Graz kritisch …

 

Was fürs Rathaus gut ist, müsste auch für die Hauptbrücke recht sein.

Graz hat in den sechziger Jahren zwei barbarische Zerstörungen erlitten. Wegen eines unbedeutenden Schadens an einer Plastik entfernte man gleich alle 16 Rathausfiguren und zerstückelte sie angeblich für das Fundament einer Toreinfahrt. Jahrzehntelang blieben die Nischen öd und leer. Wie gemeldet hat Bürgermeister Siegfried Nagl mit einigen Mitstreitern schon vor mehreren Jahren die Rekonstruktion der vier Allegorien über dem Rathausportal sowie der berühmten historischen Persönlichkeiten angeregt.

Trotz des Fehlens optimaler Fotos bzw. von Modellen gelang es inzwischen, das Rathaus wieder mit der „Kunst“, der „Wissenschaft“ und dem „Gewerbe“ zu schmücken. Wie jeder Mann und jede Frau sehen kann, hat Restaurator und Bildhauer Walter Ackerl aus Riegersburg mit Werkstätte in Graz hervorragende Arbeit geleistet. Der „Handel“ soll noch heuer auf den angestammten Platz zurückkehren, für die weiteren Figuren werden Sponsoren gesucht.

So weit, so gut. Es drängt sich allerdings die Frage auf, warum die verstreuten Originale der großartigen Franz-Carl-Brücke noch immer nicht auf der Hauptbrücke zu sehen sind. Die mächtigen Adler stehen verloren im Metahofpark, vor dem Schlössl finden sich mehrere Laternen. Die beiden Maskarone, bei Niederwasser aus der Mur geborgen, warten entlang des Uferweges auf den idealen Platz.

Die vom berühmten Bildhauer Hans Brandstetter geschaffenen Hauptfiguren stehen im Stadtpark, sie werden dort von Vandalen ständig beschädigt. Die „Austria“ ist seit langem mit Farbe beschmiert, der „Styria“ hat man wieder einmal das Schwert abgerissen.

Ein Blick zurück zu den Beiträgen, die ab 15. Oktober 2000 in der „Grazer WOCHE“ erschienen sind. Damals zeigten sich Stadtpolitiker und Fachleute vom Vorschlag der „Heimkehr“ überaus begeistert. Mitte April 2002 kam es nach einer einseitig zusammengesetzten Runde einer Expertenkommission plötzlich zu einem unverständlichen Schwenk. Wesentliche Teile der einzigartigen alten Brücke sollten nicht als Zitate auf das „Betonbrett“ kommen, sondern lediglich unter der Brücke ausgestellt werden.

Inzwischen ist allerdings wieder ein Umdenken zu registrieren. Bürgermeister Siegfried Nagl will demnächst mit Stadtrat Gerhard Rüsch die weitere Vorgangsweise beraten. Landeskonservator Friedrich Bouvier hat sich bereits dafür ausgesprochen, „Austria“ und „Styria“ auf eleganten Sockeln in der Mitte der Hauptbrücke zu postieren. Für künftige Beratungen wäre es wohl angebracht, auch Befürworter einer „Aufwertung mit den alten Elementen“ ein­zuladen. Prof. Karl Kubinsky und Rechtsanwalt Mag. Marc Oliver Stenitzer haben dafür intensive Vorarbeit geleistet.

 

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)