weiß-grünes mosaik
 
Prof. Dr. Gertraud Hopferwieser zur neuen Technik bei den Reisepässen
Mikrochip aus Graz und Gratkorn
 

Nimmt man eine Bankomatkarte zur Hand, so hat man eine Chipkarte vor sich, die über einen Datenspeicher mit Sicherheitsfunktion verfügt. Wenn man dann die Karte in ein Lesegerät schiebt, werden die verschlüsselten Daten über die typischen Goldkontakte durch einen Code freigegeben. Unter den Kontaktstellen liegt der eigentliche Chip, ein integrierter Schaltkreis in einem Halbleiterkristall, der wegen seiner Kleinheit auch Mikrochip genannt wird (chip: Splitter, Schnipsel).
Die kleinsten Chips haben etwa die Größe eines feinen Sandkorns. Bei einem RFID-Chip können die Daten über Radiowellen, also über Funk, kontaktlos gelesen werden (RFID: Radio Frequency Identification). Solch ein Mikrochip befindet sich im neuen österreichischen Reisepass.

Reisepass und Biometrie
Die Europäische Union hat für alle Mitgliedstaaten einheitliche Reisepässe vorgeschrieben mit biometrischen Merkmalen des Inhabers, die maschinenlesbar sein müssen. Biometrie dient zur Identifizierung von Menschen auf Grund ihrer individuellen Merkmale wie Gesicht, Fingerabdruck oder Iris. Vorläufig ist im Reisepass nur das Foto des Inhabers vorgesehen, einerseits als Bild gedruckt und andrerseits elektronisch gespeichert. Der Abdruck des rechten und linken Zeigefingers wird noch dazukommen.
Die Anforderungen an kontaktlose Chips sind hoch, soll doch eine weltweite Interoperabilität – ein neues Schlagwort – gegeben sein, das heißt, sowohl Chips als auch Lesegeräte müssen wechselweise für alle vorhandenen Produkte geeignet sein. Der Chip muss mechanische Belastungen, z. B. das Abstempeln im Reisepass, überstehen, er muss große Unterschiede in Temperatur und Luftfeuchtigkeit, etwa zwischen Ecuador und Sibirien, aushalten und er soll mindestens zehn Jahre, die Gültigkeitsdauer des Reisepasses, einwandfrei funktionieren.
Bei diesen extremen Anforderungen haben sich zwei steirische Unternehmen für Forschung und Entwicklung an die Spitze gesetzt: Philips in Gratkorn und Infineon in Graz. Rund 80 Prozent dieser Chips, die sich am Weltmarkt befinden, wurden in der Steiermark erdacht und entwickelt – ein beachtenswerter Erfolg. Die Produktion erfolgt übrigens in den Niederlanden oder in Singapur bzw. in Villach oder Dresden. Aber das ist noch nicht alles.
In manchen Ländern werden Personalausweise mit RFID-Chips ausgestattet, in Korea gelten sie auch als Monatskarte für Bus oder U-Bahn. Die Gepäcksortierung in Flughäfen und die elektronische Mautabrechnung gehören ebenso zu den Anwendungen wie die automatisierte Bibliothek. In der Wiener Hauptbücherei – und in einer Fachbücherei der TU Graz – wurden alle Medien mit einem elektronischen Etikett versehen. Die entlehnten Bücher oder Zeitschriften können von einem entsprechenden Lesegerät berührungslos und auch im Stapel registriert werden. Ein eigens entwickeltes RFID-Rückgabegerät ermöglicht eine Rückgabe auch außerhalb der Öffnungszeiten und steht etwa in einer nahe gelegenen U-Bahn-Station.
Bei der Verwaltung von Lagerbeständen im Lebensmittel- oder Textilbereich können ganze Paletten oder fertig gepackte Kisten in ihrer Gesamtheit inventarisiert werden. Ein Aspekt dabei ist auch der „Warenschwund“. Ein Kuriosum – der weltweit meistgestohlene Artikel ist angeblich der Gilette-Einmalrasierer.

Goldkontakte für eine Chipkarte

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)