Erzherzog Johann und die Eisenstraße

Freund des Berg- und Hüttenwesens, Urgründer der Montanuniversität

 
Schon in Kindheit und Jugend zeigte Erzherzog Johann ausgeprägtes Interesse an der Natur und ihren Erscheinungen in Gesteinen, Flora und Fauna. Seine umfangreichen Sammlungen bildeten 1811 den Grundstock für das Joanneum, das einerseits der musealen Präsentation dienen, andererseits aber als Lehranstalt Bildung und Wissenschaft vermitteln sollte. Wichtige Innovationen des Erzherzogs und seiner Berater auf dem Gebiet des Berg- und Hüttenwesens wirken bis heute nach.
 

Die Englandreise 1815/16

Nach dem Wiener Kongress 1815 reiste Erzherzog Johann als Vertreter des Kaisers mit seinem Bruder Ludwig nach England, wo sich sein besonderes Interesse dem Berg- und Hüttenwesen, vor allem dem Eisenhüttenwesen, zuzuwenden begann, denn England galt damals als führend in der Technik. Der Erzherzog besuchte dort auch die modernen Berg- und Hüttenbetriebe, so den berühmten Eisenbezirk um Ironbridge/Telford, worüber er in seinem Reise-Tagebuch ausführlich berichtet. Wurzbach schreibt darüber: „Sie besuchten nun die wichtigsten Fabriksstädte und in denselben die großartigen Manufacturanstalten, Maschinenwerkstätten, Eisen- und Stahlwaaren-Fabriken, Spinnereien, Webereien u. dgl. m. … Seine Reise nach England hatte nachhaltige Folgen für die Steiermark. Er nahm überall Muster der Erzeugnisse, Pläne, Zeichnungen und Modelle, welche er bei seinem Eintreffen in Gratz (15. Mai 1816) in den Räumen des Joanneums zur Einsicht und Benützung niederlegte …“

Vom Joanneum zur Montanuniversität

Auf dieser Reise hatte den Erzherzog auch der gebürtige Grazer Alois von Widmanstetten begleitet, letzter Vertreter der Grazer Druckereidynastie, der durch die Entdeckung der Struktur in Eisenmeteoriten 1808 noch heute weltweit jedem Eisenmetallographen ein Begriff ist.
Auf ihn gehen die frühesten Anschliffe an Gusseisen, u. a. aus Vordernberg, zurück.
Johann hatte ihn auch als Fachmann auf dem Gebiet des Eisenwesens in England zum ersten Professor für Eisenhüttenkunde in Graz vorgeschlagen, doch Widmannstetten winkte aus Altersgründen ab. Wohl auf Anregung Johanns brachten die Kuratoren des Joanneums das Problem der Lehre des Bergbaues und der Hüttenkunde 1828 wieder aufs Tapet, und Kaiser Franz antwortete mit der Aufforderung, die Erfordernisse zu präzisieren; dem folgten die Kuratoren unter dem Abt von Rein, Ludwig, mit einem ausführlichen Gutachten.

Es dauerte noch bis 1836, bis feststand, dass die geplante Lehranstalt in Vordernberg, im Mittelpunkt des Eisenwesens der Steiermark und nicht in Graz am Joanneum, eingerichtet werden konnte.


Hauptansicht des Neubaus der k. k. Montanistischen Hochschule Leoben, vollendet 1910, Architekturzeichnung 1906.
Foto: Original in der Universitätsbibliothek, Kopie aus Gahleitner 1990
 
Kaiser Ferdinand besucht 1841 Erzherzog Johann und seine Familie in Vordernberg im Gewerkenhaus zum Radwerk IV (Meranhaus).
Ausschnitt eines Bildes im Privatbesitz.

Foto: Sperl
 

Gerhard Sperl


Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellung)