| Alles neu
Die Intendantin. Veronika Kaup-Hasler steht vor ihrer ersten Feuerprobe.
Das Logo. Der rote Stempel verweist auf die Dauer des Festivals.
Die Titelschrift im Programmheft. Sie ist unruhig und nicht immer gut lesbar. Englisch ist Trumpf, ohne Wörterbuch kommt man schwer weiter.
Das Festivalzentrum. Es heißt „Gutshaus Kranz“, leuchtende Glühbirnen weisen den Weg. Sehr oft ging es im Künstlerhaus schon herbstlich zu, 1967 hatten die Architekten Eilfried Huth und Günther Domenig die Anlage auf originelle Weise erweitert.
Die Camp-Show-Steiermark. Außergewöhnliche Oldtimer oder umgestaltete Wohnmobile fahren drei Wochen lang durch die Steiermark. Es wird gefilmt, fotografiert, irritiert und animiert.
Die Philosophie. „Der steirische herbst hat kein Thema, dem sich alle künstlerischen und theoretischen Aspekte unterzuordnen haben, stattdessen gibt es Leitmotive, rote Fäden, denen wir folgen und die sich hie und da verknoten.“ Intendantin Veronika Kaup-Hasler. |

Die neue herbst-Intendantin Veronika Kaup-Hasler ist auf diesen Seiten mit „Wer so weit umherschweift, braucht ein Zuhause...“ und mit „Ein besonderes Festival“ vertreten. Aus Platzgründen können wir leider nur Auszüge bringen.
Foto: J. J. Kucek |
 |
Ein besonderes Festival
Der steirische herbst ist ein besonderes Festival – in mancher Hinsicht: Durch seine Multidisziplinariät, durch seinen klaren Willen zur Zeitgenossenschaft, durch den intensiven Austausch zwischen künstlerischer Arbeit und ästhetischem Diskurs. Besonders – und in der internationalen kulturpolitischen Situation immer notwendiger – ist auch die eindeutige Positionierung als Festival der Produktion und der Prozesse, des Ermöglichens, des Initiierens.
2006 gibt es zahlreiche Arbeiten (egal, ob im Bereich des Theaters, der bildenden Kunst, der Musik oder der Literatur), die ohne den steirischen herbst nicht möglich wären und die anschließend weiter in Europa und darüber hinaus zu sehen sein werden. Dabei ist die Einbeziehung und Vernetzung sowohl internationaler wie regionaler Künstlerinnen und Künstler, Institutionen und Kontexte wesentlich.
Fremd- und Selbstkontrolle.
Die politischen, sozialen, aber auch ästhetischen Diskussionen unserer Zeit drehen sich immer wieder um Techniken der Fremd- und Selbstkontrolle, wie sie unser Leben und unsere Kunst in allen Bereichen prägen. Dem gegenüber stehen zuweilen utopische, zuweilen pragmatische Modelle der Kollaboration, der Teilhabe und der offenen Quellen. Fragen nach Kontrolle, Kollaboration und Open Source finden sich künstlerisch reflektiert vielfach im Festival wieder, nicht zuletzt in den herbst-Ausstellungen: So greift der Grazer Kunstverein vor allem mit Arbeiten jüngerer Künstler Aspekte „trauriger“ Sicherheit auf – einer Sicherheit, die einsam macht. Das Kunsthaus Graz versteckt sich hinter dem Anagramm Gutshaus Kranz und präsentiert mit „Protections“ eine Ausstellung, die keine Ausstellung ist – sondern sich ständig performativ verändert. Weitere Ausstellungen in der Camera Austria, in der Neuen Galerie, dem Forum Stadtpark, die ESC im Labor, dem Medienturm, dem Haus der Architektur, K.U.L.M und dem Pavelhaus runden das Bild mit sehr unterschiedlichen kuratorischen Herangehensweisen ab. Bemerkenswert und ungewöhnlich ist, dass der Großteil der gezeigten Arbeiten explizit für den steirischen herbst erst geschaffen wird.
Vernetzung der Künste
Lange bevor die Vernetzung der Künste in aller Munde war, integrierte der „steirische herbst“ Kunst, Musik, Performance, Tanz, Theater, Literatur, Architektur, Film, Neue Medien und Theorie – im Laufe der Jahre mit unterschiedlichen Schwerpunkten, immer aber aus den jeweiligen Bedingungen des Genres heraus. Diesem Aspekt trägt der „herbst“ heuer besonders Rechnung: Konzerte, die Installationen sind, Ausstellungen, die Performances sind, literarische Arbeiten, die aufführende Praxis sind.
Schwerefeld mit Luftabdrücken
Das Musikprotokoll für neue Musik gehört seit den Anfängen zum „steirischen herbst“: In diesem Jahr wurde es noch mehr ins Gesamtprogramm verwoben, auch mit Einflüssen anderer Medien. Gleich zu herbst-Beginn gibt es in der List-Halle Georg Nussbaumers eigenwillige Komposition und Installation „Schwerefeld mit Luftabdrücken“.
|

Für den Wanderzirkus herbst werden noch Oldtimer
und Wohnmobile gesucht.
Tel.: 0316/816070
www.steirischerherbst.at
Fotos: „steirischer herbst“
|
Wer so weit umherschweift, braucht ein Zuhause...
Nicht nur die Wohnwagen der Campshow kehren immer wieder zum Festivalzentrum zurück, das vom nordirischen Künstler Stephen Craigh gestaltet wird und das während des herbstes weit durch den Stadtpark leuchten wird. Das Festivalzentrum ist Kaffeehaus, herbstbar, Chatroom, Club und Lounge, Informations- und Vorverkaufsstelle. Akademie, Vortragssaal, Konzerthalle, Internetcafé und Ausstellungsraum. Hier flimmern die dokumentarischen Videobilder des „Praxiskop“ des Berliner Medienkünstlers Timm Ringewaldt, hier finden die künstlerischen Präsentationen der „open gates“ statt und die Konzerte u. a. des öffentlichkeitsscheuen Feuilletonlieblings Peter Licht („Lieder vom Ende des Kapitalismus“), hier kommen Künstler, Journalisten und Publikum zusammen, gibt es Feiern, Gespräche, Wein und was sich sonst noch so ergeben mag ... |
 |
| Die
vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen
berichte". (Bestellhinweise)
|