| Autobiografisches
1924 in Wien geboren
– südböhmischer Abstammung, Lieblingsfarbe: Blau. In der
Folge nachhaltig von der dunklen Böhmerwaldlandschaft beeinflusst.
Studium an der Akademie für angewandte Kunst, Wien. Bühnenklasse
bei Prof. Niedermoser, Naturstudium, Studium der menschlichen Figur, Abteilung
Malerei. Erste Aufträge: Restaurierung von Fresken, Figurinen für
das Marinearchiv.
1943 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen.
Flucht in die Porträtkarikatur. Fronteinsatz. Als karikierender Obergefreiter
das Dritte Reich überlebt.
1945 russische Kriegsgefangenschaft. Im
Wesentlichen als „Hauptkunstmaler“ im Dienste des russischen
Wiederaufbaues, zeitweise auch als Zimmermaler und Anstreicher in Verwendung.
1947 Abschluss des Studiums. Kurzfristig
bei „Wien-Film“ in Aktion. 1948 als Maler und Zeichner fortan
in Tätigkeit, Gestaltung der russischen Retrospektive.
1952 seit Mai als freiwilliger Emigrant
in Graz. Intensive Beschäftigung mit der Buch- und Zeitungsillustration.
1956 Stift Wilhering – Entstehung des Franziskus-Zyklus.
1958 temporäre Begegnung mit der „Jungen
Gruppe“. Dekorative Phase.
1962 Staatspreis für die Buchillustrationen
zu „Schwert ohne Krone“, Verlag Styria.
1962–1972 Gottfried Pils ist der Meinung,
Malen ist besser als Ausstellen. Bilder im Privatbesitz, im Besitz des
Bundesministeriums für Unterricht und öffentlichen Ubikationen.
So in Österreich, der Schweiz, Jugoslawien, Deutschland, Dänemark,
Japan und Amerika. Studienaufenthalte: Schweiz, Jugoslawien, Italien,
Bulgarien, Türkei, Dänemark, Tschechische Republik.
Ein Blatt für Gottfried Pils
Die These, Kunst drücke das Wesen eines Künstlers
aus, ist zugegeben nicht ungefährlich. Bei Gottfried Pils trifft
sie zu. Darf sie zutreffen.
Denn sein Wesen ist nicht so einfach, dass es durch Kunst kompliziert
werden muss. Es ist kompliziert genug, dass es durch Kunst ein bisschen
geordnet werden darf. Denn Gottfried Pils ist ein cholerischer Träumer.
Einer, der durch den beißenden Spott, durch harten Zynismus sich
und anderen gegenüber, durch Pathos und Pose seine Träume zu
schützen versucht.
Hätte er vor ein paar Jahrhunderten gelebt, wäre dieser hell
lachende, wendig gestikulierende Gottfried Pils, der seine Botschaften
im hellen Contertenor vorzubringen pflegt, wahrscheinlich ein mächtiger
und beliebter Hofnarr geworden und hätte straflos seine Wahrheiten
gesagt. Wahrheiten, die er jetzt zeichnet: Karikaturen, scharf beobachtend,
treffend, für die Betroffenen manchmal ehrenvoll und blamabel zugleich.
Doch die fahrige Gebärde, die gelebte und gezeichnete Ironie sind
nur der Mantel über den Träumen. Über Träumen von
Bergen, Buchten und Wäldern, Treppen und Türmen, Helmen, Röcken
und Reitern, wie man sie heute nur noch im Geheimen zu träumen wagt.
Und zu gestalten. Und Gottfried Pils gestaltet seine Träume exakt.
Schärft seinen Sinn am Gegenstand. Lässt ihn aber nicht allein.
Füllt ihn an mit sich selbst. Nimmt ihn mit in seine Träume.
Sprengt ihn beinahe.
Traum und Leben, Gegenstand und Ornament, Ironie und Ernst werden auch
weiterhin die unversöhnlichen Partner bleiben, die den heiteren Gottfried
Pils so melancholisch stimmen.
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Selbstporträt
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