| Eröffnungsrede von Präsident
Prof. Kurt Jungwirth Immer mit dem Blick nach vorn |
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| Der „steirische herbst“
eröffnet sich heute in dieser Halle zum ersten Mal, und nicht zum
ersten Mal. Er hat hier im Jahr 2000 begonnen, als dieses Haus noch abbruchreif
dastand. Inzwischen ist aus einer Industrieruine ein großartiges
Werk gelungen, für diese Stadt und dieses Land von hoher Bedeutung.
Der traditionsreiche Konzertsaal in der Stadtmitte, der Stefaniensaal,
feiert in Kürze seinen 100. Geburtstag. In den vergangenen 100 Jahren
hat sich in der Musik einiges getan. Musik braucht neue Räume, neue
Räume schaffen neue Musik und nicht nur Musik, alle möglichen
Facetten von Kultur blühen auf, wenn ihnen Platz geschaffen wird.
Nicht austauschbar Die Flut der Ereignisse sagt allerdings noch nichts über ihre Qualität aus. Dass mit ihr auch das Gespenst der Beliebigkeit über die Lande gezogen ist, der gefährlichste Feind für so ein Festival und auch für Kulturarbeit, Kulturpolitik im Allgemeinen, ist offensichtlich. Beliebigkeit heißt im Letzten, alles ist nichts und nichts ist alles. Das bedeutet auch, was die einen zur begeisterten Ekstase bringt, langweilt andere tödlich und umgekehrt. Für Programmmacher im „steirischen herbst“ ist das eine gewaltige Hürde, der sie sich stellen müssen. Das Festival will unaustauschbar sein und ich behaupte, es ist jedes Jahr von neuem nicht austauschbar. Es ist nicht in Versuchung geraten, wie so viele andere, ein bloßes Einkaufsfestival zu werden. Dazu hätte es ohnehin nie genug Geld gehabt. Es produziert selbst Internationalität. Gerade Peter Oswald hat in dieser Richtung Enormes geleistet. Internationale Vernetzung Ich hatte an dieser Stelle vor, über Vernetzungen des „steirischen herbstes“ in Oswalds Zeit zu sprechen im ganzen Sprachraum und von Moskau bis Philadelphia, von Paris bis Sofia, auch über Händl Klaus, der über den „steirischen herbst“ Nachwuchsautor des Jahres 2003 geworden ist. Aber heute ist die Nachricht eingetroffen, Elfriede Jelinek erhält den Literaturnobelpreis. Auch sie war 2002 und 2003 (über „Lost Highway“ mit Olga Neuwirth) bei uns im Programm. Ich erinnere mich an das Jahr 1987, als ich ihr den Steirischen Literaturpreis überreichte. Sie fand damals in einem ganz persönlichen Gespräch auch sehr freundliche Worte für Graz, für seine Literatur und für seine Altstadt. Friedensarbeit an der Grenze Die Internationalität gelang und gelingt oft im Zusammenwirken mit den großen und kostbaren Häusern in dieser Stadt. Unaustauschbar aber ist der „herbst“ auch durch die so genannte lokale und regionale Szene, die oft selbst interessante Netzwerke einbringt. Sie ist für das Festival unersetzlicher Partner. Was für die Landeshauptstadt gilt, gilt erst recht für die so genannte Provinz. Auch die 700- Einwohner-Gemeinde Rachau bei Knittelfeld ist zum Beispiel dieses Jahr bei uns im Programm. Und ich nenne mit voller Absicht das Pavel-Haus in Laafeld bei Bad Radkersburg. Dort wird an einer in der Vergangenheit von Schmerzen geplagten Grenze Friedensarbeit geleistet. Ich meine, das ist hoch zu schätzen in dieser Zukunfts region, in der sich die Steiermark mit Nachbarn positioniert. Ein erweitertes Trigonfeld bietet sich quasi von selber an. |
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