Die Erben des steirischen Prinzen

Familiengeschichtliche Seitenblicke auf die
Nachkommen Erzherzog Johanns

 

Die direkte Nachkommenschaft Erzherzog Johanns umfasst heute mehr als 900 Personen. Sie sind über alle Kontinente verteilt und naturgemäß in den unterschiedlichsten Berufen tätig.
Ihr zweiter Stammvater ist neben dem steirischen Prinzen dessen einziger Sohn Franz (1839–1891), der 1844 Namen und Titel eines Grafen von Meran erhalten hatte. Die Ehe Johanns mit der bürgerlichen Postmeisterstochter Anna Plochl war unbeschadet ihrer kirchenrechtlichen Gültigkeit nach dynastischen Gesichtspunkten nur eine sog. morganatische Ehe, d. h. sowohl Anna als auch ihrem gemeinsamen Sohn kam ein anderer Rang zu als ihn der Ehemann und Vater besaß.

Erzherzog Johann hatte zur Versorgung Annas den Brandhof ausgesetzt, gleichzeitig sollte ihr der Adel verliehen werden.

Die Witwe Erzherzog Johanns, Anna Gräfin Meran, mit ihren Enkeln Karoline, Rudolf und Albrecht im Jahre 1879.
Foto: StLA


Doch erst fünf Jahre nach der 1829 erfolgten Eheschließung regelte man am Wiener Hof die künftige Stellung der erzherzoglichen Gemahlin. Mit kaiserlichem Handschreiben vom 14. März 1834 wurde ihr und etwaigen Kindern aus ihrer Ehe mit dem Erzherzog der Freiherren-stand mit dem Namen von Brandhofen verliehen. Nach der Geburt seines Sohnes beschäftigte sich Johann nicht nur mit der Frage, welcher Name und welcher Rang seinem Sohn künftig zukommen sollten, sondern natürlich auch mit der finanziellen Sicherstellung. Bereits 1840 nahm der Erzherzog mit dem Wiener Hof Verhandlungen darüber auf, die 1847 in der Errichtung eines Fideikommisses mündeten, das jedoch 1853 vom Erzherzog wider-rufen und 1855 neuerlich errichtet wurde. Dieses gebundene Vermögen, das nur in männlicher Linie nach dem Recht der Erstgeburt vererbt werden sollte, umfasste das Palais Meran in Graz, Gut Schenna mit dem Gut Ober- und Unterthurn bei Schenna und ein Kapital von 700.000 Gulden, das überwiegend in Staatsschuldverschreibungen angelegt war. Die 1840 erworbene Herrschaft Stainz wie auch der Brandhof waren freier Besitz.
Auch die Suche nach einem passenden Namen für das neue Geschlecht gestaltete sich schwierig. Es war der steirische Archivar Josef Wartinger, der den Erzherzog auf die mittelalterlichen Herzöge von Andechs-Meranien hinweisen sollte. Der Herzogstitel rührt allerdings nicht vom tirolischen Meran her, sondern von der Bezeichnung für die küstenländischen Besitzungen dieser Familie. Trotzdem war ein Bezug zu Tirol gegeben, da die Habsburger als Nachkommen der tirolischen Görz-Meinhardiner auch von den Andechs abstammten. Am 29. April 1844 (Diplom vom 30. Dezember 1845) erhob schließlich Kaiser Ferdinand I. den aus der morganatischen Ehe mit der Freyin von Brandhofen entsproßenen Sohn Franz [seines Onkels] in den österreichischen Grafenstand mit dem Namen eines Grafen von Meran, Freyherrn von Brandhofen. Sechs Jahre später wurde auch Anna Plochl von Ferdinands Nachfolger Franz Joseph I. in den Grafenstand erhoben.

 

Peter Wiesflecker

 

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