Wir gratulieren!
 

LH-Stellvertreter a. D.
Prof. Kurt Jungwirth


Dr. Josef Krainer vollendet sein 75. Lebensjahr. Die „steirischen berichte“ widmen ihm dieses Heft. Es zeichnet Streiflichter aus einem dynamischen Leben, Stationen einer schöpferischen Existenz. Wie sein Vater durch und durch homo politicus, ist Josef Krainer in eine Epoche stürmischer Umbrüche, Durchbrüche, Aufbrüche hineingeboren. Ein Blick auf diese Zeit stellt die Berichte aus seinem Lebensweg in den richtigen Rahmen. Was hat diese Generation nicht alles durchzustehen, zu überleben gehabt, aber auch zu schaffen und zu gestalten! Politische Diktatur und die Raserei des Krieges sind die ersten Erfahrungen. Trotz aller böser Nachwehen kommt nach 1945 der Aufwind neuer Anfänge. In der großen Welt folgt auf den heißen Krieg der Kalte, in der kleineren aber führt der Weg vom Wiederaufbau zu bescheiden wachsendem Wohlstand. Nach 1968 leistet man sich im Westen neue Freiheiten mit ihren Lichtern und Schatten. Es ist eine ebenso faszinierende wie kräfteraubende Herausforderung, in diesen Jahren an der Spitze des Landes zu stehen. Technische und ökonomische Revolutionen machen alte Schätze der Steiermark zu Lasten, erzwingen schwierige Umstellungen in den Industrieregionen, zerfurchen den ländlichen Raum, stellen Lebensformen in Frage, führen zu neuen Konflikten zwischen Ökonomie und Ökologie. Das Land modernisieren? Ja, aber wohin in Europa, in dem alte Mauern wanken und schließlich fallen, wenn neues Licht und neuer Schatten neues Denken und Handeln
verlangen?
Josef Krainer, mit hoher Einfühlsamkeit für Menschenschicksale ausgestattet, lebt kraftvoll mit weit ausgreifender Intelligenz für sein Land. Mit christlichem Fundus sucht er Orientierung und hält Kurs in konziliaren und nachkonziliaren Jahren. Josef Krainers Zeit war eine gute für das Land. Ausführliche Rückblicke werden das eines Tages umfassend zeigen. Diese „steirischen berichte“ versuchen dazu einen ersten Ansatz.

Bundeskanzler
Dr. Wolfgang Schüssel

Als Landeshauptmann der Steiermark hat Josef Krainer das Erscheinungsbild des Landes wie kaum ein zweiter geprägt. Mit seiner politischen Weitsicht und Beharrlichkeit hat er zum Identitätsbewusstsein der Steiermark entscheidend beigetragen. Besonders die ihm eigene menschliche Größe zeichnet ihn aus. Stets für die Anliegen der Steirerinnen und Steirer da, verdient Josef Krainer mit Sicherheit den Ehrentitel „Landesvater“.
Josef Krainer war und ist aber mehr als ein Landespolitiker von großem Format. Seine Weltgewandtheit und Offenheit in kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Fragen hat sich auf das Land übertragen. Als Landeshauptmann hat er beispielsweise das steirische Kulturleben entscheidend aufgewertet und vorausschauende Initiativen gesetzt. Für viele der heutigen Stärken der Steiermark wurde unter Josef Krainer die Basis gelegt.
Weit über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus ist die Bedeutung von Josef Krainer als Europapolitiker. Die Steiermark entwickelte sich unter seiner Führung zu einer Drehscheibe in Südosteuropa.
In den legendären Nächten der Schlussverhandlungen Österreichs mit der Europäischen Union hat er in unserem Team die Interessen der Bundesländer vertreten. Die Zweidrittelmehrheit für den Beitritt in der Volksabstimmung 1994 ist wohl einer der größten und ersehnten Erfolge seiner Amtszeit gewesen.
Als Mensch und Politiker ist „der Joschi“ zum Vorbild für viele Jüngere – auch mich – geworden. Josef Krainer hat in seinem privaten wie politischen Leben vieles zuwege gebracht, das zu erreichen nur wenigen Menschen vergönnt ist. Zum 75. Geburtstag möchte ich sehr herzlich gratulieren, ich freue mich mit ihm über seinen runden Geburtstag und wünsche noch viele Jahre in Gesundheit und Wohler gehen.

Den Kosenamen „Joschi“ bekam Josef Krainer von einem Mittelschulkollegen, die Familienmitglieder nennen ihn „Pep“, die amerikanischen Freunde begrüßen ihn mit „Joe“.

