Michael Braunsteiner
Respekt gegenüber der Vergangenheit, Mut für die Zukunft

 

Das neue Museum Stift Admont kann auf eine bestens gelaufene Saison 2003 zurückblicken. Seit der Eröffnung des Großmuseums im Mai 2003 konnten im ersten Halbjahr bereits 62.000 Besucherinnen und Besucher mit unserem elektronischen Zutrittskontrollsystem verzeichnet werden. Bis Ende des Jahres haben etwa 65.000 Gäste die Museumspforte passiert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Steigerung der Besucherzahlen von rund 30 Prozent. Noch nie waren so viele Tagesgäste in Admont wie jetzt! Die Spitze ist aber noch längst nicht erreicht. Das mittelfristige Ziel liegt bei einer Besucherzahl von rund 100.000, was einer Steigerung um 100 Prozent gleichkäme.

Unserer Überzeugung nach liegt der Erfolg des umgebauten „Museums Stift Admont“ in der sinnvollen Verbindung von Gegensätzen wie Tradition und Innovation sowie in der Beschränkung auf das Wesentliche. Abwechslung erfreut Mitten im Herzen Österreichs liegt das älteste bestehende Kloster der Steiermark – das 1074 von Erzbischof Gebhard von Salzburg gegründete Benediktinerstift Admont. In der Vielfalt dieser faszinierenden Klosterwelt gehen zu Beginn des dritten Jahrtausends scheinbare Gegensätze wie Tradition und Innovation ein kommunikatives Bündnis ein.

Eine starke Anziehungskraft übt die größte Klosterbibliothek der Welt (1776 vollendet) auf Gäste aus nah und fern aus. Das Erlebnis dieses spätbarocken Gesamtkunstwerkes bildet auch heute noch den kulturellen Höhepunkt jedes Klosterbesuches.

Über drei Etagen

Die neue Museumslandschaft mit einer Ausstellungsfläche von derzeit rund 3600 m2 und einer Gesamtnutzungsfläche von etwa 7600 m2 erschließt sich über drei Etagen. Sie wurde vom Wiener Architekten Manfred Wehdorn in die histori sche Bauhülle integriert und nach außen durch eine Panoramastiege mit Blick in den „Nationalpark Gesäuse“ sichtbar gemacht. In den verschiedenen Abteilungen können Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Handschriften und Inkunabeln, eine multimediale Stiftspräsentation, Sonderausstellungen und vieles mehr besichtigt werden. Im Museumsshop werden unter anderem spezifische Klosterprodukte angeboten. Ab 2004 werden auch die naturhistorischen Sammlungen neu präsentiert. Das Konzept des Kontrastreichtums spiegelt sich konsequent im gesamten Museum mit seinen Bauteilen bis hin zu den einzelnen Möbeln wider.

Ort der Toleranz

Das neue „Museum Stift Admont“ versteht sich als Ort der Toleranz, der multikulturellen Koexistenz und Kommunikation. Es kann als Stätte der Vielfalt erlebt werden, in der neben dem klösterlichen Bildungsauftrag auch die Botschaft des hl. Benedikt spürbar wird. Das „Gesamt erlebnis Stift Admont“ kann durch die Kombination weiterer Angebote individuell gestaltet werden: die neugotische Stiftskirche, die weitläufige Klosteranlage mit ihren monastischen, kunsthistorischen und gartenarchitektonischen Besonderheiten, die kulinarischen Genüsse im Stiftskeller sowie Abstecher in den „Nationalpark Gesäuse“ und zu den umliegenden Tourismusattraktionen.

Ora et labora – bete und arbeite!

Mit diesen Worten lässt sich die Regel des hl. Benedikt von Nursia, der diese nach 529 in Montecassino in Italien für seine Mönchsgemeinschaft geschrieben hat, zusammenfassen. Die Admonter Benediktiner wirken noch heute nach diesen Grundsätzen. Unter der Leitung des frei gewählten Vorstehers, des Abtes Bruno Hubl OSB, leben sie in klösterlicher Gemeinschaft. Mehrmals am Tag treffen sich die Mönche, um das gemeinsame Stundengebet und die heilige Messe, stellvertretend für alle Christen, zu feiern. Der Admonter Konvent tut dies in besonderer Weise in den Anliegen und Nöten unserer Zeit. In der Johann-Fux-Gasse in Graz wurde vor über einem Jahr das „Haus der Begegnung“ mit Unterkünften für acht Studenten eröffnet. „Dieses Haus ist begrün det worden, um eine Stätte der Begegnung unserer Gemeinschaft in der Landeshauptstadt zu ermöglichen“ – so der Abt des Stiftes Admont Bruno Hubl zu dieser neuen Einrichtung.

