Dynamischer Wirtschaftspolitiker, Reformer
und Motor des Fortschritts

Erzherzog Johann aus der Sicht der Wirtschafts- und Sozialgeschichte

 


Eine der ersten Dampfmaschinen.
Foto: kk


Erzherzog Johann war ein nachhaltiger Erneuerer, dessen Leistungen bis heute spürbar sind. Mehrere Zufälle bewirkten, dass der 1782 in Florenz geborene Prinz in die Steiermark kam. Die Toskana war unter der habsburgischen Verwaltung eine hoch entwickelte Region. Hier hatte sich die Wirtschaft gut entfaltet und man war im Bank- und Manufakturwesen sehr fortschrittlich. Erzherzog Johanns Vater hatte als toskanischer Großherzog Pietro Leopoldo viele Reformen durchgeführt. Nach dem Tod seines Bruders Josef II. musste der Großherzog nach Wien, um als Kaiser Leopold II. ein schweres Erbe anzutreten. Er regierte nur kurz, 1792 starb er überraschend; doch es war ihm gelungen, die Reformen seines Bruders mit Augenmaß weiter zu führen.
Erzherzog Johann war das 13. Kind von Leopold II. - damit war klar, dass er weder für die Kaiserwürde, noch für die des Großherzogs der Toskana bestimmt sein würde. Dies relativiert auch seinen formellen Thronverzicht, den er wegen seiner unstandesgemäßen Heirat erklären musste. Johann war für eine militärische Karriere vorgesehen. In der von den Wirren der Napoleonischen Kriege geprägten Periode wurde er Feldmarschall und Generaldirektor für das Genie- und Fortifikationswesen.
Es gab blutige Schlachten und die nüchterne Erkenntnis, dass man Napoleons strategischen Fähigkeiten nicht gewachsen war. Auch politisch gab es für Erzherzog Johann Misserfolge: Sein Engagement für den erfolglosen Tiroler Freiheitskrieg und den „Alpenbund“ wurden vom Hof abgelehnt, und Kaiser Franz I. verbot ihm, sich in Tirol aufzuhalten. Dies bewirkte Johanns Hinwendung zur Steiermark, wo er sich – ohne offiziellen Auftrag dazu – für viele Reformen einsetzte.
Dabei kam ihm sein großes Wissen zugute. Schon früh war er an Natur, Technik und Wirtschaft interessiert und hatte mit wissenschaftlicher Akribie Sammlungen angelegt.

Warum waren Reformen in Österreich bitter notwendig?

Während sich in England bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Industrielle Revolution und der Liberalismus durchgesetzt hatten, war Österreich noch bis 1848 von der bevormundenden Wirtschaftspolitik des Merkantilismus geprägt. Es herrschte ein Klima der Unfreiheit, bis 1848 war die Zeit des „Vormärz“ und des Biedermeier von Repression gekennzeichnet. Das geistige Leben war von internationalen Strömungen abgeschottet, selbst Erzherzog Johann hatte Probleme mit der Zensur, wenn er sich ausländische Bücher besorgte. Staatliche Eingriffe behinderten die freie Entfaltung, dazu kamen noch die mächtigen Zünfte, die bei uns erst 1859 abgeschafft wurden.

 
Erzförderung mit Hilfe eines sog. Sackzuges.
Foto: kk
 

Gerald Schöpfer

 

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