Lebendiges Land

Sie ist ein lebendiges Land, diese Steiermark. Von ihr zu berichten macht Freude und Kopfzerbrechen. Freude, weil es bei uns genug interessante Menschen und spannende Themen gibt. Kopfzerbrechen, weil vieles, das wünschenswert wäre, in Monatsheften nicht besprochen werden kann. So heißt es eben für die Redaktion selektieren – und selektieren ist hart.
Die „steirischen berichte“ versuchen jedenfalls seit jeher den großen Bogen zu spannen. Auch in diesem Heft gibt es ein breites Angebot. Bildung und Forschung und Künste und Kultur kommen auch in dieser Nummer zu Wort.
Die Themen bauen auf einer breiten Basis von Volkskultur auf, dem Bild entsprechend, das oft bemüht wird: Ein Baum mit hoher Krone braucht tiefe Wurzeln. Die Rückbesinnung auf Wurzeln liegt in Ländern und Regionen in der Luft. Wohl auch deswegen, weil der moderne Mensch übernationalen Monstern in Wirtschaft und Politik zunehmend hilflos gegenübersteht. Angesichts riesiger Machtballungen findet eine zunehmende Entdemokratisierung der Gesellschaft statt. Ab einer gewissen Dimension kann von Mitbestimmungen keine Rede sein. Der Bauchfleck eines anonymen Spekulanten kann tausende ihre Existenz kosten. Wenn sich der Mensch schließlich auch noch der Maschinerie der Unterhaltungsindustrie in die Hände fallen lässt, ist seine Fremdbestimmung total. Eine neue Volkskultur zeigt Ansätze des inneren Widerstands.
Die Wochen der kurzen Tage und langen Nächte vor Weih- nachten hießen einst die stille Zeit. Heute sind sie laut, lärmend, hektisch. Trotzdem muss es möglich sein, sich zwischendurch abzu koppeln und nach innen zu schauen. Wir erleben in diesen Tagen und Wochen ein unglückseliges Welttheater. Die Gier der Reichen, der Hass der Armen und die Brutalität auf beiden Seiten in einem gnadenlosen Weltwirtschaftskrieg sind abstoßend. Es bleibt bei aller Ohnmacht uns überlassen, das Geschenk des Lebens anzunehmen und mit ihm sorgfältig umzugehen. Dazu braucht es persönliche Antworten auf die Fragen, die in der Konsum gesellschaft wegeskamotiert werden: Was ist wichtig und was nicht? Was ist gut und was ist böse? Was ist zu tun und was nicht?
Den Leserinnen und Lesern der „steirischen berichte“ wünsche ich Momente der Nachdenklichkeit und ein paar gute Lichtblicke um diese Weihnachtszeit.

 

 

Kurt Jungwirt