Die Kammermaler des Erzherzogs Johann
Bildnerische Dokumentaristen ihrer Zeit

 

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts beschäftigte Erzherzog Johann, der Tradition der Hof- und Kammermaler folgend, eine Reihe von Künstlern, u. a. Johann Kniep, Jakob Gauermann, Karl Russ, Matthäus Loder und Thomas Ender. Seine Beweggründe waren durch neue aufklärerische Ideen geprägt.

 

Die Kammermaler sollten im Sinne von volksbildnerischen und naturwissenschaftlichen Interessen die Landschaft der Steiermark und deren Bevölkerung möglichst wirklichkeitsgetreu erfassen, wofür der Erzherzog genaue Anleitungen vorgab. Dies war eine neue Herausforderung und Aufgabe für die akademisch geschulten Künstler.
Zwischen 1801 und 1848 entstanden so zahlreiche  Landschaftsbilder, meist Aquarelle, die die Stimmung des Biedermeier einfangen. So sind die Landschaften sowohl durch einen ausgeprägten Realismus in der Darstellung geprägt, als auch von einer romantischen Sehnsucht nach einem Ideal durchdrungen. Diese bildnerischen Landschaftsbeschreibungen bildeten den Kern der Kunstsammlung des 1811 gegründeten Joanneums.

Zwischen Aufklärung und Romantik:
Fortschrittsglaube und das „Eigene“ als Verteidigung

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Natur ins Zentrum gestellt, sie wurde zum Symbol für das Schöne und Reine. Die Sehnsucht nach einer unberührten, ursprünglichen Natur steht in engem Zusammenhang mit der zunehmenden Industrialisierung, welche das 19. Jahrhundert prägte. Trotz aller Begeisterung für den Fortschritt und die damit verbundenen Möglichkeiten sah man auch die Nachteile dieses Prozesses: Verstädterung und Landflucht, Anonymisierung und Mechanisierung der Gesellschaft, Verlust des traditionellen sozialen Lebens. Die Natur wurde hierzu als Gegensatz stilisiert.

 
Mit freundlicher Genehmigung der Steiermärkischen Landesbibliothek.  

Bettina Messner


Die vollständige Fassung dieses Artikels finden Sie in dieser Ausgabe der "steirischen berichte". (Bestellung)