Österreichisches Kulturforum London: Die Steiermark ist gut vertreten

Treff für Künstler, Schriftsteller, Wissenschafter

Das Österreichische Kulturforum London wurde 1956 vom damaligen Unterrichtsminister Heinrich Drimmel eröffnet, und zwar als Österreichisches Kulturinstitut in London/ Austrian Institute. Untergebracht wurde die österreichische Kulturvertretung in einem eleganten viktorianischen Townhouse, das die Bundesregierung 1955 im Stadtteil Knightsbridge erworben hat und vom jungen Architekten Carl Auböck in modernstem Stil hatte renovieren lassen.
Zentrum für Emigranten
Diese beträchtliche Investition verweist auf die Bedeutung, die der kulturellen Außenvertretung in London von der erst unabhängig gewordenen Republik beigemessen wurde. Die Stellung Großbritanniens als Signatarmacht des Staatsvertrags mag hier eine Rolle gespielt haben. Noch wesentlicher könnte der Umstand gewesen sein, dass London von 1938 an zu einem der Zentren der österreichischen Emigration geworden war und unter diesen wohl das kulturell aktivste. Unter den etwa 27.000 Österreicherinnen und Österreichern, die zum Teil schon seit 1934, vor allem aber nach dem „Anschluss“ an Nazi-Deutschland nach Großbritannien flohen, waren etwa 2000 prominente KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und Intellektuelle wie Elias Canetti, Sigmund Freud, Erich Fried, Marie Jahoda, Oskar Kokoschka, Hilde Spiel, Richard Tauber und Egon Wellesz.
Unter denjenigen, die in London blieben, kamen viele seit 1956 nicht nur als Gäste ins Österreichische Kulturinstitut, sondern trugen aktiv zu dessen Programm bei. Zugleich bot das Kultur- institut seit jeher Auftrittsmöglichkeiten für junge Künstler, so gaben Alfred Brendel (1958) und Rudolf Buchbinder (1961) hier ihre ersten Londoner Konzerte.

Eine lange Liste
Eine Liste der KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen, die in den 51 Jahren seines Bestehens im Kulturforum London Station machten, kann in diesem Beitrag nicht einmal auszugsweise wiedergegeben werden. Ich springe daher direkt ins Jahr 2007, um ein paar Beispiele unserer Arbeit zu geben. Die Saison wurde mit einem Sonderprogramm für den Fotografen und Kameramann Wolf Suschitzky eröffnet, der heuer seinen 95. Geburtstag feiert. Suschitzky, aus einer sozialdemokratischen jüdischen Familie stammend, kam 1935 nach London und lebt seither hier.
Im Literaturprogramm lasen in den ersten Wochen des Jahres Franzobel und Eva Menasse aus ihren Büchern. In ein paar Wochen wird Alfred Kolleritsch auf Besuch kommen, um an der Präsentation der ersten englischen Übersetzung einer Auswahl seiner Gedichte teilzunehmen. Am gleichen Abend wird eine Ausstellung mit Werken des 1997 in Graz verstorbenen Malers Hartmut Urban eröffnet werden.

Dr. Johannes Wimmer, geboren 1961 in Graz, wurde im September 2004 mit der Leitung des Österreichischen Kulturforums London betraut. Seit 1991 im Außenministerium, war er zuvor an den Botschaften Damaskus und New Delhi sowie an der Ständigen Vertretung Österreichs in New York tätig. Vor seiner Berufung nach London war er von 2000 bis 2004 stellvertretender Leiter der Abteilung für Vereinte Nationen im Außenministerium in Wien. Wir haben den Direktor des Kulturforums in London gebeten, die Perspektiven seiner vielfältigen Arbeit aufzuzeigen, wir danken ihm für seine rasche Reaktion.

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)