Bernd Strauss
„hummelnest“-Museum erregt Aufsehen in der Landwirtschaftskammer
Ein Gewinn für die Kürbisbauern
 

Ein spannendes Projekt bereichert seit einem Jahr den kleinen oststeirischen Ort Unterfeistritz. Dort hat in der alten Naturkegelbahn des Gasthofes „Stixpeter“ das „hummelnest“ seine Heimstatt gefunden. Günstig am Feistritztalradweg gelegen, eingebunden in die Apfelstraße, lockt dieses Museum mit seinem bunten Bauerngarten mittlerweile Besucher aus ganz Österreich an. Diese können einen direkten Blick auf das Leben von Hummeln werfen, es ist ein völlig anderes Leben als wir es von Bienen oder Wespen kennen.

17 Arten im Feistritztal

Schon beim Eintritt überraschen runde, weiche Formen aus Lehm, eng zusammengerückt, dann wieder geräumige Nischen frei haltend. Die Gestalter wollten damit die Situation in einem Hummelnest zitieren. Für viele ebenfalls überraschend – es gibt nicht nur eine Hummelart. Bis jetzt konnten die beiden Betreiber Mag. Bernd Strauss und Peter Ablasser 17 Hummelarten im Feistritztal nachweisen. Die letzte systematische wissenschaft liche Arbeit über Hummeln in der Steiermark stammt aus 1878! Wir finden darin Daten aus einer Zeit, in der die Landwirtschaft ohne Pestizide auskam, Traktoren und Mähdrescher noch nicht den Boden verdichteten, es Wildpflanzenfeindlichkeit an Straßenböschungen noch nicht gab und Kreiselmäher noch nicht über Wiesen rotierten. Lauter Aspekte, die heute Hummeln zusetzen.

Vergleich mit 1878

Für 2005 ist geplant, mit Imkern eine neue Bestandsaufnahme von Hummeln im Feistritztal zu machen, der Vergleich mit 1878 könnte aufschlussreich werden. Mit lebenden Hummelnestern, mit einer Präsentation auf einem PC, einem Video, mit einer Koje, in der zehn verschiedene Interpretationen des Hummelflugs des russischen Komponisten Rimski Korsakow zu erleben sind, wird eine ganzheitliche Annäherung möglich. Besondere Beachtung verdient das „hummelnest“ durch eine Zusammenarbeit mit Kürbisbauern. In der Landwirtschaftskammer weiß man, dass Hummeln die effektivsten Bestäuber des steirischen Kürbis sind. Bekanntlich stehen unsere Kürbisse unter dem Konkurrenzdruck aus Ungarn und China. Auch Ertragsrückgänge aus Mangel an Bestäubern sind zu vermerken. Im letzten Winter besuchten bereits rund 150 Kürbisbauern Seminare über die Anlage von Nistplätzen. So gelang es auch einigen Bauern im Sommer 2004 Hummelvölker in selbst gebauten Nistplätzen bei ihren Kürbisäckern anzusiedeln. Der Erfahrungsaustausch hat allerdings gezeigt, dass das Angebot von Nistplätzen allein nicht ausreicht. Eine stärkere ökologische Orientierung der Landwirtschaft, auch die Beachtung von Wildpflanzen, müsste Platz greifen, will der steirische Kürbis das bleiben, wozu er in den letzten Jahrzehnten geworden ist – zu einem Symbol für unsere kern-öl-ige Steiermark.

 

 

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)