25 Jahre Steirische Naturparke

Jubiläumsstimmung herrscht 2008 bei den Steirischen Naturparken. Vor 25 Jahren wurden in der Steiermark die ersten Naturparke gegründet. Mit Stolz präsentieren die mittlerweile sieben Naturparkregionen der Steiermark ihr umfassendes Aufgabengebiet.

Verführung im Grünen
Die sieben Steirischen Naturparke Almenland, Eisenwurzen, Mürzer Oberland, Pöllauer Tal, Sölktäler, Südsteirisches Weinland und Zirbitzkogel-Grebenzen repräsentieren die schönsten Kulturlandschaften in der Steiermark. Sie sind „natürliche Erlebniswelten“ von hohem ökologischen Wert und bieten für die Bevölkerung und ihre Gäste ein breit gefächertes Angebot. Grundaufgaben wie Naturschutz, Erholung, Bildung und Regionalentwicklung im gleichrangigen Nebeneinander machen die Naturparke zu Vorbildlandschaften mit nachhaltiger Wirkung. In den Naturparken wird fühlbar, wie wertvoll und erlebnisreich das bewusste Miteinander von Mensch und Natur ist. Diese steirischen Modellregionen wurden vom Land Steiermark unter besonderen Schutz gestellt und mit dem Prädikat „Naturpark“ ausgezeichnet.

Naturpark.Erlebnis.Steiermark
Um effizienter die gemeinsamen Aufgaben der Steirischen Naturparke bearbeiten zu können, wurde in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachabteilungen der Steiermärkischen Landesregierung die ARGE „Naturpark.Erlebnis.Steiermark“ gegründet. Sie ist eine Kompetenzplattform für die koordinierte Entwicklung der sieben steirischen Naturparkregionen (Naturparkvereine und Tourismusverbände) und hat die gemeinsame Positionierung, Angebotentwicklung und Vermarktung sowie den Aufbau eines strategischen Netzwerkes zu Förderstellen und Wirtschaftspartnern zum Ziel.

„G’sundes Land –g’sunde Leut’, g’sunde Leut’ – g’sundes Land“
Seit einigen Monaten arbeiten die sieben Naturparkregionen intensiv an der inhaltlichen Ausrichtung. Unter dem Titel „Blühende Gesundheit“ steht in Zukunft in den Steirischen Naturparken die Natur als Lebensquelle in ihrer gesamten Wahrnehmbarkeit und mit ihren heilenden Wirkstoffen und Kräften im Zusammenwirken mit dem Menschen im Zentrum. Eine zeitgemäße Naturschutzarbeit steht im Interesse der Gesundheit des Menschen und stellt ein nicht zu unterschätzendes touristisches Merkmal dar.
„Blühende Gesundheit“ ist ein transregionales LEADER-Projekt und wurde mit einem Gesamtbudget von zirka 1 Million Euro ausgestattet.

Naturpark:Leben blühen lassen
Andrea Adler-König, Expertin für nachhaltiges Tourismus-Marketing, Bernhard Stejskal, Projektmanagement „Naturpark.Erlebnis.Steiermark“, und Mark Ressel, Biologe und Geschäftsführer des Vereines Naturpark Sölktäler, geben Einblick in diesen Prozess:

Warum wollen sich die Steirischen Naturparke über Gesundheit positionieren?
Bernhard Stejskal: Die Natur ist die Basis unseres Lebens. Die Landschaft ist mit ihren Kräften und Energien Basis unserer Gesundheit. In den Naturparkregionen machen wir bewusst, dass wir eigentlich alles von diesen Landschaften haben können. Wir meinen hier nicht die medizinische Infrastruktur, sondern all jene Werte, die die Natur uns bietet: die beglückende Landschaft, gesunde Nahrung und Produkte, Möglichkeiten an Bewegung in besonderen Naturräumen, gesundes Wohnen, soziale Eingebundenheit, Menschen mit ganzheitlichen Gesundheitskenntnissen. Wenn eine Region das lebt (und das ist unsere Herausforderung), dann kann es auch dem Gast nur mehr gut gehen.
Andrea Adler-König: Die Menschen sehnen sich nach Entschleunigung und Vereinfachung des Lebens. Die künstlichen Wellness-Welten enttäuschen. Es steigt das Bewusstsein, dass Entspannung auch direkt in der unmittelbaren Umgebung beginnen kann. Bewusstes Wahrnehmen und überlegtes Nutzen der Naturschätze, in der Natur sein, sich als Teil der Schöpfung zu spüren … – all das beinhaltet der weiter gefasste Begriff von Gesundheit und Wohlbefinden.
Mark Ressel: Die Natur ist bei uns nicht eine behübschende Kulisse, die durch spektakuläre Inszenierung vermittelt wird. Wertvolle Lebensräume – das ist die Qualität der Steirischen Naturparke.

