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Feierliche Stimmung in der Aula der Alten Universität.Von links stehend: Landeshauptmann-Vize Hermann Schützenhöfer, DI Herbert Willmann, DI Dr. Michael Donoser, Mag. Dr. Thomas Penz, Univ.-Doz. Dr. Peter Fickert, Univ.-Doz. Dr. Ernst Kozeschnik, LAbg. Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, Obmann des Steirischen Gedenkwerkes, und Landeshauptmann a. d. Dr. Josef Krainer. Sitzend von links: Superior Pater Mag. Karl Schauer, Christine Brunnsteiner, Univ.-Prof. Dr. Ulrike Leopold-Wildburger und General a. D. Karl Majcen.
Foto: Fischer |

Da Generalanwalt Dr. Christian Konrad verhindert war, an der Verleihung der Krainer-Preise in Graz teilzunehmen, wurde ihm die Auszeichnung einige Tage nach dem allgemeinen Festakt in Wien von Landeshauptmann-Vize Hermann Schützenhöfer überreicht.
Unser Foto: Landeshauptmann-Vize Her-mann Schützenhöfer mit Generalanwalt Christian Konrad.
Foto: RLB NÖ-Wien |
In der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula der Alten Universität wurden die heurigen Josef-Krainer-Preise 2008 übergeben.
Diese Preise tragen den Namen des unvergessenen steirischen Landeshauptmannes Josef Krainer senior. Er stand zur Tradition, bahnte aber auch der Erneuerung und dem Unkonventionellen den Weg. In seiner Gabe, Orientierung zu geben und zugleich offen und klar zu sein, ist er auch heute noch Vorbild.
Die Förderpreise sollen junge und viel versprechende Talente ermuntern
Ein Quadratzentimeter Papier besteht aus zehntausenden von Einzelfasern und mehreren Millionen von Pigmentteilen. Dass die Steiermark in der Papiererzeugung im internationalen Wettbewerb besteht, verdankt sie innovativen Köpfen. Dazu gehört DI Dr. Michael Donoser. Seine Forschungen verbesserten das Grundlagenwissen über Papier entscheidend. Die von ihm entwickelten Bildverarbeitungsalgorithmen werden bereits mit Erfolg von der Industrie eingesetzt.
Die Messverfahren werden immer exakter. DI Dr. Werner Lienhart entwickelte eine neue Auswertmethode für Überwachungsmessungen. Diese erlaubt die Trennung von Deformationen eines Bauwerkes auf Grund unterschiedlicher Ursachen. Dies ermöglicht die Beurteilung des Gesundheitszustandes eines Bauwerkes und damit können Rückschlüsse auf die Sicherheit gezogen werden. Lienharts Methode wurde bereits erfolgreich zur Auswertung von Überwachungsdaten einer neuartigen Hangbrückenkonstruktion zur Verbreiterung von alpinen Straßen angewendet. Die weltweit erste Realisierung dieser Konstruktion erfolgte auf der Landesstraße von Schladming in die Ramsau.
Die Beschäftigung mit dem Weltraum hat in Graz eine lange Tradition. Hier war vor 1600 Johannes Kepler tätig. Aber auch in der Gegenwart hat Graz kluge Köpfe zu bieten, die über den Tellerrand, ja sogar bis in das Universum sehen. Dazu zählt Mag. Dr. Thomas Penz. Er befasst sich mit plasma-physikalischen Prozessen im erdnahen Weltraum. Er analysierte dabei Daten der Raumsonden Cluster, die Magnetfeld- und Plasmaparameter messen. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit der Evolution planetarer Atmosphären, vor allem von Venus, Mars und Titan, und deren Wechselwirkung mit dem Sonnenwindplasma. Das langfristige Ziel dieser Arbeit stellt die Charakterisierung und Entdeckung von bewohnbaren Exoplaneten sowie von Leben auf solchen Planeten dar.
Der vierte Josef-Krainer-Förderungspreis ging an DI Dr. Herbert Willmann. Er beschäftigt sich mit Schutzschichten für Werkzeuge, die für Hochleistungsbearbeitungen verwendet werden. Die dabei eingesetzten Bohrer werden nicht nur mechanisch, sondern auch thermisch sehr hoch belastet. Für den Schutz dieser Werkzeuge wird eine dreitausendstel Millimeter dicke Schutzschicht aufgebracht, die den Einsatz unter diesen rauen Bedingungen ermöglicht und die Einsatzdauer verlängert. Willmann untersuchte daher verschiedene Schichten, die aus den Elementen Chrom, Aluminium und Stickstoff bestehen. Durch Variation des Mischungsverhältnisses von Chrom und Aluminium konnte eine Schicht entwickelt werden, deren Härte bis über 1000 °C konstant bleibt. Durch diese Untersuchungen war es möglich, einen weiteren Zusammensetzungsbereich zu finden, bei dem sich das Schichtmaterial selbstständig an unterschiedliche Temperaturen anpasst.
