weiß-grünes mosaik |
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| Prof. Kurt Jungwirth Das Wahlrecht ist ein Geschenk – Nichtwähler gefährden die Demokratie |
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| Stellt euch vor, es gibt Wahlen und niemand geht hin. Wär das nicht super? Es gäbe keinen dummen Wahlkampf, keine langen Diskussionen, man könnte den Sonntag, der kein Wahlsonntag ist, ungestört genießen. Billig wär das und ruhig. Und überhaupt, wir brauchen eh keine Politiker, wir schaffen die ganz einfach ab. So etwa denken die ärgsten Feinde der Demokratie, die Nichtwähler. Dächten alle wie sie, müssten wir Parlamente, Regierungen, Parteien abschaffen. Das Problem ist nur, dass Politik immer stattfinden muss, mit Politikern und ohne sie. Mit Politikern, das heißt mit wählbaren und wieder abwählbaren Personen, ist sie öffentlich kritisierbar und kontrollierbar. Ohne Politiker, also ohne wählbare und abwählbare Personen, ist sie anonym, geheim, unkontrolliert. Der beste Weg zur allmächtigen Diktatur. |
Wahlmüde Grazer Bei den vergangenen sieben Wahlen (Nationalrat, Landtag, Gemeinderat) waren die Nichtwähler viermal die „stimmstärkste Fraktion“, den absoluten Minusrekord gab es bei der Grazer Gemeinderatswahl 2003 mit 58,37 Prozent gültiger Stimmen. Von diesen im NOVA erschienenen Fakten ergeht die Forderung an alle Parteien, der Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit konstruktive Programme entgegenzusetzen. Die üblichen Schlammschlachten halten die Wähler ganz sicher vom Urnengang ab. |
1945: Wieder wählen zu dürfen Ich war damals noch nicht wahlberechtigt, aber ich erlebte die Freude vieler Österreicher, nach 1929 endlich wieder an einer freien Wahl teilnehmen zu dürfen. Nach Ende des Krieges im Herbst 1945 gab es allerdings noch heftige Diskussionen um den Wahltermin. Manche Vertreter der beiden Großparteien meinten, man solle warten, bis die vier Besatzungsmächte abgezogen sind. Dieser Meinung widersprach ÖVP-Obmann Leopold Figl auf das Schärfste. Seine Einschätzung, die werden mindestens zehn Jahre bleiben, hat sich bewahrheitet. So wurde am 25. November 1945 gewählt, die Beteiligung lag bei 93,2 Prozent. Die ÖVP erreichte 49,8 Prozent, die SPÖ 44,6, die KPÖ nur 5,4 Prozent. Bei der Wahl am 9. Oktober 1949 (siehe Wahlplakat) gab es mit 95,49 Prozent die höchste Beteiligung. Ein relativ gutes Resultat verzeichnete man bei der Nationalratswahl 2002 mit 77,2 Prozent. Wie es wohl am Abend des 1. Oktober 2006 aussehen wird? Max Mayr |
„Leopold Figl Alles für Österreich“, Wahlplakat 1949, Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek |
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