Wie wird die Positionierung „Blühende Gesundheit“ umgesetzt?
Mark Ressel: Die vollen Entwicklungschancen eines Naturparks müssen allen Bewohnern klargemacht werden. Zum Beispiel muss der Wirt den Naturpark leben, dann kann der Naturpark auch vom Gast getrunken, gegessen, geschmeckt und somit gespürt werden.
Andrea Adler-König: Ich glaube, man wird diesen Bewusstseinsprozessen viel Zeit einräumen. Bewährte Aktionen wie Schulprogramme, Trainings und Exkursionen für Landwirte und Gastgeber gewinnen mit dem Fokus Gesundheit. Wenn die gesamte Bevölkerung das Bewusstsein erlangt „Naturpark tut MIR gut“, dann wird jeder mit Überzeugung die Idee nach außen tragen.
Warum ist eine inhaltliche Positionierung überhaupt so wichtig?
Andrea Adler-König: Die Gäste spüren, dass die Bewohner bewusst aus den Ressourcen der Kulturlandschaft Kraft ziehen. Sie kommen dann gerne in die Naturparke, um ihre eigenen Sehnsüchte zu stillen. Dafür sorgt dann Mundpropaganda, die eher von Herz zu Herz als verstandesmäßig wirkt. Konventionelle Werbung könnte dabei sogar abträglich sein.
Mark Ressel: Das gelungene Zusammenleben von Landwirtschaft und Naturschutz ist das Fundament dieser Positionierung. Die Mitsprache der Bauern einerseits und das Verständnis der Naturschützer für landwirtschaftliche Prozesse andererseits ist die Gesprächsbasis. Wenn allen Partnern klar ist, worum es geht, wofür der Naturpark steht, dann ist das der Beginn des Erfolgs. Das Prädikat Naturpark allein ist zu wenig.
Bernhard Stejskal: Genau! Ohne inhaltliche Positionierung verkommt das Prädikat „Naturpark“ zum Feigenblatt. Die Grundidee der Naturparke, dieses bewusste, verantwortungsvolle Miteinander von Mensch und Natur, birgt einen unglaublichen Schatz für die Zukunft. Ohne Positionierung werden Naturparke keine Kraft und Vorbildwirkung erzielen können. Dann fehlt auch die Identifikationsmöglichkeit intern, aber auch nach außen.

Naturschutz ist weiterhin Leitthema im Naturpark?
Bernhard Stejskal: Natürlich. Die Natur kann mit Veränderungen umgehen, aber für uns Menschen wird es eng, wenn wir unseren Lebensraum nicht schützen. Emotionale Bereitschaft und Eigenverantwortlichkeit wollen wir für den Naturschutz wecken. Naturschutz ist für uns auch Gesundheitsschutz.

Das Gespräch führte Monika Jerolitsch.

Wasser und Geologie sind die großen Themen im Naturpark Steirische Eisenwurzen. 2004 zeichnete die UNESCO die umfangreichen Geologieangebote als Global Geopark aus.
Foto: Naturpark Steirische Eisenwurzen

Der Naturpark Pöllauer Tal wurde zusammen mit den Naturparken Sölktäler und Zirbitzkogel-Grebenzen vor 25 Jahren vom Land Steiermark prädikatisiert. Mit viel Geschick und traditionellem Wissen verarbeiten die Bauern die Birne zu gesunden Köstlichkeiten: Hirschbirnensaft, Edelbränden, Essig, Marmeladen oder zu vitaminreichen Kletzen.
Foto: TVB Naturpark Pöllauer Tal

Zum Jubiläum ein Fest: „Naturpark-Brunch“ in Graz
Viel politische und gesellschaftliche Prominenz hat sich bereits im Vorfeld zum Mitfeiern angekündigt.
1982/83 wurden die ersten Naturparke (Pöllauer Tal, Zirbitzkogel-Grebenzen, Sölktäler) in der Steiermark gegründet. Das ist Grund für ein umfangreiches Jubiläumsprogramm in diesem Jahr. Tagungen, Symposien, Festveranstaltungen und Wettbewerbe sind die Höhepunkte auf regionaler Ebene.
Als zentrale Landesveranstaltung im Jubiläumsjahr in Graz wird am Sonntag, 29. Juni 2008 der „Naturpark-Brunch“ am idyllischen Hilmteich inszeniert. Hier präsentieren die Steirischen Naturparke für die Grazer Bevölkerung im passenden Rahmen ein buntes Programm zwischen vielseitiger Musik (z. B. Aniada a Noar, Stoakogler, Sängerrunde Pöllau u. v. a.), Kleinkunst, Naturparkspezialitäten, Podiumsdiskussionen, Präsentation von Urlaubsangeboten, Landschaftsspielen, Baumkronen-Kino, Mikroskopierstationen für Kinder …

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellhinweise)