Interview mit DI Hartmut Heidinger über die zwei wichtigen Aufgaben des Alpenvereines |
| Infrastruktur und alpine Ausbildung
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„steirische berichte“: „Wanderbar – wunderbar“, ein Titel, der für den Alpenverein ja einen programmatischen Slogan bedeuten muss.
Hartmut Heidinger: Keine Frage, der Alpenverein als größter Bergsportverein hat Wandern ja seit jeher zu seiner zentralen Aufgabe gemacht. Natürlich stehen nach wie vor die alpinen und bergsportlichen Aktivitäten ganz weit vorne. Aber wir haben mit unseren der-zeit 345.000 Mitgliedern österreichweit und 22.000 aktiven Mitarbeitern die Infrastruktur geschaffen, die das Wandern – vor allem im alpinen Bereich – in der Form überhaupt erst ermöglicht.
„steirische berichte“: Infrastruktur heißt vor allem Hütten und Wege.
Hartmut Heidinger: Der Oesterreichische Alpenverein betreut 241 Hütten mit zirka 14.000 Schlafplätzen und ist da-mit der größte Beherbergungsbetrieb in Österreich. Mit zirka 40.000 km markierten Wanderwegen bieten wir auch für weniger geübte Wanderer hohe Sicherheit bei dieser immer beliebter werden-den Sportart – ja, ich würde Wandern absolut als Sportart bezeichnen. Wandern ist ja von Österreichs Fremdenverkehrswerbung ein sehr erfolgreiches Angebot – ja, ich möchte fast sagen das Incentive, mit dem Gäste nach Österreich geholt werden. Je mehr Wanderer Österreich besuchen, desto wichtiger sind aber auch alle Maßnahmen zur Sicherheit und zur sanften Lenkung der Ströme, um zu große Belastungen einzelner oft sehr sensibler Naturzonen zu verhindern. Was Letzteres betrifft, sind Markierungen das zentrale Lenkungsinstrument zusammen mit Wanderführern, die der OEAV auch anbietet. Auch bezüglich Sicherheit bringen die Wege einen großen Gewinn. Jeder, der schon einmal Nebel im Gebirge erlebt hat, wird mir das bestätigen. Aber auch die Hütten als Stützpunkte für Unterstand, Information und im schlimmsten Fall Erste Hilfe sind ganz wichtige Teile dieser Sicherheitskette. Von vielen noch ein bisschen unterschätzt ist aber die alpine Ausbildung.
„steirische berichte“: Mit „alpiner Ausbildung“ verbinden viele Anseilen, Klettern, Gehen mit Steigeisen, Umgang mit Pickel und Seil usw. Für einen Durchschnittswanderer wohl nicht unbedingt erforderlich.
Hartmut Heidinger: Alpine Ausbildung beginnt bei Information über die richtige Ausrüstung, aber auch Wetterkunde, Tourenplanung, Kartenlesen, Orientieren, Infos über wichtige Informationsquellen wie Wetterdienste und Ähnliches – also die so genannten „soft skills“.
„steirische berichte“: Wie soll ein Tourist, der nur wenige Tage in Österreich ist, eine solche Ausbildung machen?
Hartmut Heidinger: Wichtig ist, dass jeder seinem Wissen und Können entsprechend unterwegs ist. Aber wie sagt man so schön: Mit dem Essen kommt der Appetit. Nach den ersten Wanderungen im Tal reizt der Weg zum Gipfel. Ich empfehle für diesen Schritt entweder einen ausgebildeten Führer heranzuziehen oder sozusagen als Aktivurlaub einen alpinen Ausbildungskurs mitzumachen. Die Kurse bieten ja durchaus auch schöne Wandererlebnisse.
„steirische berichte“: Zurück zur Infrastruktur, die der Alpenverein aufrechterhält. Das ist ja ein schönes Stück Arbeit. Wie bewältigt der Verein das?
Hartmut Heidinger: Die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter investieren hunderte von Stunden in diese Arbeit. Zum Beispiel beim Markieren. Aber auch die Pflege der Wege oder die Reparatur von Umweltschäden sind wichtige Aufgaben. Wir haben mit den Umweltbaustellen ein Instrument geschaffen, mit dem uns auf einwöchigen Lagern die Jugend massiv dabei unterstützt. Aber natürlich kosten die Maßnahmen – vor allem auch die Hüttenerhaltung und Sanierung – viel Geld. Die Alpenvereinssektionen, die diese Hütten besitzen, leiden massiv darunter. Der OEAV Sektion Graz gehören neun Hütten. Ohne Förderungen ist das nicht zu bewältigen. Aber selbst damit stoßen wir an unsere finanziellen Grenzen. Wir würden uns wünschen, dass neben der Stmk. Landesregierung, von der wir Förderungen erhalten, auch die Fremdenverkehrswirtschaft, die ja massiv davon profitiert, uns hier stärker unterstützt. Wir wollen ja alle, dass unser „wunderbares – wanderbares“ Land noch vielen Generationen Freude macht. |

DI Hartmut Heidinger, 1. Vorsitzender der OEAV Sektion Graz – St.G.V.
Foto: OEAV
 Stubenberghaus
Foto: OEAV |
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