Interview

 

Für das Gedächtnis des Landes

 

Dr. Josef Riegler hat am 23. September 2003 die Direktion des Steiermärkischen Landesarchivs übernommen. Eine schöne und zugleich schwierige Aufgabe. Univ.-Prof. Dr. Gerald Schöpfer stellte ihm Fragen zur künftigen Entwicklung.

steirische berichte: Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Direktor Riegler: Ein großes Vorhaben ist die Erarbeitung eines neuen Gesamt­inventars. Es wird auf digitaler Basis erstellt, der Zugriff wird über das Internet möglich sein.
Ein zweiter Bereich ist die Erschließung jener Bestände, zu denen es keine oder mangelhafte Findbehelfe gibt.
Zum Dritten: Das Landesarchiv hat einen wissenschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Es ist eine Forschungsstätte zu landes­kundlichen Fragen, die Ergebnisse werden veröffentlicht.
Ein vierter Schwerpunkt liegt im Bereich der Digitalisierung. Viele unserer Unikate sind konservatorisch sehr empfindlich, müssen bestmöglich geschont werden. Durch die Digitalisierung schaffen wir neue Nutzungsformen, die vor allem den Benutzerinnen und Benutzern durch rasche Verfügbarkeit dienlich sind.
Der Zugriff auf Informationen über die Bestände des Landesarchivs und auf die schon beachtlich große Zahl digitaler Reproduktionen wird in absehbarer Zeit über das Internet möglich sein.

steirische berichte: Was sind Ihre drückendsten Sorgen?
Direktor Riegler: Da ist zunächst der Bereich des digitalen Schriftgutes. Bisher waren die Dokumente ohne technische Hilfsmittel lesbar. Kamen sie nach der Bewertung ins Archiv, genügten die erprobten Verfahren, um sie zu erhalten und zugänglich zu machen. Digitales Schriftgut ist viel stärker vom Verlust bedroht. Der rasche technische Wandel, die Kurzlebigkeit der Geräte und Software, der Datenträger und Datenformate stellen die großen Herausforderungen dar. Mit dem Neubau des Zentralspeichers wurden die Voraussetzungen für die dauerhafte Erhaltung des Archivgutes auf Pergament und Papier geschaffen.
Probleme bereitet uns auch die große Menge von Dokumenten, die auf chemisch und physikalisch instabilem Papier geschrieben wurden. Sie sind vom Ver-fall bedroht. Für die dringende Massen­restaurierung fehlt das Geld.
Eine weitere Sorge: Oft wird Schriftgut in dafür absolut ungeeigneten Räumen gelagert, Schimmelbefall ist die Folge. Die Sanierung dieser vermeidbaren Schäden zieht einen sehr hohen Aufwand nach sich. Das ist auch der Grund, warum wir Ende April 2004 unter dem Titel „Sind sie noch zu retten?“ eine Ausstellung zum Themenkreis Konservierung und Restaurierung von Schriftgut zeigen. Wir ver­mitteln auch Anleitungen, wie diese ­Schäden zu vermeiden sind.

steirische berichte: Der Begriff Archiv wird oftmals mit verstaubtem Aktenmaterial verbunden. Wie sieht die moderne ­Archivarbeit im 21. Jahrhundert aus?
Direktor Riegler: Der Aktenstaub ist noch vorhanden, an seiner Beseitigung wird, da er teils mit gesundheitsgefährdenden Mikroorganismen behaftet ist, intensiv gearbeitet. Archivarbeit hat heute sehr viel mit Technik zu tun. Der Zettelkatalog, das maschinschriftliche Inventar sind Geschichte. Verzeichnung und Erschließung geschehen in der eigenen Datenbank.
Wir können in wenigen Minuten Recherchen durchführen, die sonst viele Stunden und Tage dauern würden.
Moderne Archivarbeit bedarf eines umfassenden Informationsmanagements, einer ganzheitlichen Sicht auf die wesentlichen Zusammenhänge. E-Government und elektronischer Akt sind bestimmende Faktoren moderner Verwaltung. In wenigen Jahren haben wir elektronisches Archivgut in die Obhut des Landesarchivs zu übernehmen, document lifecycle management heißt das Schlagwort dazu. Das Ziel ist, archivwürdiges Schriftgut unabhängig vom Trägermaterial auf Dauer authentisch und lesbar zu erhalten.

Im „Haus der Geschichte“ …

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)