Heribert Schwarzbauer
Neues über steirische Künstler

 

Darüber haben wir schon im letzten Heft des Jahres 2003 berichtet. Noch im Dezember gesellten sich jedoch den zehn bereits Geschilderten noch fünf weitere hinzu, darunter zwei Groß­meister, denen mit Recht monografische Prachtleistungen gewidmet wurden.

Der ältere der beiden, Reno Ernst Jungel, darf bereits als eine „Ikone“ der steirischen Malerei des 20. Jahrhunderts gewürdigt werden. 1893 in Radkersburg geboren und 1982 hochbetagt in Graz gestorben, blieb Jungel zeitlebens ebenso heimatverbunden wie weltoffen. Obwohl sich seine Studienreisen auf Frankreich, Italien und Griechenland beschränkten, vermittelten sie ihm genügend Licht- und Lebensfreude, um auch den Grazer Alltag als Mittelschullehrer verklären zu helfen. Auch als Mitbegründer des „Künstler­bundes Graz“ (1921), dessen späterer Präsident und Ehrenpräsident achteteer sehr darauf, dem traditionell hohen ­Qualitätsanspruch des Vereins durch sein persönliches Kunstschaffen, aber auch durch seine Respekt gebietende Erscheinung und ein „Sir“-mäßiges Verhalten zu entsprechen.

Der nun zu Jungels 110. Geburtstag bei Leykam erschienene Großband ist mit 136 Farbtafeln und 111 Textabbildungen natürlich auch ein prachtvolles Bilderbuch, dessen kunsthistorisches Gewicht freilich erst durch die sechs klugen ­Textbeiträge evident wird. Während sich Kerstin Braun zu Jungels Landschafts­bildern, Stadtansichten und Annäherungen an das Abstrakte äußert, beschreibt Harald Jurkovi´c die Porträts, Figuren­bilder, allegorischen und symbolischen Darstellungen des Künstlers, über dessen Auftragsarbeiten – Fresken und vor allem Plakate – Margit Fritz-Schafschetzy referiert. Über die biografischen Stationen dieses Künstlerlebens berichtet schließlich – als familiäre Insiderin – Jungels Tochter Minnegard Kirchmauer, die – gemeinsam mit Gudrun Danzer von der Neuen Galerie – auch als Herausgeberin der mit beispielhafter Gründlichkeit erarbeiteten Monografie fungiert.

Dem Jüngeren der Altmeister, FranzWeiß, wurde sein neues ADEVA-Buch fast genau zum 83. Geburtstag im tradi­tionsreichen Weißen Saal der Grazer Burgvon Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic persönlich präsentiert. Nach den seit 1991 erschienenen Bänden über das „Holzschnittwerk“, „Die Aquarelle“ und „Die Hinterglasbilder“ bilden nun die ­„Arbeiten im öffentlichen Raum“ gleichsam den krönenden Abschlussbericht über ein kaum überschaubares Lebenswerk, das in zahllosen Facetten fast ausschließlich der Volksfrömmigkeit in der Steiermark gewidmet ist.

Das weit gespannte Thema „Arbeiten im öffentlichen Raum“ war gewiss viel schwieriger zu behandeln als die bis­herigen Franz-Weiß-Bände mit ihrer Beschränkung auf einzelne Maltechniken oder die alte Kunst des Holzschnitts. ­Heraus­geber Götz Pochat, der auch das einführende Referat über „Sakrale Kunst der Gegenwart“ verfasste, lud daher fünf Fachkollegen ein, zu den unterschied­lichen Aspekten der Raumkunst von Franz Weiß Stellung zu nehmen. Ruth Trigler zur Bildsprache und Ikonographie in Kirchen und Kapellen, Margit Stadlober zum „Modernen Gesamtkunstwerk“ der Kapelle „Maria Knotenlöserin“, Günther Jonteszu allem, was mit Friedhöfen und Gedenkstätten zu tun hat, Herbert H. Egglmaier zu den historischen Zyklen in zwei Hauptschulen und Alois Kölbl zu den ­einladenden Kirchenportalen von Franz Weiß.

Höchst beeindruckend sind auch das reichhaltige, tadellos reproduzierte Bildmaterial und die – geradezu endlos anmutende – Liste der Ortschaften, in denen Prof. Weiß bis zur Jahrtausendwende ­gearbeitet hatte. Wie schon bei den ­beiden letzten Büchern, hat – als guterbis lästiger Geist hinter den Kulissen der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt – auch diesmal wieder „Tante“ Berta Prassl kräftig mitgemischt, die aus Menschen- und Kunstliebe seit langem hinter allem steckt, was in der Öffent­lichkeit für Franz Weiß geschieht. Wenn schon nicht im Buch, so soll ihr doch zumindest an dieser Stelle für ihr beispielhaftes Engagement ge­bührend gedankt werden!

 

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)