Bernd Schmidt über Erika Wolf-Rubenzer
Starke Farben. Strenge Linien.

 

Das vielschichtige Werk von Erika Wolf-Rubenzer wird aus einer ganzen Reihe von Quellen gespeist, deren Qualität zwar stets gleich hoch ist, deren Temperament und deren Intensität indes sehr wohl variieren können. Somit sind die künstlerischen „Druckverhältnisse“ wohl verschiedene, oft weit entgegenliegende – und führen folgerichtig zu verschiedenen „Eindrücken“ beim Betrachter … Ob bei Porträt oder Hinterglasbild, Landschaft oder Szene.
Da ist die fast schon unbändige Farblust, besonders in den jüngeren und jüngsten Werken, die manches ihrer großformatigen Ölbilder schier zum Tanzen bringt.
Da durchströmen Hitze und Feuer des Bazars im orientalischen Ambiente die Komposition, da wird Erotik spürbar, wenn die jungen Tänzerinnen und Tänzer einander umfassen.
Da ist die merkbare Liebe zur Landschaft, wobei die Landschaft sich einerseits zum satten, andererseits zum schattigen Duktus in der Darstellung eignet.
Da wirkt, sich den Wäldern, Feldern und Gegenden anschmiegend, freilich auch Zartes und Pastoses. Gleichsam als bukolisches Signal. Freilich – Liebliches läuft dabei niemals Gefahr, ins Fade abzudriften.
Da ist die Strenge der Glasbildwerke, die entsprechend dem strikten spirituellen Programm das fantastisch Überschäumende in klare Strukturen bannt. Da sind aber auch Erika Wolfs Experimente mit fließender Farbe und Glas.
Da sind die Aquarelle, die farbstarke Geschichten erzählen. Eines davon ist sogar umgewandelt in einen geknüpften Teppich zu bestaunen. Da sind auch Emaille und eine neue Form der „Graphobatik“.
Da ist der Ernst, mit dem sich die Künstlerin ihrer Arbeit, den Gegenständen und Bildinhalten nähert.
Da ist schließlich die feine Ironie, die ein helles Lachen in die „stille Welt des Pinsels“ stößt und nicht selten die Zügel lockern hilft.
Zügel? Ja, wollte denn das Mädchen Erika nicht Zirkusreiterin werden? Doch halt!
Erika Rubenzer wurde in Wien geboren, wuchs jedoch in der Obersteiermark auf und studierte bei Rudolf Szyszkowitz, der sie sogleich in seine Meisterklasse an der Kunstgewerbeschule in Graz aufnahm, danach bei Albert Paris Gütersloh an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Später war sie durch Jahrzehnte als Kunsterzieherin am Grazer Gymnasium Sacré Coeur tätig. Ein riesiges Wandgemälde in der Pausenhalle der Schule, von Lehrerin und Schülerinnen gemeinsam geschaffen, zeugt vom positiven Effekt dieser langjährigen Tätigkeit auf die Jugend.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)