Irmgard Hagenhofer
In der Kriegs- und Nachkriegszeit
 

Aus dem Oral History Archiv des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte (OHA-WISOG Graz)

Geschichte wird meistens mit großen Ereignissen verbunden. Diese sind großteils von Männern dominiert. Die Schicksale der Frauen, die nicht minder interessant sind, bleiben davon meist unberührt. Mit Hilfe der Oral History sollen Lücken in der Geschichtsschreibung geschlossen werden. Diese Methode stellt sicher, dass einzig­artige individuelle Erinnerungen und Lebensgeschichten für die Nachwelt erhalten werden.

 

Betrachtet wird das normale Leben, wie man den Alltag bewältigt hat.
Analysiert man anhand der Interviews die Schilderungen, so wird deutlich, dass die Kriegsjahre einen großen Anteil einnehmen. Dieser Beitrag soll impressionshaft einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben von Frauen in dieser Zeit darstellen. Auffallend ist, dass Frauen realistisch-sachlich über die Probleme und Gräuel berichten, die sich in diesen Jahren abgespielt haben. Manche Männer neigen eher dazu, ihre Erlebnisse zu verherrlichen und in ein positives Licht zu rücken.

Eine erste gravierende Veränderung war sicherlich die vermehrte Einbeziehung von Frauen zu früher von Männern dominierten Arbeiten.
Frauen haben die Arbeit der Männer übernommen. Professorin (Jg. 1907) OHA-WISOG S 270-5/85
Wir kamen ins Ausbildungslager für Forstfeuerwehr, da waren etwa 500 Mädchen aus allen Schichten beisammen. Uniformen bekamen wir auch, und zwar Männeruniformen. Lehrerin (Jg. 1925) OHA-WISOG AL 81-6/84
Da haben wir oft mitgeholfen, wenn ein Haus in unserer Umgebung getroffen worden ist und haben halt versucht die Verletzten auszugraben und noch einiges zu retten, was die Überlebenden brauchen können. Sekretärin (Jg. 1924) OHA-WISOG AL 89-5/84

Der Zugang zum Bildungswesen, speziell zu höherer Bildung, war für Frauen in dieser Zeit behindert bzw. sogar verschlossen.
1940 durften wir Mädchen ein Semester überhaupt nicht inskribieren, damit wir den Burschen gegenüber nicht zu große Vorteile haben. Lehrerin (Jg. 1920) OHA-WISOG AL 83-6/84
An der Universität mussten wir innerhalb der ersten drei Semester schießen lernen. Wir mussten bis zum Ende des 3. Semesters eine Schießprüfung ablegen, sonst konnten wir nicht weiterstudieren. Sachbearbeiterin (Jg. 1924) OHA-WISOG S 157-5/85

Auch in der Schulzeit wurden vor allem die Mädchen zur Heimarbeit herangezogen.
In den Heimabenden hat man viel stricken müssen, es hat immer geheißen für die Wehrmacht – Socken, Handschuhe, Schals und Ohrenschützer. Hausfrau (Jg. 1931) OHA-WISOG S 167-2/85

 
Abermillionen Ziegel aus den Kriegsruinen wurden von weiblicher Hand gesäubert und für den Wiederaufbau verwendet. Man sprach von den „Trümmerfrauen“, die beim Abreißen zerstörter Mauern und beim Aufmauern schwere Männerarbeit leisteten.
Aus dem Band „Österreich II“ von Hugo Portisch, Bilddokumentation Sepp Riff
 
Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)