Kurt
Jungwirth |
|
| Nietzsche proklamierte den
Tod Gottes und prophezeite zugleich für Europa 200 Jahre Nihilismus,
Herrschaft des Nichts. Hundert Jahre haben wir davon glücklich hinter
uns. Stalinismus und Nationalsozialismus haben sich gründlich an
diese Prophezeiung gehalten und in vielen Köpfen Gott abgeschafft.
Am Beginn der zweiten hundert Jahre ist die nächste Welle im sogenannten
Westen mit Macht unterwegs. Ihr Träger ist ein wildgewordener Kapitalismus.
Das Wort Neoliberalismus sollte man dafür nicht verwenden, denn in
„liberal“ steckt der kostbare Begriff Freiheit, und von Freiheit
kann in diesem neumodernen System nicht die Rede sein. Es ist von Gesellschaftsschichtungen
gekennzeichnet, die an mittelalterliche Feudalherrschaft in Europa erinnern.
Eine dünne Schichte mächtiger Feudalherren steht wie damals
über ihren treu ergebenen Vasallen, die an dieser Macht partizipieren
und die große Masse der neuen Leibeigenen unter Kontrolle halten.
Entschuldigung aktueller Machtträger gefordert In lange vergangenen Zeiten hatte die Kirche eine dominierende politische Position, die wie jede Macht zu Mißbrauch mit bösen Folgen führen konnte. Von Hexenprozessen bis zu allen möglichen Ketzerverfolgungen ließ sich eine damals triumphierende Kirche hinreißen. Marxisten und Faschisten haben in ihrer antikirchlichen Propaganda damit fleißig gearbeitet. Der heutige sogenannte Zeitgeist – also der Durchschnitt der gerade gängigen vorgefaßten Meinungen – tut ein Gleiches. Für Fehlleistungen der Kirche, die Jahrhunderte zurückliegen, haben sich inzwischen Kirchenführer, insbesondere der jetzige Papst, wiederholt ausführlich und vor der Weltöffentlichkeit entschuldigt. Solche Entschuldigungen können nichts ungeschehen machen, setzen aber Zeichen für neuen Anfang. Die katholischen Entschuldigungen reichen nunmehr. Fortgesetzte Selbstgeißelungen sind nicht notwendig. Dafür ist aber jetzt eine ganze Reihe von Machtträgern am Zuge, sich für wesentlich aktuellere Untaten zu entschuldigen. Lassen wir einmal bis dahin Kirche in Ruhe. |
Im Verlag für Sammler hat Uta Gratzl die „Gedankengänge“ von Kurt Jungwirth herausgegeben. Eine Fundgrube für Zeitgenossen, die der Zeit auf der Spur bleiben wollen. Bewegend ist das Protokoll über den Verkehrsunfall am 24. Oktober 1986. Ein Geisterfahrer hatte mit seinem Pkw das Auto gerammt, in dem Jungwirth saß. Sein Chauffeur Josef Weber und er wurden verletzt. Der Zusammenstoß forderte zwei Tote und zwei Schwerverletzte im anderen Auto. |
| Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise) |