Gerd Bacher skizzierte das Polit-Phänomen Josef Krainer
Der Mann des Denkanstoßes
 

Versuch einer Charakterisierung des Josef Krainer, erschienen 1990 im V Band „Standort Österreich“, herausgegeben von Gerd Bacher, Karl Schwarzenberg und Josef Taus. Wir bringen einige Zitate.

Ich möchte die Fundamente des Josef Krainer II skizzieren und bin schon mittendrin. Eines ist die Familie, in der er aufgewachsen ist. Vater, Mutter, Geschwister. Er hatte nicht nur einen großen Vater, sondern eine jener wunderbaren Mütter, die alle Liebe zu geben und alle Last zu tragen wissen, die ihnen so genannte „große Zeiten“ abverlangen. Auch die von ihm selbst später gegründete Familie versteht sich als solche und nicht als die heutzutage übliche PR-Veranstaltung. Wenn Krainer Familienpolitik macht, braucht er keine Theorien, da ist alles Erfahrung.

Intellektuelle Neugier

Ein Fundament des Josef Krainer ist seine intellektuelle Ausstattung. An den Universitäten in Graz, in Bologna, in Georgia und als wissenschaftlicher Assistent bei Anton Tautscher holt er sich nicht nur Wissen und Diplome, sondern eine in der österreichischen Politik rare Eigenschaft: die intellektuelle Neugier, Bildung als persönliches Bedürfnis, die Freude am Disput an sich, das Den-Dingen-auf-den- Grund-Gehen, auch wenn keine unmittelbare Nutzanwendung damit verbunden ist. Das ist aufsehenerregend in Österreich, wo die Kluft zwischen Geist und Macht besonders groß ist.

Ausnahme von der Regel

In solcher Anspruchslosigkeit wird Elite oft durch Prominenz ersetzt; nach Friedrich Sieburg kommt Elite durch Leistung, Prominenz aber nur durch Beifall zustande. Der Politiker Josef Krainer ist eine Ausnahme zur geschilderten Regel. Seine Wirksamkeit beruht unter anderem darauf, dass man ihm vieles zutraut, was man den herkömmlichen Politikern nicht zutraut. Er verbreitet das Bedürfnis, grundsätzlich zu sein, Zusammenhänge zu erfassen, Entwicklungen und damit der Zukunft auf die Spur zu kommen, die geheimnisvollen Kreuzungen nicht zu verpassen, die darüber entscheiden, ob Politik vom Zug der Zeit abgehängt wird oder dessen Lokomotive ist. Das Forum Stadtpark, Trigon, der „steirische herbst“, viele modellhafte Initiativen, wären nicht denkbar oder hätten sich längst als ein politischer Überschmäh entdeckt, gäbe es nicht die intellektuelle Glaubwürdigkeit des Josef Krainer, seine jeder traditionellen Soziologie spottende Gefolgschaft und das positive Spannungsverhältnis zur geistigen Gesellschaft seines Landes.

Eine einzige Liebeserklärung

Ein Fundament des Josef Krainer ist das Steirische, er ist ja nicht Landeshauptmann der Steiermark, sondern von Steiermark. Liest man die Jungfernrede des neugewählten Landeshauptmannes Josef Krainer, so ist das eine einzige Liebeserklärung an die Steirer und an die Steiermark, ein Versprechen, für sie zu arbeiten, und die Bitte, mit ihm zu gehen. Jeder Landeshauptmann beteuert, ein Landeshauptmann aller Landeskinder sein zu wollen, der steirische zelebriert das wie einen Schwur, den auch der Vater schon geleistet hatte. Originalton Krainer: „steirische Politik, steirisches Klima der Zusammenarbeit, steirische Eigenständigkeit.“


Wer erinnert sich nicht an die Rednergabe, mit der Landeshauptmann Dr. Josef Krainer
die Zuhörer von Kundgebungen immer wieder faszinierte. Foto: Krainer Archiv

Steirische Breite –
ein Slogan mit Breitenwirkung.
Karikatur Dieter Zehentmayr

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)