Die Wirtschaft bildet die Grundlage für alle Aktivitäten der Abtei. Abt Bruno Hubl sieht das so: „Wirtschaft kann niemals als Lebensinhalt verstanden werden, sondern nur entsprechend ihrem Wesen als Lebensmittel, als Mittel zum eigentlichen Leben ihre Aufgabe erfüllen.“

Das stete Engagement des Stiftes für die Bedürfnisse der Menschen, für Wissenschaft und Kunst der Zeit spiegelt sich auch im neuen Museum wider. Über den vielfältigen Aufgabengebieten der Admonter Benediktiner steht immer der Grundsatz des heiligen Benedikt: „Ut in omnibus glorificetur Deus! – Damit in allen Gott verherrlicht werde!“

Für die Vermittlung der wesentlichsten Inhalte des Klosters im 3. Jahrtausend wurden im neuen Museum neue Wege beschritten.

Multimediale Präsentation

Der Linzer Hans Peter Felzmann und seine Firma „Monte Projects“ haben im neuen Museum innovative und multimediale Ensembles für die Präsentation des Stiftes entwickelt und realisiert. In drei gesonderten Räumen werden mittels neuester Media-Techniken Filme über das Leben und die Regel des heiligen Benedikt sowie interaktiv abrufbar die Stiftsgeschichte präsentiert. Eine Verbindung zwischen den traditionsreichen restaurierten alten Gemäuern und moderner multimedialer Technik wurde bewusst angepeilt.

Benedikt von Nursia wurde nicht nur in seiner Spiritualität, sondern auch als mutige, ausdauernde und kräftige Persönlichkeit dargestellt. Die Grenzen zwischen dem 5. und dem 21. Jahrhundert fließen spannungsreich ineinander. Auf verschiedenen Handlungsebenen werden die Botschaft und das Leben des Heiligen vermittelt. Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander.

Verblüffende Effekte

Der „Weg der Regel“ wird in einem speziellen Spiegelraum gezeigt. Die mit einfachen Mitteln erzielten enormen akustischen und visuellen Effekte irritieren, verblüffen, überzeugen: Das Einzelbild vervielfacht sich zum Eindruck einer gewaltigen dreidimensionalen Kugel. Die BesucherInnen erleben hier eine informative, faszinierende kaleidoskopartige Reise durch Räume und Zeitebenen in immer neuer Entfaltung. Durch diese multi mediale Aufbereitung können geschichtliche und religiöse Themen völlig neu erfahren werden.

Stiftskirche und Bibliothek

Die Admonter Stiftskirche und weite Teile des Stiftes – außer der Klosterbibliothek – sind 1865 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. Die Kirche wurde auf den historischen Fundamenten im neugotischen Stil wieder errichtet. Einer der Flügelaltäre birgt die weltberühmte Admonter Weihnachtskrippe von Josef Stammel (1695–1765), die aller dings nur vom 25. Dezember bis 2. Februar geöffnet ist.

Die 1776 vollendete spätbarocke Stiftsbibliothek wurde im Auftrag des Abtes Matthäus Offner vom Grazer Baumeister Josef Hueber (1715–1787) zum Zwecke der Nutzung durch die Admonter Mönche und natürlich nicht für Touristen erbaut. Mit einer Länge von 70 m, einer Breite von 14 m und einer Höhe von bis zu 13 m ist dieser in drei Teile gegliederte Raum der größte klösterliche Bibliotheksaal der Welt. Er ist mit einem umfang reichen Skulpturenschmuck von Josef Stammel (1795–1765) und sieben Decken gemälden von Bartolomeo Altomonte ausgestattet. Der gesamte Bücherbestand des Klosters umfasst etwa 200.000 Bände. Den kostbarsten Schatz bilden über 1400 Handschriften (ab dem 8. Jahrhundert) und 530 Inkunabeln (Frühdrucke bis zum Jahr 1500). Eine Auswahl dieser bibliophilen Kostbarkeiten wird im Rahmen von Sonderausstellungen in eigenen Museumsräumen gezeigt.

Kunstgeschichte und Naturwissenschaft

Stiftsmuseen im zeitgemäßen Sinne gibt es im Hinblick auf die vielhundertjährige Geschichte der Klöster erst seit jüngerer Zeit. Den heutigen Museen im Stift Admont gingen ein unter Abt Gotthard Kugelmayr (1788–1818) gegründetes „Naturalienkabinett“ voraus, das zusammen mit dem Großteil der übrigen Sammlungen dem Brand von 1865 zum Opfer fiel. Danach wurde von einem der bedeutendsten Wissenschaftler der Stiftsgeschichte, P. Gabriel Strobl, bis zum Jahre 1910 das „Naturhistorische Museum“ aufgebaut. Dieses Museum mit seiner Fülle von Objekten aus den Bereichen Mineralien, Pflanzen und Tiere wird als eigene Abteilung in der neuen Museumslandschaft ab Mai 2004 wieder in ihrem annähernd historischen Erscheinungsbild zugänglich gemacht.

Admonter Madonna

Das „Kunsthistorische Museum“ wurde erst 1959 von P. Adalbert Krause ins Leben gerufen. Seit 1980 wurde dieses Museum wesentlich erweitert, in neuen Räumen untergebracht und in den Folgejahren schrittweise neu konzipiert. Es birgt bedeutende Exponate von der Romanik bis zum Barock, Glasgemälde, Tafelbilder, Skulpturen, Gemälde und Zimelien (Objekte aus der kirchlichen Schatzkammer). Eindrucksvoll überwiegend in Großvitrinen präsentiert wird schwerpunktmäßig die Paramentensammlung (liturgische Textilien). Darunter befindet sich die Gebhardsmitra (Ende 14. Jahrhundert) und die Ornate aus der Stickerei werkstatt von Frater Benno Haan. Aus ihr sind im 17. und 18. Jahrhundert Textilkunstwerke von Weltrang hervorgegangen. Zu den wichtigsten Exponaten zählen auch ein Tragaltar (1375), der Gebhardsstab (12./13. Jahrhundert), ein Pedum mit Narwalzahn um 1680, Gemälde von Martin Johann Schmidt, genannt Kremser-Schmidt (1718–1801), Martino (1657–1745) und Bartolomeo Alto monte (1694–1783). Als besonderes Gusto stückerl war 2003 die so genannte „Admonter Madonna“ (um 1310) aus dem Landesmuseum Joanneum in Graz im Kunsthistorischen Museum zu sehen. Dem barocken Stiftsbildhauer Josef Stammel (1695–1765) ist ein eigener Raum gewidmet.

Respekt für Vergangenheit

Zur Eröffnung des neuen „Museum Stift Admont“ im Mai 2003 war Abtprimas Notker Wolf OSB angereist. Er repräsentiert die weltweite benediktinische Gemeinschaft in Rom. In seiner Rede ist es ihm gelungen, die Verantwortung der Benedik tiner – auch im kulturellen Bereich – für die moderne Gesellschaft darzu legen: „Wir müssen einmal den Mut haben Klischees zu sprengen. Wir reden immer von Inkulturation mit Afrika, Asien und so weiter und übersehen, dass unsere Kirche in unserem Europa vielfach nicht mehr zu Hause ist. Wir stehen nicht mehr im Gespräch mit der Moderne. Wir haben auch nicht mehr den Mut, moderne Wege zu gehen. Dass da manche Hobelspäne vom Tisch fallen, spielt keine Rolle, das ist in der Vergangenheit auch passiert. Was ich so hervorragend finde, auch bei dem ganzen Museum – der Vergangenheit wird voller Respekt gezollt, aber die Vergangenheit wird nicht um der Vergangenheit willen geliebt, sie wird hereingenommen in die Gegenwart.“

Mut zur Kunst der Gegenwart

Die Admonter Benediktiner haben sich während ihres mehr als 900-jährigen Bestehens immer der Kunst und Kultur ihrer Zeit geöffnet und diese nach ihren Möglichkeiten gefördert. Auch heute sucht das Stift den Kontakt zur Kunst und Kultur unserer Zeit. Seit 1997 baut das Stift Admont kontinuierlich eine Sammlung österreichischer Gegenwartskunst auf. Ausgewählte Werke sind in einer eigenen Abteilung und in Sonderausstellungen zu sehen. Die Sammlung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen – aus Auftragskunst und Atelier- bzw. Galerieankäufen. Künstler wie Lois Renner, Erwin Wurm und Rudi Molacek haben seit dem Jahre 2000 als „artists in residence“ vor allem auf dem Gebiete der Fotokunst bedeutende Werkgruppen geschaffen. Eine andere Kerngruppe um Thomas Baumann, Werner Reiterer und Constanze Ruhm hat für die Stiftssammlung Kunstwerke erarbeitet, die spezifisch auf außervisuelle Wahrnehmbarkeit hin abzielen. Grundsätzlich für Blinde konzipiert, eröffnen sie neue Wege der Kunstrezeption – auch für Sehende.

Grundstock von Hannes Schwarz

Einen solchen bildet die großzügige Schenkung von Grafiken und Malereien des Steirers Hannes Schwarz (geboren 1926 in Anger bei Weiz), die dauerhaft in Sonderausstellungsräumen zu sehen ist. Ein Querschnitt durch das malerische Werk des leider früh verstorbenen Alfred Klinkan (1950–1994) bildet ein weiteres Konvolut. Eine starke Gruppe konstituiert sich aus Künstlern, die sich in den 1970er und 1980er Jahren als Vertreter der „Neuen Malerei“ einen Namen gemacht und sich in unterschiedlichste Richtungen weiterentwickelt haben: Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Josef Kern, Alois Mosbacher, Hubert Scheibl und Hubert Schmalix. Gerade die Gegenwartskunst, die Gegenwartsarchitektur und die Gegenwartskultur im Wechselspiel mit der stets präsenten Vergangenheit sind es, die unsere BesucherInnen zum Nachdenken, zum Fragenstellen anregen.

Gerade daraus ergeben sich wunderbare Gespräche mit den Admonter Mönchen, dem Museumsteam und den Besuchern untereinander. Es ist nicht unser Anliegen, dass unsere Gäste Kunst konsumieren und nach kurzer Zeit sagen – „Ja, schön das Ganze – herrlich – aber jetzt gehen wir in den Stiftskeller auf ein Schnitzel, einen Kaffe, einen Kuchen!“ Natürlich sollen unsere Museumsgäste neben ästhetischen auch zu kulinarischen Genüssen kommen.

Unser erklärtes Ziel ist, dass die Besucher mit mindestens einer wesentlichen Frage aus dem „Museum Stift Admont“ in ihre eigenen Welten zurückkehren. Diese Frage kann den Lebenssinn betreffen, den Glauben, die Werte, was auch immer. Wenn jemand bei uns war, vielleicht mit uns gesprochen hat, jedenfalls aber von uns geht mit einem „Hoppla – da war doch was!“, dann hat aus unserer Sicht das neue Museum einen seiner wesentlichsten Zwecke erfüllt.

Zu den Schätzen im kunsthistorischen
Museum gehört diese wunderbare
Monstranz.

Der Bildhauer Josef Stammel schuf
für die Bibliothek Allegorien der „Letzten
Dinge“: Tod; Gericht, Hölle und Himmel.

Kunstwerke, die spezifisch auf außervisuelle Wahrnehmbarkeit hin abzielen - grundsätzlich für Blinde konzipiert, eröffnen sie neue Wege der Kunstrezeption – auch für Sehende.

Die Admonter Stiftskirche ist 1895 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. Unser Bild zeigt die neugotische „Nachfolgerin“.

 

Das Angebot

Größte Klosterbibliothek der Welt
– vollendet 1776
Kontrastreichstes Privatmuseum
Österreichs eröffnet im Mai
2003, 3600 m2 Ausstellungsfläche,
7600 m2 Nutzungsfläche
.
Architekt Manfred Wehdorn, Wien.
Künstlerischer Leiter Michael Braunsteiner.
Wirtschaftlicher Leiter Peter Gsöllpointner

– multimediale Stiftspräsentation
– mittelalterliche Handschriften und Inkunabeln
– Kunsthistorisches Museum
– Museum für Gegenwartskunst
– Naturhistorisches Museum (ab 2004)
– Sammlung Hannes Schwarz
– Panoramastiege mit Nationalparkblick
– Museums-Shop
Temporäre Angebote:
– Sonderausstellungen
– diverse wissenschaftliche und kulturelle
   Veranstaltungen
– Museumswerkstatt für Kinder und Jugendliche
– Weihnachtskrippe von Josef Stammel (bis
    2. Februar 2004) in der Stiftskirche
Information:
Stift Admont, Bibliothek und
Museum, 8911 Admont 1,
Tel. +43 3613 2312 601
www.stiftadmont.at
kultur@stiftadmont.at

Die von Architekt Dr. Manfred Wehdorn konzipierte Panoramatreppe - ein Zubau - gibt den Blick zum Nationalpark Gesäuse frei.