Wandern – Reisen – Pilgern

Diese „steirischen berichte“ haben ihre eigene Entstehungsgeschichte. Durch längere Erkrankung war unser Chefredakteur Max Mayr nicht in der Lage, diese Nummer zu ­gestalten. Pflichtbewusst wie stets hat er zusammen mit seiner Gattin Herta Mayr versprochene Beiträge geliefert, doch die Gesamtleitung hat Mag. Gerald Gölles vom Steirischen Volksbildungswerk sehr engagiert übernommen.
Das Thema entstand aus einer Redaktionsbesprechung. Und was für ein Thema! Wandern, Reisen, Pilgern: Jedes Wort verdient sich ein ganzes Buch.
Das Wandern war des Müllers Lust, so wurde jedenfalls gesungen. Heute klappern keine Mühlräder mehr an rauschenden Bächen, kein Müllergeselle wandert auf seiner Walz über die Lande. Wer in der mobilen Gesellschaft immobil viele Stunden vor Computern und Fernsehern verlebt, der joggt bestenfalls zum Ausgleich. Nicht von ungefähr ist die Mode mitsamt dem Wort aus Amerika zu uns herüber geschwappt. Wandern ist in der Welt des so genannten Lifestyles ein Fremdwort. Und doch gibt es die Unverdrossenen, die sich Zeit abtrotzen für das unverwechselbare Erlebnis des Wanderns in der freien Natur.
Glücklich, wer wie Odysseus eine lange Reise tut, heißt es in einem Renaissancegedicht von Joachim du Bellay. Ob der Held der vielen Abenteuer froh wurde, die er zu bestehen hatte, bis er seine Penelope wiederfand, ist zu bezweifeln. Heute reist es sich viel bequemer als einst. Freies Reisen ohne Dienst und ohne Geschäft gehört in reichen Ländern für viele zur Lebenskultur. Es ist eine Chance auf Entdeckung und Erfahrung. Fremdes Erahnen, sich selbst in der Fremde als fremd zu begreifen, hilft umgekehrt, im eigenen Land auf friedliche Fremde ohne Vorbehalt zuzugehen.
Pilger sind Wanderer der besonderen Art. Jenseits der Anstrengung, die Tage, ja, Wochen dauern kann, winkt ihnen ein Ziel des Heils. Heil, ein tiefes Wort. Lange Zeit ist es entwertet  worden. Es ist gut, darüber neu nachzudenken. Die Hoffnung auf Heil begleitet Pilger auf ihren Wegen. Sie haften auf dem Boden und suchen zugleich jenseits des Alltags nach Weite und Höhe.
Die Steiermark hat das Glück, zu allen ihren Pilgerstätten auf Mariazell stolz sein zu dürfen. Was sich an diesem Ort an Kraft eingesetzt hat und einsetzt, um Pilgern und Gästen freundlich entgegenzukommen, ist zeichenhaft für den Geist, mit dem sich die Steiermark als Wanderland, Reiseland, Pilgerland immer bekannter und beliebter macht.

Kurt Jungwirth

Kurt Jungwirth,
Obmann des Steirischen Volksbildungswerkes