Architektonische Spuren

 

Zahlreiche Bauten dokumentieren bis heute das Wirken und die breit gefächerten Interessen Erzherzog Johanns, der sich auch mit dem Bauwesen intensiv beschäftigte, besonders im Dienste der Verteidigung der habsburgischen Länder.
Im Wesentlichen lassen sich die erhaltenen Gebäude des Erzherzogs in drei zweckbedingt unterschiedliche Gruppen teilen, wobei Johann fast durchwegs bereits vorhandene Anwesen oder Betriebe kaufte und diese umgestalten bzw. adaptieren ließ.

Vorbildhaftes

Die erste Gruppe wird von den Mustergütern und -betrieben gebildet, die vorbildhaft-didaktisch wirken, aber zum Teil auch als private Wohnsitze dienen sollten.
Als bestes Beispiel kann hier wohl der Brandhof in der Gemeinde Gußwerk bei Mariazell herangezogen werden. Das 1390 erstmals erwähnte Bauerngut wurde 1818 vom Erzherzog erworben und in den folgenden Jahren zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb ausgebaut. Bis 1828 erfolgte eine großzügige Umgestaltung des Haupthauses, wobei die künstlerische Ausgestaltung in den Händen des nazarenischen Künstlers Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld (1788–1853) lag. Der lang gestreckte und blockhafte, mit Schopfwalmdach gedeckte Bau besitzt eine neugotische Kapelle, die an der östlichen Traufseite mit ihrem polygonalen Grundriss, den gliedernden Strebepfeilern und dem steilen Zeltdach auffällig in Erscheinung tritt. Auch wenn der Brandhof insgesamt zurückhaltend gestaltet ist, finden sich vor allem im Inneren sehr wohl Details, wie etwa habsburgische Wappen, die verraten, dass der Besitzer kein „gewöhnlicher“ Steirer war.
Der Brandhof war aber nicht der einzige Musterhof, den Erzherzog Johann initiierte. So begründete er 1822 mit dem „Steirisch ständischen Versuchshof“ in Graz die erste landwirtschaftliche Schule der Steiermark. Sie erstreckte sich mit ihren Obst- und Weinbauanlagen von der Annenstraße bis zum Plabutsch, wobei das 1833/1834 nach Plänen des Architekten Franz Xaver Aichinger errichtete Hauptgebäude bis zum Neubau eines Möbel- bzw. Modehauses an der Ecke Annenstraße/Eggenberger Gürtel noch zum Teil erhalten war. Ebenfalls im Jahr 1822 richtete Erzherzog Johann das Weingut Pickern/Pekre bei Marburg/Maribor ein, wo 1832 eine Winzerschule folgte.
Die erzherzogliche Tätigkeit blieb aber nicht nur auf die Landwirtschaft beschränkt, sondern das Interesse Johanns galt auch dem Bergbau und der Industrie. Aus diesem Grund erwarb er 1822 in Vordernberg das Radwerk II sowie das zugehörige Radmeisterhaus, wodurch er in die Vordernberger Radmeisterkommunität eintrat und in weiterer Folge die steirische Eisenproduktion beeinflussen konnte. 1837 folgten das Radwerk V in Vordernberg, 1848 das Blechwalzwerk Krems bei Voitsberg, das Hammerwerk Obergraden bei Voitsberg und Kohlengruben im Raum Maria Lankowitz, Pichling und Köflach. Während in Vordernberg von den Radwerken des Erzherzogs nichts mehr vorhanden ist, hat sich doch mit dem Herrenhaus zum Radwerk II, dem so genannten „Meranhaus“, ein eng mit Johann und Anna Plochl (1804–1885) verbundener Bau erhalten. Die Gemahlin des Erzherzogs wohnte hier vor ihrer Verehelichung über mehrere Jahre. Das zweigeschoßige, gedrungen wirkende Gebäude wurde 1684 nach einem Brand neu errichtet und besitzt einen straßenseitig vortretenden Turm mit Zeltdach. Die klassizistisch veränderte Fassade zeigt ein besonders bemerkenswertes Portal. Neben dem „Meranhaus“ wurde auch das so genannte „Prinzen-Amts-Haus“ 1822 vom Erzherzog als Verwaltungs- und Personalwohnhaus angekauft.

 
Der Brandhof wurde vom Erzherzog zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb ausgebaut und künstlerisch ausgestattet.
Foto: Tributsch
 

Martin Müller


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