Die Josef-Krainer-Würdigungspreisewerden an bereits arrivierte Wissenschafter vergeben
Als Arzt kann man Kranken durch unmittelbare medizinische Betreuung und menschliche Zuwendung am Krankenbett oder auch durch Forschung helfen, die dazu beiträgt, das Wissen über Krankheiten zu vermehren. Univ.-Doz. Oberarzt Dr. Peter Fickert versteht es, beides in idealer Weise umzusetzen.
In seiner Forschung sucht er Klarheit über die Entstehungsgründe chronisch-entzündlicher Gallenwegserkrankungen. In der Forschungsgruppe unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner verfolgte er einen translationalen Ansatz, in dem Fragestellungen am Krankenbett entwickelt, geeignete Tier-modelle charakterisiert und entwickelt und schließlich neue Therapieansätze getestet werden. Diese Bemühungen haben zur Patentierung einer neuen Substanz zur Therapie von Gallenwegserkrankungen geführt. Dieses Patent wurde von der Universität an ein Pharmaunternehmen weitergegeben, erste klinische Studien sind in Planung. Er zeigt auch, dass er imstande ist, seine ärztlichen Erfahrungen am Krankenbett umzusetzen und daraus Nutzen für die Patienten zu ziehen.
Wer Autos bauen will, braucht gute Werkstoffe, er muss aber auch wissen, wie diese miteinander verbunden werden können. Dafür ist „Join“ ein guter Ausdruck. Große Leistungen erbringt hier das Institut für Werkstoffkunde und Schweißtechnik unter Prof. Cerjak. Dieses Institut bringt hervorragende Forscher hervor. Dazu gehört Univ.-Doz. DI Dr. Ernst Kozeschnik.
Er beschäftigt sich mit der theoretischen Beschreibung der Wanderung von Phasengrenzen in Vielkomponenten-Werkstoffen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten flossen in die thermo-kinetische Soft-ware „MatCalc“. Dann wurden die theoretischen Modelle, die in dieser Soft-ware implementiert sind, konsequent weiterentwickelt. Die von Kozeschnik gestaltete Software wird heute in zahlreichen internationalen und nationalen Forschungsprojekten erfolgreich eingesetzt.
Die Großen Josef-Krainer-Preise werden für außergewöhnliche Leistungen vergeben
Es ist etwas Besonderes, wenn Menschen die sie treffenden Schicksalsschläge mit Gelassenheit hinnehmen und diese meistern. Es ist aber etwas Hervorragendes, wenn dann aus der eigenen Betroffenheit die Verantwortung wahrgenommen wird, die Erfahrungen weiterzugeben und anderen zu helfen. Wenn man im öffentlichen Leben steht und in tausenden von Wohnzimmern zu Gast ist, weil man am Bildschirm ständig präsent ist, hat dies eine besondere Wirkung: Christine Brunnsteiner, eine Frau, die Mut macht.
Sie ist seit vielen Jahren beim ORF als Sprecherin und Moderatorin tätig, soz. B. bei „Steiermark – heute“. Seit einer Brustkrebserkrankung ist sie mit Vorträgen und Lesungen unterwegs, sie ist auch als Autorin tätig und befasst sich intensiv mit den Fragen des Älterwerdens. Sie sieht es als ihr ganz persönliches Ziel, die Steiermark zu einem Vorzeigeland im Miteinander der Generationen zu machen. Christine Brunnsteiner versucht ihre Position als „öffentliche Frau“ dafür zu nutzen, so wie sie sich auch sehr gerne in den Dienst verschiedener Organisationen stellt, die in ihrer Arbeit Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen begleiten und betreuen (Selbsthilfe, Hospiz usw.).
Die Basilika von Mariazell ist seit 850 Jahren ein magnetischer Kraftort der Wallfahrt und des Glaubens.
Das Spirituelle und der Glaube brauchen konkrete irdische Zeichen.
Beherzte Persönlichkeiten haben der Öffentlichkeit bewusst gemacht, dass man etwas unternehmen muss, um Mariazell wieder im Glanz erstrahlen zu lassen. Ihr Engagement hat mitgerissen und eine Flut der Hilfsbereitschaft ausgelöst.
Superior Pater Karl Schauer trat 1976 in die Benediktinerabtei Sankt Lambrecht, der Mutterabtei von Mariazell, ein. Er war Hochschulseelsorger in Graz, als ihn 1992 der Ruf nach Mariazell ereilte. Sein Amt als Superior trat er quasi auf einer Baustelle an. „Wie ich nach Mariazell gekommen bin, war der Mittelturm bereits eingerüstet. Ich habe nur weitermachen können, ohne zu wissen, was da eigentlich auf mich zukommt“, erinnerte sich der Pater. Jetzt strahlt die Basilika in neuem Glanz. Fast 30 Millionen Euro konnten für die Renovierung aufgebracht werden – dazu trug die Spendenbereitschaft in ganz Österreich bei.
Pater Schauer ist nicht nur ein hervorragender Seelsorger, dem das Spirituelle die zentrale Lebensaufgabe ist, er ist auch ein ausgezeichneter Manager, der im Leben steht und dem es in grandioser Weise gelungen ist, für das Anliegen Mariazell zu werben und viele prominente Mitstreiter zu gewinnen.
Generalanwalt Ökonomierat Dr. Christian Konrad ist ein erfolgreicher Spitzenmanager bei Raiffeisen. Er animierte viele österreichische Unternehmen, die Bemühungen des Kuratoriums „Mariazell braucht Ihre Hilfe“ tatkräftig zu unterstützen. Neben dieser Hilfe trug die eindrucksvolle Spendenbereitschaft dazu bei, dass die Gelder für die Renovierung bereitgestellt werden konnten und das „Jahrhundert-Projekt“ zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden konnte.
Als erfolgreicher und schon vielfach ausgezeichneter Wirtschaftskapitän hat er auch viel für die Rettung des Stephansdoms beigetragen und die Liste jener sakralen Stätten, die mit seiner Hilfe renoviert werden konnten, ist lang. Er istauch Mitglied des Kuratoriums „Pro Oriente“. Aber ein besonderes Anliegen war ihm sein Einsatz für die Basilika Mariazell.
General Karl Majcen übte ab Oktober 1990 das Amt des Generaltruppeninspektors des Bundesheeres aus, bis er 1999 nach über 47-jähriger Gesamtdienstzeit in den Ruhestand trat. Er plante und leitete umsichtig eine der größten organisatorischen Umstellungen seit dem Bestehen des österreichischen Bundesheeres. Wer sich informieren will, wie verantwortungs-, aber auch geistvoll sich General Majcen mit den Anforderungen seines Berufes auseinandergesetzt hat, dem sei der Sammelband der Landesverteidigungsakademie empfohlen, welcher ausgewählte Schriften, Vorträge und Reden des Generals enthält.
Für General Majcen war es ein Herzensanliegen, die Aktionen für Mariazell zu unterstützen.
Alice Schwarzer sagte einmal: Frauen begnügen sich nicht mehr mit der Hälfte des Himmels, sie wollen die Hälfte der Welt. In der Wissenschaft sind die Frauen in den Spitzenpositionen davon noch weit entfernt.
Univ.-Prof. Dr. Ulrike Leopold-Wildburger studierte Mathematik, Philosophie und Logik in Graz und Oslo, es folgte das Doktorat in Philosophie. 1982 habilitierte sie sich für Operations Research und Wirtschaftsmathematik. Ihre Gutachter waren u. a. Reinhard Selten aus Bonn sowie John Harsanyi aus Berkeley, die beide 1994 den Nobelpreis für Ökonomie erhielten.
1989 wurde sie die erste Professorin an der SOWI-Fakultät. Sie war auch Studiendekanin an der Grazer SOWI-Fakultät und Universitätsrätin der TU Graz. Sie nahm auch viele Gastprofessuren im Ausland wahr. In Florenz ist sie als Mitglied des obersten Rates am European University Institute tätig. Sie organisierte viele internationale Konferenzen und verfasste etwa 100 Publikationen ,u. a. zur Spieltheorie. Die US-Amerikanische Bibliografische Gesellschaft zeichnete sie 2005 als Frau des Jahres aus.
LAbg. Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer |