Wie spanisch ist die Hofreitschule?
Erzherzog Karl II. gründete 1580 das Gestüt Lipizza


 

Wer die wechselvolle Geschichte der Lipizzaner, der Spanischen Hofreitschule in Wien und des Gestüts Piber betrachtet, dem erscheint der heutige Idealzustand wie ein Wunder. Das größte Ereignis vieler Jahrzehnte war die Rettung vor dem Zugriff der russischen Armee im April 1945.

Im 15. und 16. Jahrhundert war das spanische Pferd wegen seines imponierenden Körperbaus und der zierlichen Bewegungen in ganz Europa geschätzt und begehrt. Während der 700 Jahre dauernden Herrschaft der Mauren über Spanien hat man Araber und Berberhengste aus Afrika als hervorragende Zuchttiere für die andalusischen Mutterstuten ins Land gebracht. Sie begründeten die Rasse des spanischen Pferdes. Mit der Vertreibung der Mauren aus Spanien hörte diese Blutauffrischung jedoch auf, die Qualität des spanischen Pferdes ging zurück. Deshalb begann man in Dänemark, Deutschland und in Österreich diese Pferderasse im eigenen Land zu züchten. Die Tradition der Lipizzanerhaltung geht auf Kaiser Maximilian II. zurück, der 1562 die ersten spanischen Reitpferde nach Österreich brachte. Sein Bruder, Erzherzog Karl II. von Innerösterreich, der in der Steiermark regierte und dessen Ländereien bis an die Küste der Adria reichten, gründete 1580 das Karster Hofgestüt Lipizza. Von da an war Lipizza die Aufzuchtstätte dieser edlen Pferde, nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich das Gestüt Piber zum Zentrum der Lipizzanerzucht.

Verlegung und Flucht

Während des Zweiten Weltkrieges sind die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule dem Berliner Landwirtschaftsministerium unterstellt worden. Trotz des Protestes des langjährigen Leiters der Hofreitschule, Alois Podhaisky, mussten im Oktober 1942 alle prachtvollen Pferde dieser Rasse nach Hostau ins heutige Tschechien. Es ist das Hauptverdienst von zwei Männern, dass Hostau am 28. April 1945 ohne Gegenwehr von den Amerikanern besetzt werden konnte und die Pferde umgehend nach Bayern kamen. Aus den Ställen in Schwarzenberg (Bayern) wurden die österreichischen Lipizzaner bereits am 18. Mai und 25. Mai 1945 mit 40 Lastkraftwagen unter und dem siegreichen Feldherrn General Patton vor dem Schloss St. Martin das Können der Lipizzaner zu präsentieren. Wegen der Bombenangriffe in Wien hatte man Pferde aus der Hofreitschule nach St. Martin evakuiert. Im Auftrag Pattons sicherte schließlich Colonel Reed die Überstellung der großen Herde von Hostau in den sicheren Westen.

 

Lipizzanerstudien aus der Spanischen Hofreitschule in Wien von Gottfried Pils.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".  

Das Pferd im königlichen Spiel

Unter diesem Titel schreibt Prof. Kurt Jungwirth im Ausstellungskatalog über Geschichte und Faszination des Schachspiels sowie die Rolle des Springers: „Das Schachpferd ist nicht besonders aggressiv. Es ist eine so genannte Leichtfigur. Zentral auf dem Brett steht es gut, es kontrolliert immerhin acht Felder. Am Brettrand schrumpft seine Autorität auf vier, in einer Ecke sogar nur auf zwei Felder. „Springer am Rande, pfui, welche Schande“ heißt es daher. Es gibt aber Positionen, in denen seine vertrackte, schwer vorauszuberechnende Gangart Wunder wirken kann und schon manchem König zum Verhängnis wurde. Unser Ross hat jedenfalls zwei Jahrtausende und mehr unbeschädigt überstanden. Pferd bleibt Pferd. Unverdrossen trabt es weiter, solange Menschen Schach spielen.“

Beim Schachspiel, Codex Manesse, 14. Jh.