Meisterwerke steirischer Moderne
Betrachtungen zu Rabenstein von Prof. Kurt Jungwirth

 

Als junger Student der französischen Sprache hatte ich in sehr kargen Zeiten das Glück und die Chance, bei einem französischen Freund einen langen Monat in Paris wohnen zu können. Die Stadt war für mich in vieler Hinsicht eine Offenbarung. Ich war kunstinteressiert und so machte ich auch systematisch die große Runde durch die bildenden Künste aller Zeiten, von der ersten Romanik bis zu den letzten Produkten der damals modernen Ecole de Paris. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Ich verstand, was Bilder sind, was sie sein wollen, wie Kunst und Künstler im Laufe von Jahrhunderten sich entwickelt haben.

Äußerst hilfreich

Es fiel mir leicht, ab damals mein Urteil zu schärfen, Qualität zu suchen. Das war mir später in der Politik äußerst hilfreich. Ich hatte nie ein Problem mit dem Streit zwischen Alt und Neu. Neu oder nicht war für mich nicht wichtig. Ein Werk, das tausend Jahre alt ist und das ich zum ersten Mal erlebe, kann für mich sehr wichtig sein, genauso wie eine totale Innovation. Das Geheimnis von Qualität und Wirkung einer künstlerischen Produktion liegt nicht in ihrem Alter. Wichtig ist aber die permanente Neugierde des Betrachters. Ich habe mir auch abgewöhnt, Menschen, denen Kunst, die mir gefällt, nicht gefällt oder denen Kunst, die mir nicht gefällt, gefällt, als Ignoranten zu beschimpfen.Woher sollte ich diesen Hochmut eigentlich nehmen? Ihre Einstellung zur Kunst ist Produkt ihrer Biographie, für die sie wenig können. So kamen für mich die Zeiten von Trigon, von Wilfried Skreiner in der Neuen Galerie, von „steirischem herbst“ und Forum Stadtpark, von Otto Breicha im Kulturhaus, von unzähligen Begegnungen mit unzähligen Künstlerinnen und Künstlern bei zahllosen Ausstellungen. Ich lernte nach, dass 1923 mit der Gründung der Grazer Sezession eine neue Epoche in der steirischen Kunst anlief, von Aufbrüchen, die von den Mühlsteinen der Politik wiederum eingebremst wurden in Bürgerkrieg, Diktatur und Krieg. Von mühseligem Aufbau, zu dem sich eine geschlagene Generation wieder aufraffte.

Talenteland

Immer wieder hatte ich in lebendiger Begegnung den sicheren Eindruck, dass diese Stadt Graz und dieses Land Steiermark eine erstaunliche Fülle von Talenten hervorbringen. Im Vergleich zur internationalen Szene, den ich immer wiederum anstellte, war ich oft verwundert, dass Künstler und Künstlerinnen aus der Steiermark eine Anerkennung über die Grenzen des Landes hinaus, die sie verdienten, nicht erreichten. Umso wichtiger erschien es mir, eines Tages für eine Zusammenschau der steirischen Kunst im 20. Jahrhundert zu sorgen.

 

 

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in der neuesten Ausgabe der "steirischen berichte".