Landeshauptmann
Waltraud Klasnic

Die großartige Entwicklung der „neuen Steiermark“ seit 1945 ist untrennbar mit dem Namen Krainer verbunden. Josef Krainer I. (LR und LH 1945–1971) und Josef Krainer II. (LR und LH 1971–1996) haben seit Kriegsende 50 Jahre hindurch unser Land entscheidend gestaltet und in allen Bereichen Fundamente gelegt, auf denen wir aufund weiterbauen können. Dazu nach besten Kräften, aus ganzem Herzen und mit vollem Einsatz beizutragen sehe ich als meinen Auftrag, besonders als ich am 23. Jänner 1996 in der direkten Nachfolge von Josef Krainer II. die Verantwortung als Landeshauptmann – die schönste und wohl auch forderndste Aufgabe unseres Landes – übernehmen durfte. Persönlich habe ich Josef Krainer ungemein viel zu verdanken – er hat mir viele Chancen ge - geben, vieles zuge- und anvertraut, mich gefordert und gefördert. Es ist ein gutes Gefühl, ihn auch in den letzten zehn Jahren immer wieder an der Seite zu haben – mit einem guten Wort zur richtigen Zeit. So möchte ich ein großes Danke und einen herzlichen Glückwunsch aussprechen.

Diözesanbischof
Dr. Egon Kapellari

Vor mehr als 50 Jahren habe ich als Student der Rechtswissenschaften an der Feier der Promotion von Josef Krainer zum „Doctor iuris“ teilgenommen und konnte ihm seither in allen Phasen seines und meines beruflichen Wirkens und Lebens immer wieder begegnen. Daraus ist eine freundschaftliche Verbindung geworden, aus der mir als Mensch und Christ viel guter Rat und andere Stärkung zugekommen sind. Der steirische Alt-Landeshauptmann vereint in seiner Persönlichkeit ein Spektrum von Begabung, das in solcher Breite und hoher Qualität im Horizont des politischen Lebens nur selten anzutreffen ist. Er hat nicht nur für die Steiermark und für Österreich im Ganzen ungemein viel geleistet, sondern dabei im Blick über jeweilige Grenzen hinaus auch Europapolitik gemacht, die sehr fruchtbar geworden ist und weiterhin Früchte bringen wird. Zu seinem 75. Geburtstag bringe ich als Bischof auch namens der Diözese Graz-Seckau dankbare Segenswünsche zum Ausdruck.
Bundesrat

LH-Stellvertreter a. D. Univ.-Prof.
DDr. Peter Schachner-Blazizek

Josef Krainer hat als Landeshauptmann der Steiermark von 1980 bis 1995 unsere Heimat durch eine Zeit einschneidender Veränderungen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft geführt. Das sichere Navigieren im magischen Zielvieleck der Politik war seine Stärke. Die Herkunft, seine große Bildung und der starke Wille begründeten das Fundament. In unseren gemeinsamen Jahren im Dienste der Steiermark haben wir hart miteinander gerungen, aber persönlich nie die Grenzen der Zumutbarkeit über - schritten. Außerdem waren wir uns als Söhne unserer Väter in Grundsatzfragen der „res publica“ viel näher, als Außenstehende hätten vermuten können. Unsere Gespräche über Wissenschaft, Geschichte, Kultur, aber auch internationale Fragen, waren mir stets Bereicherung und Einsicht in eine Persönlichkeit von Breite und Tiefe. Als politischer Widerpart hat mir Josef Krainer nach 1995 tatsächlich gefehlt. Ein starker Gegner ist oftmals wichtiger als ein Begleiter. In Verbundenheit mit besten Wünschen, „ad multos annos“!

Bundesrat
Prof. Herwig Hösele

Einer der bedeutendsten Politiker der Zweiten Republik, umfassend gebildeter homo politicus, intellektueller Vollblut-Politiker, der für die und nicht von der Politik lebt – all diese und viele andere oft verwendete Charakterisierungen sind richtig und treffend. Obwohl er auf dem Wiener und internationalen Parkett beste Figur machte, sah Josef Krainer sein politisches Gravitationsfeld in der Heimat. Daher schlug er sowohl Ministerämter, den VPBundesparteiobmann und die Bundespräsidenten-Kandidatur (statt Klestil) aus. Sein Wort hatte aber stets großes bundespolitisches Gewicht, die ARGE Alpen-Adria, die das annus mirabilis 1989 und das zusammenwachsende Europa antizipierte, war sein Kind. Persönlich hatte ich das Privileg, zwei Jahrzehnte Mitarbeiter von Josef Krainer zu sein. So wie viele andere habe ich viel zu danken, habe unendlich viel von ihm und seiner vorbildhaften Haltung gelernt. Der geschichtsbewusst und zukunftsorientiert denkende und handelnde Josef Krainer war Jahrzehnte für unseren innerösterreichischen Raum prägend. Er war es auch für mich!

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)