Interview mit Landesrätin Dr. Bettina Vollath

Bildungspolitik auf dem Prüfstand

steirische berichte“: Sie hielten kürzlich ein Plädoyer für das Bildungsland Steiermark. Wie begründen Sie diese hohe Anerkennung?

Bildungslandesrätin Bettina Vollath: Wir haben in der Steiermark ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot: von den Kinderbetreuungs- und -bildungseinrichtungen über das Pflichtschulwesen, die Gymnasien, die land- und forstwirtschaftlichen Schulen, die Berufsschulen über die FH Joanneum bis hin zu den Universitäten. Wir dürfen also durchaus stolz sein auf unsere Bildungseinrichtungen. Ich sage aber auch deutlich, unser Bestreben muss stets auf Qualitätssicherung und Qualitätsoptimierung des Bildungsangebotes gerichtet sein.

„steirische berichte“: Das heißeste Eisen der auf dem Prüfstand stehenden Bildungspolitik ist die Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen. Sie haben sich bereits kurz nach der Übernahme Ihres Ressorts in der Landesregierung ab Oktober 2005 ganz massiv für dieses Modell ausgesprochen. Wo sehen Sie die Vorteile?

LR Bettina Vollath: Die Gemeinsame Schule ist der einzig gehbare Weg für die Zukunft. Selbst eine von der EU-Kommission beauftragte Studie hat deutliche Vorteile von Ländern mit Gesamtschule ausgewiesen. Die Studie empfiehlt Österreich, das Schulsystem stärker in Richtung gesamtschulartiger Modelle zu entwickeln, und belegt, dass die schwachen SchülerInnen weiter auf dem Bildungsweg mitgenommen werden können, aber auch die starken SchülerInnen können in einem solchen System ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden. Die Gemeinsame Schule wird ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Bildung, für Chancengleichheit und zur Steigerung und Sicherung der pädagogischen Qualität in der Steiermark sein.

„steirische berichte“: In jüngster Zeit wendete sich das Blatt, nachdem sich Hermann Schützenhöfer mutig und konsequent gegen die Haltung der Bundes-ÖVP ausgesprochen hat und Landeshauptmann Mag. Franz Voves mit Landeshauptmannstellvertreter Schützenhöfer eine Phalanx bildet. Wie stehen die Chancen für die Modellversuche in Voitsberg und Graz?

LR Bettina Vollath: Mein Credo war und ist es, die Bildung muss endlich frei von ideologischen Schranken betrachtet werden. Die Steiermark nimmt mit diesem überparteilichen Bekenntnis zur Gemeinsamen Schule in Österreich eine Vorreiterrolle ein – es ist schön, dass wir endlich auch die steirische ÖVP für unsere Idee der Gemeinsamen Schule gewinnen konnten. Als steirische Bildungslandesrätin bin ich über diese Entwicklung hocherfreut, denn nur so können wir den Reformstau im Bildungssystem lösen, ich habe das Gefühl, es bewegt sich endlich etwas. Landeshauptmann Franz Voves und ich sind in gutem Kontakt mit Ministerin Claudia Schmid und ich bin zuversichtlich, dass wir in der Steiermark im Schuljahr 2008/2009 mit den drei Modellregionen – Graz, Voitsberg und Birkfeld – starten können.

„steirische berichte“: Unterrichtsministerin Dr. Claudia Schmied wirbt mit 4000 Briefen an die Lehrerschaft für die Gesamtschule, die sie nun „Neue Mittelschule“ nennt. Wie beurteilen Sie das Neben­einander von zwei Begriffen für eine Sache?

LR Bettina Vollath: Mir geht es um die Sache, mir geht es um die Zukunft unserer Kinder. Sie sollen die bestmöglichen Bildungschancen vorfinden. Begriffe sind dabei meines Erachtens nebensächlich und sollen einem guten Verlauf der Schulreform nicht im Weg stehen.

„steirische berichte“: Ein hartes Ringen gab es um die Verringerung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25. Sie sind am Erfolg maßgeblich beteiligt. Lässt sich das Ziel schon mit Beginn des neuen Schuljahres erreichen?

LR Bettina Vollath: Ich bin stolz, dass uns dieser längst fällige Schritt für die Steiermark gelungen ist. Bereits ab dem Schuljahr 2007/2008 wird die KlassenschülerInnenhöchstzahl für die 1., 5. und 9. Schulstufe auf 25 gesenkt.

„steirische berichte“: Die Kulturnation Österreich bezieht ihr Image in hohem Maße von der Qualität musikalischer Ereignisse. Die steirischen Musikschulen gehören zu Ihren Herzensanliegen. Wie sieht deren Zukunft aus?

LR Bettina Vollath: Mir liegt das steirische Musikschulwesen ganz besonders am Herzen, mir ist der pädagogische Wert der Musik bewusst. Daher habe ich durchgesetzt, dass es im steirischen Musikschulwesen nun erstmalig sozial gestaffelte Elternbeiträge an den öffentlichen Musikschulen gibt, so dass eine bis zu 50-prozentige finanzielle Erleichterung möglich wird. Die steirischen Musikschulen haben 280 Stunden mehr bekommen, das bedeutet, dass um rund 420 SchülerInnen mehr in den Genuss des Unterrichts an einer der hervorragenden öffentlichen Schulen kommen. Überdies werden wir in Kalsdorf die 48. Musikschule eröffnen und setzen so einen weiteren Schritt in Richtung flächendeckender Versorgung von leistbarem Musikunterricht.

LR Dr. Bettina Vollath

Landesrätin Dr. Bettina Vollath sprach beim Fest „50 plus 1“ über „Bildung als Chance“.

Foto: Gernot Muhr

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