbert Walter Türk
In der relativ stillen Muchargasse unweit des Hasnerplatzes erinnert am Haus Nr. 31 eine Gedenktafel daran, dass der unvergessene Grazer "Stadthistoriker" Fritz Popelka hier von 1935 bis zu seinem Tod am 27. Februar 1973 gewohnt hatte. Der erste Band seiner fundamentalen "Geschichte der Stadt Graz" erschien 1928 anlässlich des 800-Jahr-Jubiläums unserer Stadt, ein zweiter Band folgte fast ein Jahrzehnt später ebenso wie fortan eine stattliche Reihe wichtiger einschlägiger Publikationen. In diesem "Bildnis" soll jedoch nicht vom Professor, Archivdirektor und Ehrenringträger Fritz Popelka die Rede sein, sondern von seiner Nachkommenschaft, die nicht nur dem Vaterhaus, sondern auch den kulturellen Traditionen der Vorfahren treu geblieben ist.
Die Grazer Familienchronik reicht immerhin bis ins Revolutionsjahr 1848 zurück. In diesem Jahr kamen die Glasbläser und Likörbrenner Popelka aus Böhmen nach Gösting und verschwägerten sich später mit der Konkurrenzfirma Axmann. Der gute Geist der Familie sublimierte sich allmählich vom Alkoholischen ins Künstlerische. Fritz Popelkas Tochter Irene, am 2. Dezember 1925 geboren und selbstherrlich in "Iris" umbenannt, zeigte von Anbeginn so viel Talent zum Zeichnen und Malen, dass sie gleich nach dem Krieg an der Ortweinschule Schülerin von Hanns Wagula, Alfred Wickenburg und Rudolf Szyszkowitz wurde. Hier lernte sie alsbald ihren gleichaltrigen (genau: 13 Tage jüngeren) Kollegen Herbert Walter Türk kennen und lieben, so dass nach Abschluss der Studien am 9. Mai 1950 geheiratet und bald auch ein gemeinsames Atelier im Haus Muchargasse 31 bezogen werden konnte.
Während Herbert Türk in der Folge ein überaus erfolgreicher und mehrfach ausgezeichneter Gebrauchsgraphiker wurde, arbeitete Iris Türk vorwiegend im Bereich der Urkundengestaltung, Wappenmalerei, Buchkunst und Illustration, Letzteres häufig zu Werken ihres Vaters wie etwa den "Kulturgeschichtlichen Bilderbogen". Die erste Mappe mit 8 Tafeln zu markanten Begebenheiten der Stadtgeschichte von 1471 (Andreas Baumkircher) bis 1844 (erste Eisenbahn) kam um 1970 heraus, blieb aber leider ohne Fortsetzung. Iris Türks jüngerer Bruder Wolfgang Popelka war im Kulturamt der Stadt Graz beschäftigt und der Kunst verwaltungstechnisch eng verbunden, er betreute hunderte Denkmäler in vorbildlicher Weise.
| Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte". |