| Erbe und Auftrag Vor 100 Jahren kam Josef Krainer zur Welt Vor 100 Jahren, am 16. Februar 1903 kam Josef Krainer sen. im obersteirischen St. Lorenzen zur Welt. Er war bereits in der Zwischenkriegszeit politisch tätig, als Gewerkschaftssekretär der Land- und Forstarbeiter, als Arbeiterkammerpräsident und als Vizebürgermeister in Graz. 1938 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet, jedoch bald wieder freigelassen. Als Bauer und Ziegeleibesitzer in Gasselsdorf brachte er seine Familie gut durch die Kriegszeit. Nach 1945 trug er wesentlich zum Wiederaufbau der Steiermark bei. Er war von 1945 bis 1948 Landesrat und schließlich von 1948 bis 1971 Landeshauptmann der Steiermark. Diese Ausgabe der „steirischen berichte“ zeichnet den Lebensweg dieses großen Staatsmannes nach. Zahlreiche prominente Zeitgenossen haben uns ihre sehr persönlichen Erinnerungen in pointierten Kurzzitaten zur Verfügung gestellt. Ein Interview mit Krainers Sohn, Landeshauptmann a. D. Josef Krainer, soll die Konturen des Privatmannes skizzieren. Es wird aber auch über seine politische Bedeutung und sein Reformwerk berichtet. Es gibt eine verblüffende Aktualität seiner Anliegen: Auch heute wird wieder über eine große Bundesstaatsreform diskutiert. Sein Wunsch, dem Bundesrat vernünftige Befugnisse zu geben, ist wichtiger denn je. Krainer war bereits ein Vordenker für eine Annäherung an die Europäischen Einigungsbestrebungen, zugleich war er auch ein vehementer Verfechter des Föderalismus. Das moderne Schlagwort vom „Europa der Regionen“ hätte ihm vermutlich zugesagt. Als Föderalist verfolgte er eine strikte Anti-Wien-Line, die zwar innerhalb der Steiermark Zustimmung fand, doch bei den Wiener Förderungstöpfen wurde die Steiermark oftmals zum Stiefkind. Große technologische Eingriffe in die Natur waren ihm als naturverbundenem bäuerlichen Menschen suspekt, so brachte er das Projekt Großkraftwerk Kastenreith im Ennstal am 6. April 1963 zu Fall. Er machte nie ein Hehl daraus, wie sehr ihm die Bauern am Herzen liegen. Sein Einsatz für das steirische Grenzland und die Qualitätssteigerung in der Landwirtschaft haben sich inzwischen bezahlt gemacht – man denke zum Beispiel an den heutigen Standard der steirischen Obst- und Weinkultur. Er setzte sich auch intensiv mit der Wehrpolitik auseinander und trat für eine Verkürzung der Wehrdienstzeit auf sechs Monate ein, meinte aber, dass die verbleibende Zeit besser genutzt werden sollte. Damit fand er in der eigenen Partei nicht das entsprechende Gehör, wohl aber bei Bruno Kreisky, der dies zu einem seiner Wahlschlager machte. Josef Krainer war volksverbunden, konnte bei Diskussionen ordentlich in Saft gehen, er konnte grob und er konnte sehr herzlich sein. Mit einem Wort: Er war ein authentischer Vollblutpolitiker, der durch Jahrzehnte die Politik der Steiermark geprägt hat. Es waren gute Jahre, welche die Basis für den heutigen Wohlstand gelegt haben. Seine Offenheit, seine klare Sprache und seine Geradlinigkeit würden auch heute ein Vorbild sein. |
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| Max Mayr | Gerald Schöpfer |