Der „steirische Prinz“ und seine Bauern

Überlegungen abseits von Idealisierungen und Ideologisierungen

 

Am 23. Oktober 2004 hat die Steirische Landwirtschaftskammer in einer zünftigen Feierstunde im Grazer Kongress ihr 75jähriges Bestehen gefeiert, heuer gedenkt auch sie – wer eigentlich nicht in unserem weiß-grünen Land? – ihres eigentlichen Urhebers Erzherzog Johann, der am 28. März 1819 die Gründungsversammlung einer steirischen „Landwirtschaftsgesellschaft“ präsidierte. Nicht nur agrarpolitische Insider erinnert diese eigenartige Inkonsistenz historischer Zuschreibungen an die im Mai 1999 in den Kasematten  des Grazer Schlossberges groß inszenierte Hundertjahrfeier des nach- weislich am 13. Juni 1945 gegründeten Steirischen Bauernbundes.
Natürlich, man kann das alles wohlfeil argumentieren: 1899 hat  Franz Hagenhofer den „Katholisch- conservativen Bauernverein für  Mittel- und Obersteiermark“ gegründet, der in hier nicht weiter zu erörternder Weise durch Monarchie, Weltkrieg, Erste Republik und Austrofaschismus Bestand hatte und als Wurzelstock der politischen Neupositionierung der konservativ-christlichen Bauernschaft wie auch der national-liberalen Landbund-Nachfolger Platz in der ebenfalls neu gegründeten Volkspartei fand. Selbstverständlich lassen sich auch genügend Entwicklungslinien von der angesprochenen Landwirtschaftsgesellschaft bis zur Kammergründung 110 Jahre danach konstruieren. Und es ist halt allemal attraktiv, im gleißenden Licht einer steirischen Ikone wie Erzherzog Johann durch Feste sowie Gedenktage und -jahre Fakten zu setzen.

Steirischer Reformator wider Willen

Die Bedeutung des „steirischen Prinzen“ für das Land ist unbestritten. Daran ändert auch nichts, dass Erzherzog Johann in die Steiermark überhaupt erst nach seinem weitgehend missglückten politischen und militärischen Engagement im Tiroler Freiheitskampf gekommen ist. Sein Bruder Kaiser Franz I. hatte ihm den Aufenthalt im Land des Andreas Hofer schlicht und einfach verboten, und die Steiermark „wäre ein Pflaster auf die Wunde, welche mir der Verlust von Tirol schlug“. Daran ändert ebenfalls nichts, dass der vermeintliche Höhepunkt in Johanns Leben, die Bestellung zum deutschen Reichsverweser 1848, von der realpolitischen Bedeutung her betrachtet letztlich kaum Gewicht in der deutschen Geschichte findet. Aber: Wir sind Erzherzog Johann!


Die Schwarzenseealm und der Schwarzensee laden zum Verweilen im steirischen Kleinsölktal ein.
Foto: Giselbrecht


Hans Putzer

 

Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellung)