Kulturhauptstädte 2007 in Ost- und Westeuropa
Hermannstadt und Luxemburg

Hermannstadt, heute Sibiu, eine der schönsten mittelalterlichen Städte in Rumänien, lag über Jahrzehnte in einem Dornröschenschlaf. Dieser ist nun zu Ende, die Stadt machte sich schön, um dem Rang der Kulturhauptstadt 2007 würdig zu sein. Die Grazer Architekturprofessorin Dipl.-Ing. Dr. Anna M. Hohmann-Vogrin war mit Studenten vor Ort. Hier einige Eindrücke:
Das alte Hermannstadt ist ein für die europäische Stadt typisches, räumliches Gefüge von Straßen und Plätzen, das jeden Besucher ohne Mühe ins Zentrum leitet, zum Hauptplatz, der den Namen „Großer Ring“ trägt. Seit Ende des 12. Jh.s ist das Gebiet um Hermannstadt, Siebenbürgen, von Deutschen besiedelt. Im Laufe der Geschichte wurde die Stadt von den Tartaren zerstört und den Türken belagert. Ende des 17. Jh.s wird Hermannstadt ein Großfürstentum des Habsburgerreiches. Nach 1918 kommt es zur Vereinigung mit Rumänien. Während der kommunistischen Zeit hat ein gewisses Desinteresse die Altstadt geschützt.
Das Zentrum wurde im Hinblick auf die Kulturhauptstadt, von hohen Qualitätsansprüchen geleitet, umfassend renoviert. Baudenkmäler beeindrucken in frischer Schönheit. Der Straßenraum gewinnt durch restaurierte Arkaden, große Bereiche werden gepflastert oder mit Steinbelägen versehen und wiederum den Fußgängern gewidmet.

Die europäische Kulturhauptstadt Luxemburg besticht vor allem dadurch, dass sie sich durch freundschaftliche Grenzüberschreitung als Großregion – mit dem Großherzogtum Luxemburg, der Region Vallone (Belgien), Rheinland-Pfalz und Saarland, Deutschland, sowie Lorraine (Frankreich) – darbietet. Eine einmalige politische Leistung, die auch als Vorbild für die Region Adria-Alpe- Pannonia dient. Die Stadt Luxemburg bietet im Kulturstadtjahr ein umfangreiches Programm: Theater, Tanz, Kunst, Kulturerbe, Film, Fotografie, Literatur und Musik. Die von Christian de Portzamparc geplante Philharmonie, die im Juni 2005 eröffnet wurde, ist ein architektonischer Blickfang und wirkt im Innern wie ein großes Musikinstrument.
Seit 1998, als ein internationales Symposium zur Rettung der Hermannstädter Altstadt vor Ort abgehalten wurde, gibt es erfolgreiche Kontakte zwischen den Kulturhauptstädten. Bei den Diskussionen um die Renovierung des kleinen Ringes und des roten Hauses entstand die Idee, in dem damals ziemlich verfallenen Gebäude ein luxemburgisches Kulturzentrum einzurichten. Dieses Luxemburghaus wurde durch die Unterstützung des Großherzogtums saniert. Es enthält Gästezimmer, das Touristen- Infocenter, Cafés und das Honorarkonsulat des Großherzogtums. In Anlehnung an den berühmten Wenzelsweg in Luxemburg entstand der „ Hermannstädter Kulturweg“, für den sich der langjährige Staatskonservator von Luxemburg, Dr. Georges Calteux, immer wieder einsetzt. Beim Rundgang von etwa 80 Minuten erfährt der Betrachter das Wichtigste über die Baudenkmäler.

Hermannstadt:
Revitalisierung überall.
Foto: Privatarchiv

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